Musical: Was wäre, wenn Julia einfach weiterlebt?

William Shakespeare mit seiner Frau Anne Hathaway, Julia, ihrer Amme und der besten Freundin May auf dem Weg nach Paris.
Johan Persson/Stage EntertainmentRomeo ist tot. Und Julia? Die muss deshalb noch lange nicht sterben. An diesem Gedanken entzündet sich „& Julia“, das neue Musical im Stage Palladium Theater in Stuttgart. Das Stück nimmt Shakespeares wohl berühmteste Tragödie und erlaubt sich eine ebenso einfache wie folgenreiche Frage: Was wäre, wenn Julia am Ende nicht zum Dolch greifen würde? Wenn sie nach Romeo entdecken könnte, dass das eigene Leben gerade erst anfängt?
Seit Oktober ist das Musical in Stuttgart zu sehen. Und wer bei Shakespeare unwillkürlich an Schullektüre denkt, dürfte sich wundern. Denn hier trifft Literaturgeschichte auf die großen Popsongs der vergangenen Jahrzehnte.
Wenn bekannte Hits plötzlich eine neue Geschichte erzählen
„...Baby One More Time“ von Britney Spears, „Larger Than Life“ von den Backstreet Boys, „I Kissed a Girl“ von Katy Perry und „It’s My Life“ von Bon Jovi: Die Songs lesen sich wie die Playlist einer großen Party der 1990er- und 2000er-Jahre. Was sie verbindet, ist ihr Schöpfer Max Martin.
In „& Julia“ bilden seine Hits jedoch nicht einfach den Soundtrack. Sie treiben die Handlung voran und bekommen in der Geschichte eine neue Bedeutung. Wer mit dieser Musik aufgewachsen ist, erkennt vieles bereits nach wenigen Takten. So funktioniert der Abend gleichzeitig als Musical und als Wiedersehen mit Liedern, die bei vielen mit persönlichen Erinnerungen verbunden sind.
„& Julia“: Shakespeare und seine Frau streiten über Julia
Ausgangspunkt ist ein Streit im Hause Shakespeare. Der Dichter steht vor der Vollendung von „Romeo und Julia“. Doch seine Frau Anne Hathaway ist mit dem Ende nicht einverstanden. Warum, fragt sie, muss Julia eigentlich sterben?
Also wird die Geschichte weitergeschrieben. Julia bricht zu einem neuen Leben auf und landet in Paris. Shakespeare mischt sich ein, Anne hält dagegen. Daraus entwickelt sich eine temporeiche Geschichte über Liebe und Freundschaft, aber auch über Selbstbestimmung, Vielfalt und die Möglichkeit, noch einmal neu anzufangen.
“& Julia" nimmt das berühmte Original dabei nicht allzu ehrfürchtig. Die Tragödie wird zur Pop-Komödie, Shakespeare zur Figur seiner eigenen Geschichte. Große Gefühle bleiben, bekommen aber ordentlich Tempo, Humor und Farbe.
Ein Musical auch für Musical-Skeptiker
Vielleicht liegt gerade darin der Reiz der Produktion: Man muss Shakespeare nicht lieben und kein Musicalkenner sein. Viele Songs kennt man ohnehin, die Geschichte ebenfalls. Und trotzdem ist vieles anders als erwartet. Gerade Besucher, deren Jugend musikalisch von Britney Spears, den Backstreet Boys, Katy Perry oder Bon Jovi begleitet wurde, dürften immer wieder diesen einen Moment erleben: „Den Song kenne ich doch.“
Neu ist im Palladium Theater zudem eine Musical-Lounge im hinteren Parkettbereich mit Bistro- und Hochtischen sowie eigener Bar. Sie bietet eine Alternative zur klassischen Theaterbestuhlung und macht aus dem Musicalbesuch einen etwas anderen Abend.
Am Ende bleibt eine erstaunlich zeitgemäße Idee: Vielleicht muss eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Welt gar nicht so enden, wie Shakespeare es vor mehr als 400 Jahren vorgesehen hat. Vielleicht darf Julia einfach selbst entscheiden. Und vielleicht klingt ein Neuanfang manchmal eben nach Britney Spears, den Backstreet Boys und Bon Jovi.
Musical in Stuttgart: „& Julia“ bringt die größten Pop-Hits auf die Bühne
Musical-Fans können “& Julia – Das Pop-Musical" seit Oktober 2026 im Stage Palladium Theater Stuttgart erleben. Tickets, Spielzeiten und weitere Infos gibt es auf der Webseite von Stage Entertainment.




