Neujahrsempfang der Israelitischen Religionsgemeinschaft: Mit Hoffnung auf Frieden ins Jahr 5785

Die Kinder aus Kita und Grundschule sangen beim Neujahrsfest.
Lichtgut/Zophia EwskaNeonbunt leuchten Apfel und Honig, die Symbole für Rosh Hashanah, von der Videowand, denn die Juden wünschen sich ein gutes und ein süßes neues Jahr. Sie hatten es sich zum Beginn des Jahres 5784 gewünscht, dann brachte das grauenvolle Pogrom vom 7. Oktober 2023 vor allem Bitternis. Sie sprechen diesen Wunsch auch jetzt für das Jahr 5785 aus, während die Lawine von Terror und Krieg im Nahen Osten unaufhaltsam scheint und in Deutschland zunehmender Antisemitismus beklagt werden muss. „Und dennoch mit Mut, Kraft und Zuversicht“, wie Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), den Wunsch Shanatova beim Neujahrsempfang im Weißen Saal des Neuen Schlosses unterstrich. „Wir wollen trotz schwierigen Umfelds den Kurs der Gemeinde halten, selbstbewusst unseren Weg entschlossen fortsetzen und das große Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Trotz der erschreckenden Zunahme antisemitischer Straftaten gebe der enge Austausch mit Justiz und Sicherheitsbehörden das Gefühl, hier geborgen zu sein.
Signale des Hasses als „Selbstentlarvung“
„Jüdisches Leben gehört zu Deutschland“, versicherten sowohl Justizministerin Marion Gentges wie der Stuttgarter Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. „Wir treten denen entgegen, die Partei für den Terror von Hamas und Hisbollah ergreifen, und wir finden uns nicht mit dem Antisemitismus ab“, sagte Ministerin Gentges.

Will den Kurs der Gemeinde halten: Dr. Barbara Traub, die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), warb für Mut und Zuversicht.
Foto: Lichtgut/Zophia EwskaAls eine „Selbstentlarvung“ geißelte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, die Signale des Hasses, der Juden entgegenschlage: „Wenn das Massaker vom 7. Oktober und die Bedrohung Israels nicht wenigstens ein Stück Empathie ausgelöst hat, dann hat dieses Land ein Problem, denn der Antisemitismus ist eine Gefahr für die Demokratie“, betonte Schuster. Aber auch er setzte vor allem ein Zeichen von Zuversicht: Er werde oft gefragt, ob jüdisches Leben in Deutschland eine Zukunft habe. Angesichts der fröhlich singenden Kinder von Kita und Grundschule auf der Bühne und dem Erfolg des Jugendcenters Halev als Sieger beim Jewrovision Contest sei ihm bei dieser Frage nicht bange: „Die Gemeinde ist über sich hinausgewachsen“, lobte er die IRGW als „Leuchtturm im Kampf um Demokratie“, und machte Mut: „Vertrauen wir auf uns.“ Und darauf, dass sich der Neujahrswunsch Shanatova mit Süße und dem ersehnten Frieden erfülle.