Oktagon 83 in der Schleyer-Halle
: MMA in Stuttgart – Blick hinter die Kulissen vor Alina Dalaslans Kampf

Kampfsportfans pilgern am Samstag nach Stuttgart – Publikumsliebling Alina Dalaslan steigt erst später in den Käfig. Ein Blick hinter die Kulissen des großen MMA-Events.
Von
Sascha Maier
Stuttgart
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Blick in die Ausverkaufte Schleyer-Halle bei „Oktagon 83“ in Stuttgart

Christoph Müller

13.000 Kampfsportbegeisterte sind am Samstagabend nach Stuttgart gepilgert, um das wandernde MMA-Spektakel Oktagon zu erleben – den aktuell wahrscheinlich wichtigsten Veranstalter Europas in dem Vollkontaktsport. Erlebten Mixed Martial Arts, wofür MMA ausgeschrieben steht, vor einigen Jahren noch wegen der Härte der Kämpfe zumindest in Deutschland eher ein Nischendasein, scheinen die Duelle im Käfig, bei denen Schläge, Tritte, Ringen und der Kampf am Boden erlaubt sind, heute deutlich an Akzeptanz dazugewonnen zu haben.

Das zeigt auch ein Blick ins Publikum. Frauen wie Männer, nahezu alle Alterskohorten sind gekommen und verfolgen am Samstagabend um 19 Uhr die ersten Vorkämpfe. Abgesehen von wenigen Zwischenrufen, wenn sich spektakuläre Szenen im Oktagon ereignen – so wird die Arena genannt –, ist es ziemlich ruhig. Es ist eher wie im Kino als bei einem Fußballspiel.

In Tschechien gucken auch Kinder MMA

Das beobachtet auch Oktagon-Pressesprecher Tobias Drews. Der Sportjournalist ist vor allem als Kommentator von Boxkämpfen bekannt. Inzwischen gilt sein Interesse verstärkt dem aufstrebenden MMA-Sport. „Unser Publikum ist emotional, aber nicht aggressiv“, sagt Drews. Bei den Oktagon-Veranstaltungen in Stuttgart ist der Zutritt ab 18 Jahren. In Tschechien, wo die Promotion zuhause ist, sei das nicht so. „Das sind richtige Familienevents“, sagt Drews.

Ringarzt Max Cherepnev nimmt das Verletzungsrisiko nicht auf die leichte Schulter.

Foto: Sascha Maier

In den Katakomben der ausverkauften Schleyer-Halle laufen einem ziemlich viele Menschen mit sogenannten Blumenkohl-Ohren entgegen: MMA-Kämpfer, deren Ohren davon zeugen, dass sie von Ringkämpfen gezeichnet wurden. Hier und da kämpfen sich die Athleten warm, um das Verletzungrisiko zu minimieren.

Falls es doch zu Verletzungen kommt – und das wird es beim MMA erfahrungsgemäß – ist Max Cherepnev da. Der Ringarzt arbeitet hauptberuflich in einer Klinik, die Oktagon-Kämpfe sind sozusagen sein Nebenjob. Das Verletzungsrisiko durch die Sportart will er nicht kleinreden. „Wir stellen uns auf die verschiedensten Verletzungen ein“, sagt er. Cuts, die man nähen muss und Prellungen, die man kühlen muss, seien die häufigsten Verletzungen.

Beim Boxen mehr Schläge auf den Kopf

Schwerere Verletzungen gebe es aber auch: „Eine Überraschung wie ein Kieferbruch in Hamburg.“ Und auch wenn beim MMA das Verletzungsrisiko grundsätzlich höher sei, als etwa beim Boxen, „der kommulative Effekt, gefährliche und vor allem viele Schläge auf den Kopf zu bekommen ist beim Boxen höher“, so der Mediziner. Auf Dauer sei dies darum womöglich gefährlicher.

Der Star des Abends, auf den alle warten: Alina Dalaslan, aufstrebender MMA-Star. Sie hat viele Jahre in Stuttgart gelebt und gearbeitet, ist ungeschlagen, 25 Jahre alt, hat 116.000 Instagram-Follower. Auch der „Spiegel“ hat inzwischen entdeckt, dass sie etwas besonderes ist und eine große Geschichte über sie gebracht. Sogar Wrestling-Legende Dwayne „The Rock“ Johnson hat sich bei einer Veranstaltung in Frankreich als Fan geoutet.

Ihre Gegnerin: Karoina Sobek. Erfahrener, größer, eine Ringerin. Im Interview mit unserer Zeitung gab sich Dalaslan zuversichtlich, auch ihren fünften Profikampf vorzeitig zu beenden. Ob ihr MMA-Märchen ohne jeden Makel weitergeht, wird sich aber erst in ein paar Stunden entscheiden. Ihr Kampf ist der vorletzte des Abends.

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