Luftreinhaltung in Stuttgart
: Messstation am ehemaligen Feinstaub-Hotspot abgebaut – das ist der Grund

Jahrelang stand am Neckartor die Messstation mit den höchsten Stickoxid-Werten Deutschlands. Jetzt ist sie weg. Der Grund hat nichts mit besserer Luft zu tun.
Von
Sebastian Steegmüller
Stuttgart
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Die Luftmessstation am Neckartor wurde mithilfe eines mobilen Krans auf einen Lastwagen geladen und an seinen neuen Standort gebracht.

LUBW

Die Luftmessstation am Neckartor, jahrelang Deutschlands schmutzigste Kreuzung, ist in die Hauptstätter Straße umgezogen worden. Die Stickstoffdioxid-Belastung sank zwischen 2017 und 2025 von 71 auf 34 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dennoch ist das nicht der Grund für die Verlegung. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat den Standort gewechselt, weil die Werte am früheren „Feinstaub-Hotspot“ in absehbarer Zukunft nicht mehr repräsentativ sind.

Nesenbachkanal wird erneuert

Grund ist der bevorstehende Neubau des Nesenbachkanals, der Abwasser zum Hauptklärwerk in Mühlhausen transportiert. Das Bestandsbauwerk aus den 1960er-Jahren verläuft vom Neckartor bis zu den Mineralbädern unter der Cannstatter Straße und soll bis 2031 ersetzt werden. Vorarbeiten haben bereits begonnen. Neben der geänderten Verkehrsführung hätten vor allem Baustellenstaub, Abgase von Baggern und Lastwagen die Messungen verfälscht. „Sie könnten daher fachlich nicht belastbar ausgewertet werden“, teilt die LUBW mit.

Die Luftmessstation am Neckartor wurde mithilfe eines mobilen Krans auf einen Lastwagen geladen und an seinen neuen Standort gebracht.

Foto: LUBW

Bereits am Dienstag, 19. Mai, wurde deshalb die Messstation vom Neckartor in den Stuttgarter Süden verlegt. Sie steht jetzt an der Hauptstätter Straße, zwischen Römer- und Cottastraße und ersetzt eine kleinere Messstation. Dort misst die LUBW bereits seit 2015 Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub. Der größere Container vom Neckartor erfasst zusätzlich Benzol und Schwermetalle im Feinstaub.

Der neue Standort liegt ebenfalls an der Bundesstraße 14, aber zentraler in der Innenstadt, mitten im Kessel. Dort findet sich beidseitig eine dichte Bebauung, das Neckartor ist dagegen zum Schlossgarten hin offen. Gleichzeitig herrscht vor der Messstation in der Hauptstätter Straße weniger Verkehr. Die Stickstoffdioxid-Werte sind daher in der Regel etwas niedriger als am alten Standort.

Ob die Messstation nach Abschluss der fünfjährigen Bauarbeiten ans Neckartor zurückkehrt, lässt die LUBW offen. Am alten Standort misst sie mit Passivsammlern weiter Stickstoffdioxid – trotz möglicher Verfälschungen durch die Baustelle. Nur so lässt sich die Entwicklung verlässlich bewerten. Das ist wichtig, denn ab 2030 gelten strengere EU-Grenzwerte: Die Stickstoffdioxid-Belastung muss dann unter 20 Mikrogramm pro Kubikmeter sinken.

Unter anderem durch Umweltzonen, Tempolimits und innovative Filtersäulen hat sich die Luftqualität in ganz Stuttgart deutlich verbessert, aber die Stadt ist noch nicht am Ziel: Am Neckartor lag der Wert 2025 bei 34 Mikrogramm. Zeichnet sich im kommenden Jahr ab, dass die neuen Grenzwerte verfehlt werden, müssen Prognosen erstellt und möglicherweise Luftreinhaltepläne aufgestellt werden.

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