Menschen auf dem Fasanenhof: Ein sozialer Brennpunkt war der Fasanenhof nie

Andreas Hoffmann lebt sehr gerne auf dem Fasanenhof
Waltraud Daniela EngelStuttgart-Möhringen - Fast zur gleichen Zeit als der erste Stein auf dem Fasanenhof gemauert wurde, ist auch der gebürtige Ludwigsburger Andreas Hoffmann mit seinen Eltern in die Siedlung gezogen. „Ich bin ein Fasanenhofer der ersten Stunde“, sagt der 57-Jährige. Rückblickend betrachtet hat der Stadtteil laut Hoffmann seinen schlechten Ruf von früher zu Unrecht. „Ein sozialer Brennpunkt war der Fasanenhof nie. Das sind nur Vorurteile“, sagt Hoffmann. Als der Stadtteil gebaut wurde, brauchte Stuttgart dringend neuen Wohnraum. „Vielen sehen den Fasanenhof deshalb als ‚Retortenstadt’“, erklärt er. An die Bauzeit hat er persönlich nur gute Erinnerungen: „Wir Kinder haben in den Baugruben gespielt und Versteinerungen ausgebuddelt,“ sagt er und lacht. Heute gehe das leider nicht mehr. „Vielleicht sollte ich eine Initiative gründen, damit Kinder wieder in Baugruben, wie in einem Steinbruch, buddeln dürfen“, sagt Hoffmann.
In den vergangenen Jahren hat sich viel im Stadtteil getan: Der Fasanenhof habe die Stadtbahnlinie bekommen, viele Häuser sind frisch renoviert und auch der Europaplatz werde im kommenden Jahr fertig, sagt er. Die Lage findet der selbstständige Elektromeister mit eigener Firma auf dem Fasanenhof auch ideal. Zentrumsnah, trotzdem im Grünen, und die Häuser seien nicht so dicht aufeinander gebaut wie in anderen Stadtteilen.
Ausbildung via Fernstudium
Zur Schule ist Hoffmann selbst immer gependelt, da sich seine Eltern dafür entschieden hatten, ihn auf die Waldorfschule zu schicken. Die Ausbildung hat er via Fernstudium vom Fasanenhof aus gemacht. Auch seine eigenen Kinder sind auf dem Fasanenhof aufgewachsen und zur Schule gegangen. Mittlerweile sind sie aus beruflichen Gründen weggezogen. Dennoch kommt der Sohn in den Semesterferien gerne nach Hause. Hoffmanns Mutter lebt noch auf dem Fasanenhof, im gleichen Haus, in das die Familie vor mehr als 50 Jahren gezogen ist.
Den Stadtteil zeichnet laut Hoffmann auch ein gutes Wohnklima aus und dank Apotheke, CAP Markt, drei Allgemeinmedizinern und einem Restaurant gibt es auch eine anständige Nahversorgung. „Einzig ein Drogeriemarkt und vielleicht ein Blumenladen fehlen“, meint Hoffmann. Vor einigen Jahren gab es noch drei Restaurants, aber nachdem der Europaplatz abgerissen wurde, fehlt dem Elektromeister ein bisschen die Vielfalt. Trotzdem: „Es gefällt mir hier. Ich habe hier meinen Lebensmittelpunkt gefunden,“ sagt der 57-Jährige. Deshalb sind sogar einige seiner Lieblingsplätze im Stadtteil: „Ich gehe in meiner Freizeit gerne in den neuen Bürgergarten. Und natürlich auf meinen Balkon,“ sagt er und lacht.