Havanna The Club
: Dem Clubsterben zum Trotz: Stuttgarts Untergrund tanzt jetzt Latino

Clubsterben? Nicht überall! Im legendären Keller der Dixieland Hall, in dem zuletzt das Kiki unterging, will Havanna The Club mit Latino-Lust zum Hotspot der Nacht werden.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Die rote, steile Treppe führt in den neuen Latinoclub.

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An der Marienstraße 3b gleich neben dem Schnitzery-Hype lebt Stuttgarts Nachtgeschichte neu auf – und sie klingt jetzt nach Salsa, Reggae und karibischer Lebenslust. Wo einst die legendäre Dixieland Hall pulsierte und später das Kiki „Weltstadt-Niveau“ versprach, aber nicht einhalten konnte, eröffnet ein temporäres Clubprojekt mit lateinamerikanischem Feeling: Havanna The Club.

Betreiber Timo Bemsel, seit Ewigkeiten eine feste Größe der Stuttgarter Gastro-Szene, bekannt etwa vom Pflaumenbaum oder Village, hat am Mittwochabend bei der „First Look“-Party geladenen Gäste und Stadt-Vips die frisch renovierte Location präsentiert – und viel Lob gehört. Der offizielle Startschuss fällt am kommenden Freitag.

Die steile Treppe hinab, neuerdings mit rotem Teppich ausgelegt, ist für ältere Stuttgarterinnen und Stuttgart ein Gang durch die kulturelle Erinnerung. Doch nun wird um ein jüngeres Publikum gebuhlt, das wahrscheinlich wenig Ahnung davon hat, um was für einen historischen Keller es sich hier handelt. Seit der Eröffnung der Dixieland Hall im April 1972 gaben sich Musikgrößen wie Dave Brubeck, Bill Evans, Chris Barber oder Axel Zwingenberger die Klinke in die Hand. Was in den 1970er-Jahren mit einem ungewöhnlichen Mix aus Live-Jazz und gutbürgerlicher Küche begann, wurde schnell zu einer Institution.

Gleich neben der Schnitzery geht’s hinab in den neuen Latino-Club

Foto: ubo

Doch wie so oft änderten sich Publikum und Zeitgeist. Die „Hall“ musste vor der Pandemie schließen, das im Jahr 2022 eröffnete Kiki überlebte nach lauten Protz-Sprüchen („So etwas hat Stuttgart noch nie gesehen“ ) nicht. Zur Eröffnung vor drei Jahren war die gesamte Familie von OB Frank Nopper gekommen. Doch selbst diese Anschubhilfe nutzte nicht. Das glamouröses Experiment scheiterte, die Kellerräume standen lange leer. Solange, bis Timo Bemsel beschlossen hat, das Erbe neu zu interpretieren.

Der Eintritt ist immer frei

Havanna The Club empfängt seine Gäste mit warmen Farben, Wandpalmen, Bar-Glow, weichen Sesseln und Stehtischen an Leuchtsäulen dicht an der Tanzfläche sowie mit einem klaren musikalischen Konzept: Latino und Reggaeton bestimmen die Nächte. „Eintritt immer frei, Happy Hour, gute Musik“ – so beschreibt Bemsel sein Rezept, mit dem er dem allenthalben beklagten Clubsterben trotzen möchte.

Als Hybrid zwischen Bar und Club bietet das Havanna gemütliche Ecken, Cocktails wie Caipirinha oder Mojito, aber auch viel Platz zum Tanzen. Der frühere VIP-Bereich des Kiki dient jetzt als Raucherlounge mit eigener Bar. Bei etwa 150 Gästen fühlt sich der Club als gut gefüllt ab – eng genug zum Tanzen, luftig genug zum Feiern.

Vorerst wird nur bis April 2026 geplant

Das Projekt ist zunächst bis April 2026 befristet – und falls es gut läuft, könnte die Clubnacht im Untergrund langfristig zurückkehren. „Wir haben eine Option auf zehn Jahre“, sagt Bemsel.

In der Raucher-Lounge gibt’s eine eigene Bar.

Foto: ubo

Havanna-Club hofft auf Sausalitos-Fans

Dass Latino- und Reggaeton-Sounds weltweit viele Clubs dominieren, liegt nicht nur am Rhythmus, sondern am Lebensgefühl, das sie transportieren. Latino-Musik vermittelt Leichtigkeit, Sommer, Erotik und Gemeinschaft – sie funktioniert ohne große Anlaufzeit und setzt voll auf Emotionen. Nach dem Aus der Kette Sausalitos will man den Latino-Fans in Stuttgart ein neues Ziel bieten. Bemsels Havanna Bar an der Paulinenstraße bleibt geöffnet. Der Club mit diesem Namen lädt – vielleicht im Anschluss- zum Tanzen ein. Geöffnet ist aber nur freitags und samstags sowie in den Nächten vor Feiertagen. Der Caiphi, der vor 30 Jahren via Zapata (einer längst abgerissenen Nachtlegende im Südmilchareal) nach Stuttgart kam, kostet 14 Euro, wie auch die Pina-Colada oder der Sex on the Beach. Die teuerste Flasche von Dom Perignon (0,75 Liter) kostet 595 Euro.

Nlick auf die Tanzfläche des neuen Latino-Clubs.

Foto: ubo

Während die Treppen hinunter viel zu steil sind, um wirklich exklusiv sein zu können (oder macht genau dies den Reiz aus?), ist die Atmosphäre des Untergrunds farbenfroh, geheimnisvoll, düster, knisternd. Wo zuletzt das Kiki experimentierte, will Havanna The Club der Latino-Gemeinde eine neue Heimat bieten – samt Feuershow beim Bestellen von Champagner. Bei der Opening-Party gibt es viel Lob vor allem für die Lichtgestaltung und den Sound. Und allenthalben hört man: Respekt, Timo Bemsel, für den Mut, in harten Club-Zeiten was zu starten! Von diesem Mann aber heißt es, er habe ein „gutes Gespür“ für erfolgreiche Locations

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