Nahverkehr in Stuttgart
: In Cannstatt sind mehrere Stadtteile abgehängt – zum Ärger der Bewohner

Mit dem Abriss der Rosensteinbrücke sind weite Teile von Bad Cannstatt vom Nahverkehr in Richtung Altstadt abgeschnitten. Das sorgt für weite Umwege und viel Ärger. Ein Beispiel.
Von
Alexander Müller
Stuttgart
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Derzeit ist die Endhaltestelle der Buslinie 52 in der Wilhelmastraße in der Neckarvorstadt.

Alexander Müller

Seit wenigen Tagen ist der Ersatzbau der Rosensteinbrücke geöffnet – allerdings nur für Fußgänger und Radfahrer. Für den Autoverkehr und den Öffentlichen Nahverkehr bleibt der Neckar seitdem eine schier unüberwindbare Hürde. Seit im Mai 2022 die marode Rosensteinbrücke für den KfZ-Verkehr und den Stadtbahnverkehr gesperrt und abgerissen wurde, sind nicht weniger als sechs Stadtteile de facto von der Cannstatter Innenstadt abgeschnitten. Für die knapp 20 000 Einwohner heißt das einen Teil zu Fuß zu gehen oder weite Umwege und längere Fahrtzeiten in Kauf zu nehmen. Daran wird sich bis 2032 voraussichtlich auch nichts ändern.

Zwei- bis dreimal die Woche macht sich Cornelia Förster vom Wohngebiet Im Geiger, das an der Ortsgrenze zu Fellbach liegt, auf den Weg zu ihrer 97-jährigen Tante in Altenburg oberhalb der Cannstatter Neckarvorstadt. Da sie zumeist viel Gepäck dabei hat, in der Regel mit dem Auto. „Auch dafür muss man bereits weite Umwege in Kauf nehmen“, sagt die 70-Jährige. Verbliebene Alternativen sind die Fahrt über die Reinhold-Maier-Brücke und vorbei am Müllheizkraftwerk oder über den Wilhelmsplatz und den Leuzeknoten.

97-Jährige geht lieber zu Fuß als zweimal umzusteigen

Noch viel schlimmer sieht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Denn bereits seit 2022 können die beiden Buslinien 52 und 56 nicht mehr den Neckar überqueren. Die Endhaltestelle ist an der Wilhelmastraße in der Neckarvorstadt. Und auch die Stadtbahnlinie U13 kann auf ihrem Weg nach Feuerbach nicht mehr die Rosensteinbrücke nutzen. Somit ist die direkte Verbindung zwischen der Cannstatter Altstadt und den sechs Stadtteilen Neckarvorstadt, Birkenäcker, Altenburg, Pragstraße, Hallschlag und Burgholzhof gekappt. Die knapp 20 000 Einwohner müssen auf dem Weg zum Einkaufen, auf den Wochenmarkt oder zu Arztbesuchen komplizierte Umwege in Kauf nehmen.

Für Cornelia Förster sind die Umwege durch die Sperrung nicht hinnehmbar.

Foto: Alexander Müller

So bleibt vielen nur die Möglichkeit mit dem Bus bis zur Wilhelmastraße zu fahren, an der Rosensteinbrücke die U14 in Richtung Vaihingen umzusteigen, um schließlich mit der U1 Richtung Fellbach von den Mineralbädern zum Cannstatter Wilhelmspaltz zu gelangen. „Das dauert sicher 20 Minuten länger“, hat Förster nachgerechnet, wenn die Anschlüsse passen. Ansonsten bleibt nur noch der Fußweg in Richtung Altstadt und Neckarvorstadt. Seit der Sperrung der Wilhelmsbrücke – diese soll im kommenden Jahr abgerissen und bis 2029 neu gebaut werden – muss auch hier ein Umweg über den Behelfsbau der Rosensteinbrücke in Kauf genommen werden.

„Es muss doch eine Alternative geben, anstatt zweimal umsteigen oder zu Fuß gehen zu müssen.“

Cornelia Förster Cannstatterin, die zwischen den Bereichen pendelt

Um Zeit zu sparen, gehe auch die 97-jährige Tante stets zu Fuß über den Neckar, um zum Arzt oder auf den Wochenmarkt zu kommen. „Entsprechend ist sie im Anschluss dann vollkommen fertig“, sagt Förster. Sie macht sich Sorgen um die rüstige Rentnerin. Den Umstand, dass Bad Cannstatt so in zwei Teile getrennt sei, könne man aus Sicht der Stadt nicht einfach hinnehmen. Nicht nur die Anwohner der sechs Stadtteile litten darunter, sondern auch der Handel und das Dienstleistungsgewerbe in der Altstadt. „Es muss doch eine andere Alternative geben, anstatt zweimal umsteigen oder zu Fuß gehen zu müssen“, ist sie überzeugt.

Durchgängige Busverbindung soll geprüft werden

Ins gleiche Horn stößt die ökosoziale Mehrheit im Gemeinderat. Sie fordert auf Vorschlag des BUND, spätestens ab dem Fahrplanwechsel 2026/2027 wieder eine durchgängige Busverbindung der Linie 52 bis zum Wilhelmsplatz. Das Problem: Dafür müssten die Busse aus der Neckarvorstadt die B10 unterhalb der neuen S-21-Bahnbrücke queren, um auf die Rampe an der König-Karls-Brücke zu gelangen. Dadurch könnte es zu Staus auf der Bundesstraße kommen. Alternativ sei auch eine Verlängerung der Buslinie 56 durch Münster denkbar. Noch ist keine Entscheidung gefallen.

Somit müssen die Anwohner der abgehängten Stadtteile vermutlich noch sieben Jahre, wenn nicht noch länger, mit dem unbefriedigenden Zustand leben. Nach den derzeitigen Plänen des Tiefbauamts soll die neue Rosensteinbrücke frühestens 2032 fertiggestellt werden und somit auch die Stadtbahn und die Buslinie wieder den Neckar queren – dann wäre die Tante von Cornelia Förster 104 Jahre alt.

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