Neues Technofestival auf der Messe Stuttgart: Was die Veranstalter zur Kritik an der Stutyard sagen

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Stuttgarter ZeitungDeniz Keser hat schon viele Technofestivals organisiert, zuletzt das Waranga-Festival auf dem Kleinen Schlossplatz. Doch so einen großen Andrang lange vor Showbeginn erlebte er noch nie. „Schon Stunden vor Öffnung der Türen war die Schlange riesig“, berichtet der Veranstalter des neuen Festivals Stutyard, über das in den sozialen Medien heftig diskutiert und das ebenso heftig kritisiert wird, „damit haben wir nicht gerechnet.“
Es habe 16 Schleusen an den Messeeingängen gegeben, sagt Keser, die für 7500 erwartete Besucherinnen und Besucher, die sonst immer zeitversetzt kämen, reiche das normalerweise. „Wir haben in Absprache mit der Polizei sehr genau kontrolliert“, erklärt er, „die Sicherheit sollte an erster Stelle stehen.“ Man habe auf alle Fälle verhindern wollen, dass Messer oder andere verbotene Gegenstände ins Halleninnere gelangen könnten. Aufgrund dieser sorgfältige Kontrolle hätten die Technofans länger warten müssen als erhofft. „Aber es waren keine zwei Stunden“ – so will Keser die Kritik an der Organisation in den sozialen Medien relativieren, über die unserer Zeitung berichtet hat.
Fehler werden eingeräumt
Bei allen großen Festivals gibt es nach seinen Worten Wartezeiten an den Theken und vor den Toiletten. Deniz Keser räumt am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion Fehler ein, aus denen man für das nächste Jahr lernen wolle. Schließlich sei es eine Premiere gewesen. Doch von einem Chaos könne keine Rede sein. Der Eindruck, der in den sozialen Medien entstanden sei, sei falsch. „Von 7500 Besucherinnen und Besucher haben gerade mal 240 kritische Kommentare geschrieben“, sagt er. Wer später zur Stutyard gekommen sei, die bis um 8 Uhr früh morgens ging, nicht schon vor Beginn, habe von chaotischen Zuständen gar nichts mitbekommen.
„Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen“, versichert der Veranstalter. Eine Zahl unterstreiche die große Zustimmung der Gäste mit dem neuen Festival: „Noch in der Nacht haben 2000 Gäste eine Karte für die Fortsetzung im nächsten Jahr gekauft – das hätten sie nicht getan, wären sie unzufrieden gewesen.“ Keser verweist darauf, dass die Rettungskräfte lediglich sechs Einsätze verzeichnet hätten. Eine Massenpanik und Notfällen, wie bei Instagram behauptet, habe es nicht gegeben. „Man muss aufpassen, vieles, von dem, was in den sozialen Medien steht, stimmt nicht oder ist übertrieben“, erklärt er.

Viele begeisterte Technofans tanzen mit freiem Oberkörper.
Foto: Nael LachmannLaut Polizeipräsidium Reutlingen ist das Festival „insgesamt friedlich verlaufen“. Auch die Polizei erklärt, es sei nicht zur Massenpanik gekommen. Bei den Kontrollen habe es 32 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben. Dies seien deutlich weniger Delikte als beim Festival SEMF vor Corona im Jahr 2019, bei der 136 Personen mit Drogen erwischt wurden. Ermittelt werde nach der ersten Stutyard außerdem wegen Körperverletzung und wegen einer Ordnungswidrigkeit im Zusammenhang mit Alkohol im Straßenverkehr. Der Sprecher der Polizei bestätigt, dass es Wartezeiten am Eingang gegeben habe, doch dabei seien keine Straftaten aufgetreten. Diese Schlangen seien allein Sache der Organisatoren.
Polizei: Mit Drogen keine nennenswerten Probleme
Das Festival sei ein „Statement für ein neues Zuhause von elektronischer Musik in Stuttgart“, sagen die Veranstalter. Mit ihrer „Energie und Leidenschaft“ hätten die Gäste die Tanzfläche „förmlich zum Beben gebracht“. Die Begeisterung über die Topacts Klangkuenstler und Kobosil sei sehr groß gewesen. Das Publikum sei deutlich jünger gewesen als früher beim SEMF. Fürs nächste Jahr werde man einiges weiterentwickeln, kündigt er an. So soll die Zahl der Toiletten deutlich erhöht werde. Man werde dann auch die Toilettenanlagen der Messe nutzen können. Auch wolle man mit einer Änderung des Programms dafür sorgen, dass sich der Andrang besser verteilt, für den man mehr Schleusen einrichten werde.

