STZ+STZ+Lost Place Stuttgart
: Wohnen und eigenen Wein lesen, wo einst Kriegsverletzte im Bunker lagen

Schicke Wohnungen im Bunker mit grandioser Aussicht auf das Neckartal – das war der Plan von Hans Klement und Wolf-Dieter Roetzer. Sie kauften den Bunker am Zuckerberg und einen Teil des Weinbergs gleich dazu. Jetzt steht beides wieder zum Verkauf.
Von
Jana Gäng
Stuttgart
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  • Wolf-Dieter Roetzer führt mit Taschenlampe durch den Hochbunker am Zuckerberg.

    LICHTGUT/Max Kovalenko
  • Wolf-Dieter Roetzer kaufte den Hochbunker am Zuckerberg 2011 gemeinsam mit Geschäftspartner Hans Klement. Beiden gehört das Architektur- und Projektentwicklungsbüro PlanQuadrat-Stuttgart. Ihr Ziel: Den Bunker zu einem außergewöhnlichen Wohnhaus umzubauen. Nachdem seit diesem Jahr eine rechtswirksame Baugenehmigung vorliegt, wollen Klement und Roetzer den Bunker projektentwickelt verkaufen. Der kommende Eigentümer könnte dann mithilfe der Planungen der Architekten aus dem einstigen Lost Place ein helles Wohnhaus machen.

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  • Selbst für einen Bunker würde der Bau am Zuckerberg einen ungewöhnlichen Ort zum Wohnen abgeben: Unmittelbar an das Grundstück grenzen Winzer-Flurstücke mit Weinreben an, die die Architekten miterworben haben.

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  • Der Bunker wurde im Jahr 1941 unter dem NS-Regime gebaut und diente den Menschen in Steinhaldenfeld als Schutzort vor den Bomben der Alliierten.

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  • Lärm scheint hier heute fremd: Der Bunker liegt am Ende einer ruhigen Wohnstraße voller Einfamilienhäuser.

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  • Die Moniereisen sollten laut Verein Stuttgarter Schutzbauten dazu dienen, die Sandsteinfassade zu stabilisieren.

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  • Bisher lässt nur ein Fenster pro Stockwerk ein wenig Tageslicht in den Bunker. Roetzer und Klement planten daher, weitere Öffnungen mit einer speziellen Säge in die meterdicken Wände zu schneiden.

    PlanQuadrat-Stuttgart
  • Im Inneren haben einige der fensterlosen Zimmer Durchbrüche zum Gang – Illusion einer Öffnung nach draußen.

     
  • Die Türen der kleinen Räume, die vom Gang abgehen, sind nummeriert – vermutlich dienten sie den Flüchtlingen als Appartements. Geteilt wurden dagegen sanitäre Anlagen.

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  • Die Räume in den oberen Geschossen sind dank einzelner Fenster heller als das finstere Untergeschoss. Sie sind zudem großzügiger: Roetzer und Klement haben Zwischenwände einreißen lassen.

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  • Aufschriften auf den Wänden dienten zur Orientierung im Bunker.

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  • Von den Waschrinnen gab es einst eine pro Geschoss. Inzwischen sind sie entfernt.

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  • Jedes Geschoss hatte zudem eine Toilette. Auch sie steht nicht mehr.

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  • Hier konnten sich die Menschen mit Trinkwasser versorgen.

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  • Ein Schild zeigt, dass einige der Stahltüren vom Zuffenhausener Unternehmen Karl Ebinger hergestellt wurden.

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  • Im Keller befinden sich die Versorgungsräume wie der ehemalige Maschinenraum, in dem ein Belüftungskompressor stand. Die Anlagen gewährleisteten, dass bereits zu Kriegszeiten Menschen hier tagelang ausharren konnten. Seit den 60er Jahren war der Bunker dann bewohnt.

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  • Auch mit Strom wurde der Bunker versorgt.

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  • Beheizt wurde das Gebäude mit Kohlen.

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  • Anders als früher ist das Treppenhaus aber gegenwärtig der einzige Ort mit Licht.

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  • Der Dachboden lässt sich bisher nur über eine Leiter erreichen, die durch die kleine Öffnung in der 1,50 Meter dicken Betondecke ragt. Die Architekten planten, eine große Öffnung für einen Treppenlauf aussägen zu lassen. Auf dem ehemaligen Dachboden soll dann eine weitere Wohnung entstehen.

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  • Auch die Außenwände des Bunkers sind massiv – 1,10 Meter dick sind sie in den oberen Geschossen laut Wolf-Dieter Roetzer. Im Untergeschoss seien es sogar 1,90 Meter, um das Gebäude vor Druckwellen von potenziell am Boden explodierenden Bomben zu schützen.

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  • Nach mehr als 80 Jahren ist der Beton an der Oberfläche an einigen Stellen beschädigt. Der Substanz und Stabilität der Wände schade das aber nicht. Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg sollten mindestens 200 Jahre überdauern.

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  • Ehemalige Bewohner oder Zwischennutzer haben versucht, mit bunten Farben und Tapeten den Bunker wohnlich zu machen.

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  • Einige Wände sind gemustert...

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  • ... an anderer Stelle finden sich Zeichnungen und Poster...

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  • ... oder Malereien.

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  • Als Roetzer und Klement den Bunker kauften, waren noch ganze Wände mit den Gesichtern früherer Stars tapeziert. Einiges haben sie inzwischen abgerissen...

    PlanQuadrat-Stuttgart
  • ... andere Dekorationen hängen noch heute.

    PlanQuadrat-Stuttgart/
  • Weil der Bunker als Landmarke kilometerweit sichtbar ist, mussten sich die Architekten für die Baugenehmigung verpflichten, identitätsstiftende Elemente wie das Zeltdach zu erhalten.

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  • Roetzer kann sich auch vorstellen, Elemente im Innenraum wie die schweren Stahltüren zu bewahren, um auf die Historie des Gebäudes aufmerksam zu machen.

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  • Dank der von Klement und Roetzer ebenfalls erworbenen, umliegenden Flurstücke mit Weinreben, könnten Käufer eigenen Wein herstellen – selbstständig oder unter Anleitung des jetzigen Pächters. Auch Klement und Roetzer unterstützten einige Jahre den Winzer bei der Lese. Ergebnis war ihr „Bunker-Wein“, ein trockener Trollinger-Rosé.

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  • Die Visualisierungen von PlanQuadrat-Stuttgart zeigen, wie die fünf Wohnungen im Bunker einmal aussehen könnten. Den Architekten schweben luxuriöse und helle Räume vor mit besonderer Aussicht auf das Neckartal.

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  • Die Wohnung unter dem Dach soll eine Galerie und eine Dachterrasse bekommen.

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  • Die Wohnungen darunter haben nach dem Umbau einen Balkon, von dem aus die Eigentümer auf „ihren“ Weinberg blicken können.

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