Plan gegen Hitze in Stuttgart
: Stadt stellt Sonnenschirm im Schatten auf – was ist in Botnang schiefgelaufen?

Rund 350 000 Euro hat die Stadt für Sonnenschirme auf öffentlichen Plätzen ausgegeben. Auch in Botnang stehen sie – kurioserweise einer allerdings im Schatten.
Von
Torsten Schöll
Stuttgart
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Die Stadt hat in Botnang einen neuen Sonnenschirm ausgerechnet unter einer schattenspendenden Platane aufgestellt.

Torsten Schöll

Im Stuttgarter Stadtbezirk Botnang reibt sich manch ein Bürger derzeit die Augen. Seit einigen Wochen zieren zwei große Sonnenschirme den Marktplatz des Stadtbezirks. Sie wurden im Rahmen des Hitzeaktionsplans der Stadt Stuttgart im Juni aufgestellt. Einem der beiden Schirme wird es dabei aber garantiert auch bei höchsten Sommertemperaturen nicht zu heiß. Er darf unter einer großen schattenspendenden Platane stehen.

Eine Frau hat es sich mit ihrem Kind auf dem Betonklotz unter dem Schirm bequem gemacht. Obwohl die Sonne scheint, wirft der große mehreckige Schirm über ihr aber keinen Schatten. Das kann er auch nicht: Denn er selbst steht bereits im Schatten der gewaltigen Platane. Mehrere dieser großen Bäume schließen den Platz, auf dem in Botnang der Wochenmarkt stattfindet, nach Westen hin ab.

„Standortoptimierte Platzierung“ der Sonnenschirme in Stuttgart

Das Stuttgarter Rathaus hatte ein Ingenieurbüro mit der standortoptimierten Planung des Sonnenschutzes beauftragt.

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Bei den Bäumen hat vor einigen Wochen erst die Stadt im Rahmen des Hitzeaktionsplans einen der beiden für den Botnanger Marktplatz vorgesehenen Sonnenschutzschirme installiert. Der andere steht zwar etwas mittiger auf dem Platz an der Griegstraße, aber ebenfalls relativ nah an den Platanen, unter denen schon bisher einige Bänke auf schattensuchende Passanten warteten.

Bemerkenswert: Auf der großen Freifläche hätte es augenscheinlich reichlich Platz gegeben, um dort einen Sonnenschirm aufzustellen, wo weit und breit kein Baum steht und die Sonnenstrahlen im Sommer tatsächlich ungebremst auf den Platz brennen. Auf die Frage, wie die Standorte der Schirme, die es mittlerweile an zehn Plätzen in Stuttgart gibt, ausgewählt werden, erklärt die Stadt, dass „für die Planung der standortoptimierten Art, Größe und Platzierung der Sonnenschirme ein Ingenieurbüro zuvor den Sonnenstand an einem repräsentativen Tag im Juli 2023 von 9 bis 17 Uhr an den ausgewählten Plätzen erfasst und die Erfordernisse des Straßen- und Fußverkehrs dort berücksichtigt hat.“

Den ohnehin vorhandenen Schatten der Platanen muss man bei den Überlegungen offensichtlich übersehen haben. Außerdem sei es ein Wunsch der Marktbeschicker gewesen, dass der Sonnenschutz nicht direkt auf dem Platz stehe. Man sei sich bewusst, dass deshalb nicht den ganzen Tag über Schatten gespendet werde. Am Nachmittag sei das aber mitunter der Fall, heißt es aus dem Rathaus. 

Stuttgart zahlt 350 000 Euro für Sonnenschutz und Sitzblöcke

Die Gesamtkosten für die 29 Sonnenschutzschirme, ein Sonnensegel aus mehreren Teilen sowie 26 Sitzblöcke, die in diesem Juni an insgesamt zehn Standorten in der Stadt installiert wurden, beliefen sich nach Auskunft der Verwaltung, auf insgesamt 350.000 Euro. „Aufgrund der unterschiedlichen Modelle und Ausführungen lassen sich die Kosten nicht auf einen einzelnen Standort herunterrechnen“, so ein Sprecher. Wie viel konkret für den Sonnenschirm im Schatten der Botnanger Platanen ausgegeben wurde, ist deshalb nicht aufgeschlüsselt. Alleine „die aufwendige Konstruktion des Sonnensegels“ auf dem Südheimer Platz koste laut Stadtverwaltung aber zirka 110.000 Euro.

Immerhin: Die Abkühlungsuchenden profitieren in Botnang auch unter dem Schattenschirm von der Verdunstungskälte des Baumes, die bei großer Hitze den Aufenthalt unter einem Blätterdach so angenehm macht. Von dieser Art natürlicher Abkühlung profitierten die Passanten noch vor rund zehn Jahren im Sommer übrigens reichlich auf dem Botnanger Marktplatz: Damals standen hier noch 17 große Bäume. Ein Großteil wurde 2016 gefällt, um die Fläche besser nutzen zu können.

Hinweis: Der Text wurde hinsichtlich der Kosten und einzelner Informationen nachträglich verändert. Ursprünglich hieß es unter anderem, die Kosten seien für Sonnenschutz an vier Standorten entstanden. Wir bitten das Missverständnis zu entschuldigen.

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