25 Atelier Gsell/Rehfeldt: „Der Mops vom Eugensplatz ist ein Glücksfall“

Uli Gsell in seiner Bildhauerwerkstatt in Kemnat mit Holz-Mops.
Markus BrändliAngeregt von einer scherzhaften Aktion des Stuttgart-Blogs Kessel TV nach dem Loriot-Motto „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“ haben die Stuttgarter Nachrichten 2014 erfolgreich eine Spendensammlung für einen Bronzemops auf der Loriotsäule am Eugensplatz organisiert. Bildhauer Uli Gsell, der damals den Mops schuf, feiert jetzt das 25-jährige Bestehen des gemeinsamen Ateliers mit seiner Frau, der Bildhauerin Birgit Rehfeldt, in Ostfildern-Kemnat. Ein Leben ohne Mops kann er auch er sich kaum noch vorstellen, wie er im Gespräch verrät.
Herr Gsell, der Mops vom Eugensplatz – erinnern Sie sich an die Entstehungsgeschichte?
Ja natürlich, wie könnte ich das vergessen.
Wie denken Sie heute darüber?
Das war ein besonderer Glücksfall, bei dem einiges zusammengekommen ist. Angefangen hat es mit der Säule für Loriot, eine Bildhauerarbeit, die ich im Auftrag von Gerhard Raff ausgeführt habe, finanziert von dem inzwischen verstorbenen Mäzen Volker Merz und seiner Frau Christa. Dann kam der freche Einfall der Leute von Kessel TV, die einen Plastikmops auf die Säule gesetzt haben, der dann über Nacht wieder verschwand. Das hat tolle Wellen in Stuttgart geschlagen, ganz maßgeblich auch durch die Berichterstattung der Stuttgarter Nachrichten, die einen dauerhaften Mopsersatz angeregt haben. Der Mops ist dann in meinem Atelier entstanden.
Er steht immer noch sicher auf der Säule?
Spaßeshalber sage ich manchmal, ich hab ihn viel zu gut verankert. Den holt da keiner mehr weg. Aber selbst wenn er nicht so gut befestigt wäre, käme wohl niemand auf die Idee, ihn zu entfernen. Dafür ist er in übertragenem Sinne zu sehr bei den Leuten verankert. Da spielt auch der Genius Loci eine Rolle: Der Eugensplatz ist einfach ein wunderbarer Ort mit dem Galatea-Brunnen und der tollen Aussicht. Ein besonders schönes Stück Stuttgart!
Sind Sie ab und zu dort und schauen nach Ihrem Mops?
Ich komm oft vorbei, ess da ein Eis oder treff mich mit Freunden. Lustigerweise ist das ja auch ein Treffpunkt der Jugend. Meine Tochter führt da ihre Freunde hin. Sie kennt die Mops-Geschichte und kann dann damit renommieren (lacht).
Sind Sie mit der Ausführung des Mopses heute noch zufrieden?
Ja, sehr zufrieden. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich vielleicht nochmal eine ganz andere Version machen.
Wie würde die aussehen?
Mehr nach Raubtier.
Also gefährlicher, warum das?
Mein Mops sieht sehr harmlos und lieb aus, aber so ein Wappentier hat manchmal ja auch etwas Furchteinflößendes.
Eine Frage, die auch heute noch immer wieder gestellt wird: Ist der Mops am Eugensplatz weiblich oder männlich?
Er ist weiblich. Ich hatte ein lebendiges Modell, den Mops meiner damaligen Nachbarin, der war männlich. Ich hab mich im Atelier dann doch für eine weibliche Version entschieden.
Gibt es Abgüsse vom Eugensplatz-Mops?
Ja, ich selbst habe einen Abguss in Kaltbronze; die Gussform ist auch noch vorhanden. Man könnte also noch welche gießen. Das Tier gab es auch in einer kleineren Ausführung in zwei Auflagen von je zehn Stück. Es gibt auch noch einen Holzmops.
Als Bildhauer arbeiten Sie mit Presslufthammer, Flex und Fräsen, also mit schwerem Gerät. Wie passt der Mops zu Ihrem Oeuvre?
Gut. Ich habe in meiner Ausbildung viel Akt modelliert und Köpfe gezeichnet. Wir waren auch in der Wilhelma und haben Tiere gemalt. Lustigerweise komme ich jetzt dahin, wieder stärker figürlich zu arbeiten.
