Musicalstars in der Versöhnungskirche in Stuttgart: Friedensappell von Hannes Staffler und seinen Kindern geht unter die Haut

Musicalstar Hannes Staffler singt mit seinen Kindern „Komm wir ziehen in den Frieden“.
/Klaus SchnaidtDen alten Graffiti-Spruch „Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“ hat Udo Lindenberg umgeschrieben. Bei ihm heißt es: „Stell dir vor es ist Frieden – und jeder, jeder geht hin.“ Dies mag ein Traum sein, der sich niemals erfüllen wird, umso wichtiger aber ist die Botschaft in Kriegszeiten: Alle sollten was tun, damit das, was unmöglich erscheint, möglich wird!
Der Stuttgarter Sänger Hannes Staffler trägt mit seinen drei Kindern Aaron, Chiara und Fabiana Udos Friedenshymne von 2018 so intensiv vor, dass sein Publikum tief getroffen wird. Geht voll unter die Haut! „Frieden auf Erden“ – so lautet die Weihnachtsbotschaft schlechthin, die beim traditionellen Weihnachtskonzert „Two Souls“ mit Lieblingen des Musicals in der Versöhnungskirche in Degerloch auf gänsehautschaffende Art unterstrichen wird.
Staffler war Faschingsprinz beim Möbelwagen
Goethes Faust hatte es viel schwerer als der Musical- und Faschings-Hannes aus Südtirol. „Zwei Seelen wohnen, ach? in meiner Brust. Die eine will sich von der anderen trennen.“ Die berühmten Worte drücken Tragik aus. Im Faustmythos geht es um den hintergründigen Sinn der menschlichen Existenz, um Zerreißproben zwischen hellen und dunklen Mächten.
Doch kann der Mensch nicht froh sein, wenn ihm zwei Seelen innewohnen, wenn er nicht nur auf die eine oder die andere Seite festgelegt ist? Hannes Staffler, der 2006 aus Norditalien nach Stuttgart gezogen ist, stellt seit vielen Jahren seine Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Im Grunde sind es bei ihm schon drei Seelen, die er in sich vereint. In Musicals wie „We Will Rock You“, „Rocky“ oder „Ghost“ in Stuttgart und derzeit in „Abenteuerland“ in Düsseldorf (noch bis Februar) feiert er Erfolge, wird aber gern auch als harter Rocksänger gebucht. Obendrein lebt er als singender Faschingsprinz der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen seine karnevalistische Seite aus.

Staffler mit seinen Gästen in der Versöhnungskirche
/Klaus SchnaidtSeit über zehn Jahren rockt Staffler mit der Band um Boris Ritter, dem Musikalischen Leiter des Palladium-Theaters, sowie mit wechselnden Musicalkolleginnen und -kollegen vor dem sechs Meter hohen, mit Kupferplatten beschlagenen Altarkreuz des Bildhauers Fritz Melis der 1960 fertiggestellten Versöhnungskirche unweit der Waldau. In der Pandemie gründeten Staffler, Ritter und Co. das Selbsthilfeprojekt Art Support Stuttgart, mit dem Künstler in Not, die nicht auftreten konnten, unterstützt wurden.
Zu „Two Souls – Musical meets Rock“ hat der Südtiroler und Wahl-Stuttgarter diesmal Jessica Kessler („We Will Rock You“, „Tanz der Vampire“), Jana Stelley („Wicked“, „Abteuerland“) sowie den Pur-Sänger Cherry Gehring eingeladen. In der ersten Hälfe sind Musicalhits aus Shows wie „Hinterm Horizont“ (Staffler macht vortrefflich den Udo!) und „Abenteuerland“ dran. Selbst Stücke aus „Mamma Mia!“ werden gespielt, obwohl Staffler alles andere als ein Abba-Fan ist. Doch er mischt die Songs der Schweden mit harten Rock-Riffs. In der zweiten Hälfte folgen Rock-Klassiker von Bruce Springsteen, Bon Jovi oder Tina Turner.

Jessica Kessler und Jana Stelley.
/Klaus SchnaidtDas Publikum hält es nicht mehr auf den Kirchenbänken. Fast alle stehen auf, tanzen, singen mit, fühlen sich pudelwohl. Rockmusik, dies zeigt sich, vereint die Generationen. Die Älteren erinnern sich an Zeiten, als sie jung waren. Den Jüngeren gefällt es, wenn es wild zugeht. Als letzte Zugabe erklingen die „Funkelperlenaugen“ von Pur. Mit auf den Weg nach Hause nehmen viele die Worte aus der Friedenshymne von Udo Lindenberg: „Komm wir ziehen in den Frieden, wir sind mehr als du glaubst, wir sind schlafende Riesen, aber jetzt stehen wir auf.“