Musical mit Pop der Nullerjahre
: „&Julia“ kommt im Oktober nach Stuttgart – Dieses Musical muss dafür gehen

Ein Pop-Musical schreibt die Geschichte von Shakespeares „Romeo und Julia“ neu. Was wäre aus Julia geworden, hätte sie sich nicht umgebracht? Die Antwort gibt es bald in Stuttgart.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Szene aus dem Pop-Musical „&Julia“, das nach Stuttgart kommt.

©JOHAN PERSSON,

Als das am Broadway gespielte Pop-Musical „& Julia“ mit Hits von Britney Spears, Katy Perry und den Backstreet Boys im Herbst 2024 in Hamburg gestartet ist, wusste das deutsche Publikum nur wenig darüber. Doch aus dem zuvor unbekannten Stück wurde ein Überraschungserfolg mit einer halben Million Zuschauer, die bis zur letzten Aufführung am vergangenen Samstag gekommen sind. Die Mund-zu-Mund-Propaganda war das beste Werbemittel. Die Jukebox-Show habe mit einer neuen Erzählweise eine jüngere Zielgruppe angelockt, heißt es bei der Stage-Entertainment.

Die Stage Entertainment spricht von einem „Luxusproblem“

Trotz der guten Verkaufszahlen hat sich die Geschichte von Julia ohne Romeo in der Hansestadt nun verabschiedet und zieht nach Stuttgart. Die Stage spricht von einem „Luxusproblem“: Man habe neue Produktionen lizensiert, die „nachdrücken“. Der Musicalmarktführer traut dem Standort Stuttgart noch immer keine echte Deutschland-Premiere zu. Die neue Show „Zurück in die Zukunft“ – nach dem Kinohit – startet deshalb in Hamburg, während „&Julia“ im Herbst auf den Fildern Queens „We Will Rock You“ ablöst.

Romeo und Julia sind wohl das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur. William Shakespeare schrieb seine Tragödie im 16. Jahrhundert. Seitdem wird das Drama weltweit immer und immer wieder aufgeführt – oft zeitgleich an mehreren Orten. Kaum ein anderes Werk steht so sehr für die große, kompromisslose Liebe, die unausweichlich im Tod endet.

Julias neues Leben im Musical: Abenteuer und Liebe in Paris

Und nach über 400 Jahren wird alles anders? Ist Shakespeare jetzt auf Speed? Das Musical, das im Stuttgarter Palladium-Theater zu sehen sein wird, trägt einen Titel, der bewusst unvollständig wirkt – „&Julia“. Vom berühmten Liebespaar bleibt nur noch das „und Julia“. Romeo ist tot. Doch seine Julia ist alles andere als Geschichte – sie will es noch einmal wissen.

Das Juke-Box-Musical mit 30 Pop-Hymnen der 2000er Jahre erzählt die Geschichte konsequent weiter und stellt eine ebenso einfache wie überraschende Frage: Was wäre, wenn Julia sich nicht getötet hätte, sondern nach Romeos Tod die Lust am Leben neu entdeckte? In der Handlung lässt sie Verona hinter sich und beginnt in Paris ein neues Kapitel. Dort erlebt sie Abenteuer, Zweifel, neue Liebe – und vor allem die Chance, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Was dabei herauskommt? Eine wilde Partystimmung!

Diese schräg anmutende Idee entpuppt sich als Überraschungserfolg. Seit der Weltpremiere im September 2019 im Manchester Opera House und der anschließenden Aufführung im Londoner West End begeistert „&Julia“ das Publikum weltweit. Am Broadway läuft das Pop-Musical seit November 2022 – ein Ende ist nicht absehbar. Die Stuttgart-Premiere ist für Mitte Oktober geplant, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Gespielt werden soll zunächst für ein Jahr.

Creative Producer Simone Linhof sprach mit unserer Redaktion über das Musical „& Julia“, das nach Stuttgart kommt.

Foto: Stage Entertainment

Pop-Hits von Katy Perry und Co. erobern das Stuttgarter Musical

Musikalisch setzt „&Julia“ auf geballte Pop-Power. Sämtliche Songs stammen von dem schwedischen Produzenten und Songwriter Max Martin, Jahrgang 1971. Die Hits kennt fast jeder, sein Name blieb weitgehend unbekannt. Der Grammy-Preisträger hat mehr Nummer-1-Hits als jeder andere Künstler dieses Jahrhunderts erschaffen – etwa für die Backstreet Boys, die New Kids on the Block, Bon Jovi, Britney Spears, Céline Dion, Coldplay, Demi Lovato, Justin Timberlake oder Katy Perry. Titel wie „I Want It That Way“, „It’s My Life“, „Oops!… I Did It Again“, „I Kissed a Girl“ oder „Can’t Stop the Feeling!“ sind im Musical zu hören.

„Stuttgart kann sich auf eine Show der guten Laune freuen“

Creative Producer Simone Linhof sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Stuttgart kann sich auf eine Show der guten Laune freuen. Wir erzählen mit viel Humor eine neue Version des Shakespeare-Klassikers“. Eine Hommage an Diversität wird es, es geht unter anderem um queere Liebe. „Die Musik stammt aus den 2000er-Jahren und ist auch jungen Menschen heute noch vertraut“, sagt die Stage-Produzentin und fügt hinzu: „Es ist ein Stück für mehrere Generationen.“ Die Songtexte bleiben auf Englisch, es gibt jedoch deutsche Übergänge zu den deutschen Dialogen.

Musicalfans könnten dennoch kurz ins Grübeln kommen: In Berlin läuft „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ mit Songs von Rosenstolz. „Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, den Namen zu ändern, um Verwechslungen zu vermeiden“, sagt Linhof. „Doch das Original heißt ,&Juliet’, und daran wollten wir uns orientieren.“

Von Romeo und Julia bleibt also nur noch das „und“ – und Julia. Genau darin liegt der Reiz dieser modernen, fetzigen und lebensbejahenden Musicalversion, die nun Stuttgart erobern soll. Wer im Cast für Möhringen dabei ist, steht bisher noch nicht fest. Die Auditions sind ausgeschrieben und beginnen in Kürze. Produzentin Simone Linhof verspricht: „Das wird ein großes Fest.“ In schweren Zeiten sei Unterhaltung, die Leichtigkeit vermittelt, mehr als bloße Ablenkung – sie könne Kraft geben.

Karten für „&Julia“ gibt es ab sofort im Netz unter: www.musicals.de

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.