In der Hauptsache arbeiten Sie mit Stein. Was interessiert Sie daran?
Ich hab immer schon gern die Finger im Dreck gehabt und liebe es, Kontakt mit dem Material aufzunehmen, weil das etwas sehr Urtümliches ist. Mich fasziniert auch der Widerstand des Materials. Das gibt's nur beim Stein.
Welche Steinart bevorzugen Sie?
Ich habe zwei Lieblingssteine: Jurakalk und Basaltlava. Das eine ist die Heimat, die Schwäbische Alb, und dass andere ist die große Welt.
Welche Themen beschäftigen Sie als Bildhauer aktuell?
Die Themen kommen immer von den Steinen her, die ich finde. Ich mache gerade eine Serie, bei der es um Krusten geht, um die Haut des Steins, und wie sie sich mit dem Inneren verhält.
Wie viel wiegt Ihr größter Stein?
13 Tonnen, ich habe ihn in einem Steinbruch in Rheinland-Pfalz bearbeitet. Zum Aufstellen waren Spezialkräne notwendig.
Wie schwer ist der Mops im Vergleich?
(lacht) fünfeinhalb Kilogramm, das ist schon mit das Leichteste, was ich gemacht habe. Die Säule darunter wiegt immerhin eineinhalb Tonnen.
Seit 25 Jahren haben Sie ihre Bildhauer-Werkstatt in Kemnat – gemeinsam mit Ihrer Frau Birgit Rehfeld. Ein Grund zu feiern?
Ja, mittlerweile ist soviel da, dass man das gut auf einem Haufen zeigen kann. Und die Atmosphäre in so einer Werkstatt ist ja auch besonders, deshalb bieten wir auch Konzerte und Lesungen an.
Der Mops ist auch dabei?
Klar. Mein Mops-Abguss steht gut sichtbar auf einem Kran vor dem Haus. Ich hatte ihn zuletzt zur Restaurierung für eine paar Wochen abgenommen. Es gab gleich Proteste von den Anwohnern, vor allem von den Hundebesitzern. Alle fragten erschrocken: „Wo ist der Mops?“ Das ist schon lustig. Viele Leute in Kemnat wissen nicht genau, was ich mache, aber den Mops kennen alle.
25 Jahre Bildhauerwerkstatt Uli Gsell und Birgit Rehfeldt
Zur Person Uli Gsell wurde 1967 in Stuttgart geboren. Von 1988 bis 1993 studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Nach Auslandsaufenthalten folgte ein Aufbaustudium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Von 2004 bis 2013 war er am Institut für Darstellen und Gestalten an der Universität Stuttgart beschäftigt. Seit 2015 ist er Dozent für Bildhauerei an der Freien Kunstschule Stuttgart.
Jubiläumsprogramm Mit seiner Frau, der 1965 in Hamburg geborenen Bildhauern Birgit Rehfehldt, teilt er seit 25 Jahren eine Bildhauerwerkstatt in Kemnat. Das nehmen die beiden jetzt zum Anlass für ein vielseitiges Künstlerprogramm. Zwischen dem 20. September und dem 4. Oktober finden in ihrem Atelier in der Neidlinger Straße 54 Ausstellungen, Konzerte, Theater, Führungen und Vorträge statt. Den Auftakt bildet am 20. September um 11 Uhr eine Vernissage zur Ausstellung „25 Jahre Bildhauerwerkstatt Uli Gsell + Birgit Rehfeldt“. Am Samstag, 26.9., folgen um 19 Uhr das Theater „Kassandra – how dare you?“ und Live-Musik (Eintritt inklusiv Verpflegung 15 Euro). Am Sonntag, 27.9., stellen sich ab 16 Uhr „Nachbartalente“ vor, darunter ein Imker und eine Sauerteig-Bäckerin. Am Freitag, 2.10., gibt es um 19 Uhr eine Konzertperformance (Eintritt frei, Spende erbeten). Am Samstag, 3. 10., folgt ebenfalls um 19 Uhr ein Konzert mit Hansa Jakob Hansa. (Eintritt inklusiv Verpflegung 15 Euro). Am Sonntag, 4.10., beschließt um 11 Uhr eine Führung den Jubiläumsreigen.
Weitere Infos unter: Weitere Infos unter: https://1.uli-gsell.de/










