Neues Gymnasium Leibniz Stuttgart
: Optimismus trotz vieler Baustellen

Im größten Stuttgarter Gymnasium sollen sich die Schülerinnen und Schüler wohlfühlen – trotz Bauarbeiten bis 2030 und der unbesetzten Stelle des Schulleiters. Ein Kraftakt.
Von
Torsten Ströbele
Stuttgart
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Das Neue Gymnasium ist abgerissen, das denkmalgeschützte Leibniz-Gymnasium (hinten rechts) wird saniert.

Torsten Ströbele

Dort, wo früher das Neue Gymnasium stand, ist derzeit ein großes Baufeld zu sehen. Die Gebäude sind gewichen. Interimsweise findet Unterricht in Räumen an der rund zwei Kilometer entfernten Siemensstraße statt. Zudem bieten Container auf dem Festplatz und rund um die Festhalle Platz für die Schülerinnen und Schüler. Sportunterricht findet an vielen verschiedenen Orten in Feuerbach statt und in einer Traglufthalle auf dem Festplatz.

Ein Interimsgebäude hinter der Festhalle

Foto: Torsten Ströbele

Bis voraussichtlich 2030 sollen die Arbeiten am neuen Schulcampus in Feuerbach dauern. Vier Neubauten und das denkmalgerecht zu sanierende ehemalige Leibniz-Gymnasium werden dann das Ensemble des Neuen Gymnasiums Leibniz (NGL) bilden – dem größten Stuttgarter Gymnasium mit rund 1200 Schülerinnen und Schüler.

Kosten liegen über 200 Millionen Euro

Herz der neuen Schule soll das sogenannte Forumsgebäude sein. Dort werden neben einer großen, multifunktional nutzbaren Mensa auch das Schülercafé, die Schülerbibliothek und die musischen Bereiche der Schule untergebracht. Alle Unterrichtsräume sind künftig in sogenannten Clustern organisiert, in jedem Geschoss ist eine Klassenstufe mit Unterrichtsräumen, Differenzierungsflächen für Kleingruppenunterricht, eigenen WCs und Lehrerstützpunkt untergebracht. Für den Sportunterricht entsteht eine neue große unterirdische Drei-Feld-Halle. Die Kosten für das Projekt liegen laut städtischer Internetpräsenz derzeit bei knapp über 200 Millionen Euro.

Doch nicht nur vor, sondern auch in der Schule gibt es Baustellen: Nachdem Schulleiter Stefan Warthmann Anfang des Jahres 2024 überraschend verstorben ist, konnte noch kein Nachfolger gefunden werden. „Die Stelle wurde bereits drei Mal im Amtsblatt Kultus und Unterricht ausgeschrieben, zuletzt im Januar 2025.

Eine weitere Ausschreibung ist vorgemerkt“, heißt es beim Regierungspräsidium. Auf alle drei bisherigen Ausschreibungen ging nicht eine Bewerbung ein. Aktuell nimmt Melanie Süß, die stellvertretende Schulleiterin, den Posten kommissarisch wahr.

Die Angebote am Gymnasium sind umfangreich

Trotz der Widrigkeiten läuft der Betrieb am Gymnasium laut Melanie Süß sehr gut: „Die über 100 Kolleginnen und Kollegen zeigen riesiges Engagement und wissen genau, was zu tun ist.“ Wenn die Baustelle vor der Haustüre mal zu laut ist, gibt es für die Schülerinnen und Schüler Kopfhörer. Und auch sonst steht das Wohl der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ganz klar im Vordergrund. „Wir hören öfter mal, dass sich manche Leute fragen, ob man sein Kind überhaupt noch an unsere Schule schicken kann“, sagt Lehrerin Marlene Abele-Lins. Dabei gebe es am NGL so viele Angebote für die Schülerinnen und Schüler, um sie zu fördern und zu fordern. Als Marlene Abele-Lins anfängt, alles aufzuzählen, wird die Liste immer länger und länger. Da wäre die eigene Berufsbilderbörse, die Präventionswoche, das Streitschlichter-Programm, Schulsozialarbeit, Jugend debattiert, Taekwondo- und Italienisch-Arbeitsgemeinschaften, die Lese-Rechtschreibförderung und vieles mehr. Aber klar ist auch: „Die Kinder bringen mehr Herausforderungen als früher mit an die Schule“, sagt Melanie Süß. Nach der Pandemie habe es mehr Schülerinnen und Schüler gegeben, die zum Beispiel Angst haben, vor anderen zu sprechen oder eine Präsentation zu halten, sagt Marlene Abele-Lins. Es käme teilweise auch zu Panikattacken. „Viele Schülerinnen und Schüler sind nicht mehr in der Balance zwischen den Anforderungen von Körper, Psyche, sozialem und physikalischem Umfeld. Sie stehen unter Stress und leiden unter Ängsten. Sie können nicht mehr gut schlafen, mit den Anforderungen im Hinterkopf, die an sie gestellt werden. Sie sind überfordert und verunsichert“, erzählt die langjährige Vertrauenslehrerin. „Natürlich ist unsere wesentliche Aufgabe immer noch die Wissensvermittlung, aber sie kann nur gelingen, wenn die Schülerinnen und Schüler aufnahmebereit, motiviert und entspannt sind.“ Deshalb versucht man am Neuen Gymnasium Leibniz „eine langfristige und kontinuierliche Implementierung von Strategien für mehr Achtsamkeit im Alltag“. Und das soll durch verschiedene Programme und Maßnahmen gelingen.

„Schon während der Pandemie und dem Online-Unterricht habe ich gemeinsam mit meinem Kollegen Christian Wilkendorf ein Konzept entwickelt, das wir Guss – Gemeinsam unsere Stärken stärken – nannten und das dazu diente, die Schülerinnen und Schüler in der veränderten und verunsichernden Situation zu stärken und zu stabilisieren“, erklärt Marlene Abele-Lins. Dafür habe man 2022 einen der Präventionspreise der Stadt Stuttgart verliehen bekommen.

Der Prüfungsangst begegnen

Nach dem Ende der Pandemie ging es mit Workshops weiter, die mehrmals im Schuljahr für alle Schülerinnen und Schüler von der Klasse 6 bis zur Kursstufe stattfinden. Zudem gibt es pro Woche sechs bis acht individuelle Coachings. „Es geht um Prüfungsangst und alle möglichen sonstigen Ängste, den Umgang mit Panikattacken, Stressmanagement und Einzelcoaching zu diesen Themen“, sagt Marlene Abele-Lins, die unter anderem Fortbildungen zum Anti-Stress-Coach, zur Krisenintervention bei Angst- und Panikattacken, Achtsamkeitstraining und individuelles Coaching für mentale Gesundheit absolviert hat. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen organisiert Marlene Abele-Lins zudem jeden Monat sogenannte Mini-Module mit unterschiedlichen Themen unter dem Titel Life Skills – wie zum Beispiel Dankbarkeit oder Motivation.

Beim NGL sieht man sich für die Zukunft gut aufgestellt – trotz einiger Baustellen.

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