Neuer Pfarrer in Sillenbuch: Friedrich July passt ins Bild

Friedrich July strahlt Natürlichkeit aus – ob er vom Hip-Hop erzählt oder über die Theologie spricht.
Eveline BlohmerSillenbuch - Gewissermaßen verdankt Sillenbuch seinen neuen Pfarrer dem Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig. Zwar hatte Friedrich July immer ein positives Bild von Kirche, wie er sagt. Aber es habe in seiner Jugend eben auch Phasen gegeben, in denen zum Beispiel der Hip-Hop mehr Raum einnahm. Und dann wurde Schwesig sein Oberstufen-Relilehrer am Evangelischen Schulzentrum in Michelbach an der Bilz bei Schwäbisch Hall. „Es war eine sehr intensive Zeit“, sagt der 1982 geborene July etwa 16 Jahre später.
Vor wenigen Tagen hatte July seinen Einführungsgottesdienst in seiner neuen Gemeinde. Nun sitzt er im Äckerwaldzentrum. Um ihn herum werden für seinen ersten Seniorennachmittag Kuchenstücke und Tulpenväschen auf den Tischen verteilt. Das frühlingshafte Pastellrosa von Tulpen und Rhabarberkuchen steht im krassen Kontrast zum Schneegestöber vor den Fenstern.
Wirtschaftschinesisch oder Theologie?
July hingegen passt ins Bild. Obwohl ihn, der im Pfarramt 2 für Diakonie und Senioren zuständig ist, von vielen seiner Gemeindemitglieder etliche Lebensjahre trennen. Mit großem Lächeln und freundlichem Kopfnicken begrüßt er die Seniorinnen, die schon frühzeitig eintreffen. Dabei wirkt weder das aufgesetzt noch wenn er beim Erzählen eher jugendlicheres Vokabular verwendet. July macht beides mit Natürlichkeit: im einen Moment einer Dame erklären, warum die Tische heute im Oval aufgestellt sind und im anderen davon erzählen, wie sch... die Nacht war, weil sein dreijähriger Sohn Fieber hatte.
Die Selbstsicherheit, die für eine Offenheit wie die Julys nötig ist, rührt sicher auch daher, dass er den richtigen Beruf gewählt hat. Das war allerdings knapp: Er war schon eingeschrieben für Wirtschaftschinesisch und BWL in Konstanz und habe es sich dann lange überlegt. Die Theologie wurde es dann wegen des interessanten Studiums, das, so July, ein geisteswissenschaftliches studium generale sei.
Zum Gottesdienst gezwungen
Nicht ganz unbeteiligt daran, dass Friedrich July da ist, wo er ist, waren auch der Landesbischof der evangelischen Landeskirche Württemberg und dessen Frau. Immerhin lebten Frank Otfried und Edeltraud July ihrem Nachwuchs den Glauben vor und zwangen ihn, so Friedrich July mit einem Augenzwinkern, ganz klassisch zum sonntäglichen Gottesdienst. Ansonsten lasse ihn sein Vater aber „meinen eigenen Stiefel fahren“, sagt July, dessen drei Geschwister jeweils eine andere berufliche Richtung eingeschlagen haben. Dass er sich mit seinem Vater austauschen kann, findet July gut. Aber es gebe auch unangenehme Situationen, beispielsweise wenn er „für Versehen der Landeskirche persönlich haftbar gemacht“ werde. Aber eigentlich habe er weder eklatante Nachteile noch eklatante Vorteile durch das Amt des Vaters.
Dass sein Sohn und seine fünfjährige Tochter gläubig sind, ist July „schon wichtig“. Dabei gehe es ihm nicht um die Rettung des Abendlandes. Er wünscht sich das für seine Kinder, weil er den Glauben als Geschenk sieht, als eine tolle Sache, die einen trägt und die sich in „heftigen Momenten bewährt hat“. Eine Sache, die er ihnen durch Vorleben vermitteln will.
Filder-Erfahrung vorhanden
July oktroyiert keinem seinen Glauben. In seinem Freundeskreis ist nicht jeder religiös, und das sei kein Problem: „Ich erwarte nicht, dass jeder meinen Glauben teilt. Aber ich erwarte Respekt“, sagt der Mann, der leben und leben lassen will.
Wie es sich in Sillenbuch lebt, wird July von August an erfahren. Dann zieht er mit seiner Familie vom Ort seines Vikariats Rommelshausen an seine dann nicht mehr ganz so neue Wirkungsstätte. Obwohl er nur eine 50-Prozent-Stelle hat, will er präsent sein im Ort. Derzeit sei er noch in der Findungsphase, was die Akzente angehe, die er mit seiner Arbeit setzen möchte.
Etwas Filder-Erfahrung bringt Friedrich July mit: Zwei Schuljahre lang besuchte er die Dependance des Evangelischen Heidehof-Gymnasiums. In Birkach wohnte er zwischen seinem sechsten und seinem 15. Lebensjahr. Da hat er auch seine Frau geheiratet. Am Ende waren es weder Søren Schwesig noch July senior, denen Sillenbuch seinen Pfarrer zu verdanken hat: Vielleicht war es auch schlicht Fügung, die ihn zurück in diese Gegend brachte.