Lokaltermin im Stephan’s in Leinfelden: Der Ausflug in die Sterneküche zahlt sich für alle aus

Juniorchef Peter Stephan ist nach einigen Lehrjahren in den elterlichen Betrieb nach Leinfelden zurückgekehrt.
BergmannLeinfelden - Da sei dieser innere Drang gewesen, dieses Gefühl, noch mehr machen zu wollen, Neues zu lernen jenseits von Maultaschen und Sauerbraten, erzählt Peter Stephan und ist losgezogen in die Sternegastronomie. Er hat Sternekoch Benjamin Breitenbach auf die Finger geschaut, sich inspirieren lassen von seinem Mentor Bernhard Diers im Gourmetrestaurant im Hotel am Schlossgarten und war zuletzt in der Villa Hammerschmiede unweit von Karlsruhe zum Sous-Chef aufgestiegen. Nach den Erkundungsjahren ist der 31-Jährige zurückgekehrt in den elterlichen Betrieb, wo er einst auch bei seinem Vater in die Lehre gegangen war, und hat allerhand Ideen mitgebracht. Ein Glücksfall für die Gäste des Leinfeldener Stephan’s, die nicht auf Bewährtes verzichten müssen – Rinderroulade und Gulasch finden sich immer noch auf der Karte – , aber auch zwischen allerlei Innovativem auswählen können wie Trüffelraviolo oder Lachsfilet. Zur gutbürgerlichen Küche hat sich so mancher Feinschmeckergenuss dazu gesellt.
Die erstaunlich leichte Rahmsuppe vom Hokkaidokürbis (5,50 Euro) wird gekrönt von karamellisierten Kürbiskernen und einem Häubchen Ingwerespuma. Ein bisschen süß, ein bisschen scharf, das passt gut zusammen. Schön bissfest ist das Risotto (12,90 Euro) mit gebratenen Champignons und saftigen Kirschtomaten. Geröstete Pinienkerne sind untergemischt und verleihen dem Ganzen eine nussige Note. Dazu wird ein kleiner bunter Salat gereicht, mit fein geraspelten Karotten, Kresse, Radieschen und einem zitronigen Dressing.
Die Filderkrautwickel sind ein wunderbares Herbstessen
Klassisch schwäbisch und ein Hochgenuss ist der ofenfrische Filderkrautwickel mit herzhafter Hackfleischfüllung, einer Speck-Zwiebelsoße und hausgemachtem Kartoffelpüree (11,50 Euro). Ein wunderbares Herbstessen, das von innen wärmt. Zur Hochform läuft Peter Stephan, der in der Küche von André Schirk und Marianne König verstärkt wird, beim Dessert auf und lässt so manche Mittagspause sausen, um seinen Patisserie-Passionen in Ruhe vorzubereiten. Das zahlt sich für die Kundschaft aus, sie profitiert vom Ausflug ins Sternemetier – und das nicht nur bei der Optik. Der Apfelofenschlupfer mit gerösteten Mandeln und Zimtzucker (6,50 Euro) wird mit einem üppigen Rahmvanilleeis und einem Klacks dicker Vanillesoße serviert. Ein himmlisches Dessert, verziert mit gezuckerten Johannisbeeren am Stiel, die aussehen als kämen sie aus einem Schneesturm. Auch das Mousse von dunkler und weißer Edelschokolade mit Vanillesoße und Himbeermark (5,80 Euro) ist ein Volltreffer. Peter Stephan macht es Spaß, mit Farben und Zutaten zu experimentieren und dafür nimmt er sich Zeit. Das sieht und schmeckt man. Bleibt nur zu hoffen, dass der Juniorchef nicht bald wieder eine innere Unruhe verspürt und erneut losziehen will, um weiter an seinen Künsten zu feilen.
Die Bewertung
Küche ****
Service ***
Ambiente **+ 1/2*
***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.