Tanzendes Paar beim neuen Technofestival
Foto: Nael Lachm/ann„Wer in Berlin das berühmte Berghain besucht, wartet bis zu vier Stunden“, sagt der Veranstalter, „auch bei Festivals auf den Wasen wie bei den Fantas oder Toten Hosen sind immer lange Schlangen an den Getränkeständen und vor den Dixi-Klos.“ Festivalbesucher müssten wissen, dass nicht alles immer reibungslos ablaufe. Dass die Stutyard-Macher die kritischen Kommentare am Montag bei Instagram gelöscht haben, liege daran, dass vieles darin nicht stimme. Man habe das Feedback aber komplett wahrgenommen und werde darauf eingehen.
Nicht alle Besucher haben lange draußen warten müssen und etwas von den Schlangen mitbekommen. Der Sound und die Stimmung seien super gewesen, erklärt ein Gast und teilt unserer Zeitung mit: „Beim Einlass war wirklich die Hölle los. Wir haben uns aber ganz vorne von rechts reingestellt und waren nach zehn Minuten drinnen. Und dann war ich direkt tanzen und bin auch gar nicht mehr von der Stelle weggewichen. Getränke wurden mir ab und zu von Kumpels gebracht. War auch nicht auf der Toilette. Frage mich aber schon, warum man die draußen aufgestellt hat bei diesen Temperaturen.“
Was die Landesmesse zu der Kritik sagt
Im nächsten Jahr wird es wohl eine Fortsetzung der Stutyard geben. Dies stellt Stefanie Kromer, die Kommunikationschefin und Unternehmenssprecherin der Landesmesse, auf unsere Anfrage, in Aussicht. „Nach dem großartigen Zuspruch und dem schnellen Ausverkauf der Veranstaltung im Sommer hätten wir dem Veranstalter eine ebenso gelungene Premiere auf unserem Gelände gewünscht“, sagt sie, „leider war diese offenbar von unerwarteten Hürden geprägt.“ Die Messe habe deshalb bereits am Sonntag das Gespräch mit dem Veranstalter gesucht. „Gemeinsam reden wir darüber, wie wir bei einer möglichen Folgeveranstaltung unterstützen und uns einbringen können“, erklärt Stefanie Kromer und stellt außerdem klar: „Die Veranstaltung am Wochenende war eine 100-prozentige Gastveranstaltung. Das heißt: Wir haben lediglich die Räume vermietet, waren inhaltlich und organisatorisch nicht beteiligt.“
Dass sich die Stutyard-Veranstalter erst am Montag zu den Vorwürfen äußern, erklärt Deniz Keser so: „Wir wollten erst alles aufräumen, haben 30 Stunden nicht geschlafen.“ Es habe sich auch nicht um eine „Loveparade-Katastrophe“ gehandelt, bei der man sofort gehandelt hätte. „Es waren Begleiterscheinungen, die bei Festivals nun mal üblich seien“, findet er. Die Kritik daran sei „absolut berechtigt“. Nun gehe der Blick nach vorne, um aus den „Herausforderungen von der Premiere“ beim nächsten Mal die Konsequenzen zu ziehen.