Preise für Deutschland-Spiel explodieren: Wie man noch an Karten fürs EM-Viertelfinale in Stuttgart kommt

Rainer Reddehase und sein Sohn Laurin Reddehase beim Vorrundenspiel Deutschland gegen Ungarn.
/privatDer Stuttgarter Immobilienhändler Rainer Reddehase hat mit seinem Sohn Laurin Reddehase bisher fünf Vorrundenspiele der Fußball-Europameisterschaft besucht, nämlich in Stuttgart, München und Frankfurt. Die Karten bekam er zum regulären Preis über den Fanclub des DFB. Über ein Bonus-System entscheidet der Fußballverband, wer aus Zehntausenden von Anfragen zum Zuge kommt. Je mehr Spiele des Nationalteams man in der Vergangenheit besucht hat, desto mehr Bonuspunkte gibt’s.

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Stuttgarter ZeitungWeil Reddehase als Fußballfan viel unterwegs ist, in Deutschland wie auch international (auch bei der WM in Katar war er), ist seine Bonuslage nicht schlecht, aber nicht gut genug, um in den Genuss einer offiziellen Karte zum Viertelfinale am Freitag von Deutschland gegen Spanien in der Stuttgarter Arena zu kommen. Die Uefa hatte nach dem Sieg im Achtelfinale dem DFB 6000 Karten zusätzlich für den deutschen Block zur Verfügung gestellt – zu regulären Preisen von 60 Euro (Fans First) bis 700 Euro (Prime Seats). Die waren aber alle schon nach kurzer Zeit vergriffen.
Der gut vernetzte Rainer Reddehase hat sich umgehört, wie er doch noch an Karten für Stuttgart kommen kann. Erst einmal sagt er aus Erfahrung: „Auf der offiziellen Uefa-Verkaufsseite sind aktuell zwar gar keine Tickets verfügbar, aber das kann sich laufend ändern. So hatte ich auch die beiden Tickets für die Stuttgarter Spiele Ukraine gegen Belgien sowie Dänemark gegen Slowakei jeweils einen Tag vorher zum Preis von 150 Euro bzw. 160 Euro bekommen.“
Sind die Karten überhaupt übertragbar?
Aus privater Hand ist ihm nun eine Karte für 673 Euro angeboten worden. Noch hat er sich nicht entschieden, ob er zugreift oder absagt. „Das ist schon bisschen viel Geld“, sagt er, „der Immobilienbranche geht es gerade nicht so gut.“ Aber andererseits wisse er nicht, ob er jemals wieder eine EM in der eigenen Stadt erleben könne.

In Frankfurt beim Spiel Deutschland gegen Schweiz.
/privatSind die personalisierten Karten überhaupt übertragbar? „Per E-Mail kann ein Ticket verschickt und auf einen anderen, der sich mit seinem Personalausweise registrieren lässt, übertragen werden“, weiß Reddehase. Ein weiterer Kartenverkäufer, der ein Vip-Ticket für 1250 Euro anbietet, sagt uns: „Man braucht nur die Uefa-App – das ist alles.“
Karten zu regulären Preisen gibt es also nicht mehr. Die Preise sind regelrecht explodiert. Im Internet wird eine Karte für 5899 Euro angeboten. „Das ist das Angebot eines Spinners, da wird niemand darauf eingehen“, kommentiert Kartenexperte Reddehase und fühlt sich dabei an seine eigene Branche erinnert: „Bei Immobilien kann ich auch Mondpreise verlangen – aber das ist dann noch längst keine Transaktion.“

Rainer Reddehase beim Vorrundenspiel von Dänemark gegen Slowakei in Stuttgart.
/privatFußballfan Reddehase hat die Angebote im Netz genau studiert. Das Portal Viagogo bietet momentan Karten für 600 bis 1900 Euro an, hinzu kommen Gebühren. Für einen Freund hat er über Viagogo eine Karte für das Schweiz-Spiel in Berlin gekauft. „Das hat geklappt“, berichtet er. Der Freund habe ungefähr das Achtfache gezahlt, saß dann aber im Stadion, weil die Übermittlung über E-Mail und Registrierung der Uefa-App problemlos funktioniert habe.
Die Gefahr einer Abmahnung ist bei Ebay groß
Vor Ebay – auch dort gibt es zahlreiche Angebote für das Viertelfinale am Freitag – warnt Rainer Reddehase: „Die Gefahr der Abmahnung ist groß. DFB und die Uefa mahnen die Angebote als Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab – Rechtsanwälte lassen sich von Ebay die Klarnamen geben.“ Auch vom Angebot von Papiertickets sollte man die Finger weglassen, findet er. Beim EM-Turnier gibt es nur noch elektronische Tickets. Werde trotzdem ein Papierticket angeboten, müsse von einem Betrugsversuch ausgegangen werden – damit auch davon, dass man für sein Geld das Ticket gar nicht bekommt.

Rainer Reddehase mit VfB-Präsident Claus Vogt beim Spiel Belgien gegen Ukraine in Stuttgart. Vo
/privatHat Immobilienhändler bereits seine Fühler fürs Finale in Berlin ausgestreckt? Auch dafür hat die Uefa noch Karten zurückgehalten – und wird Tausende an den DFB zum regulären Preis geben, wenn Deutschland im Endspiel steht. „Eine Karte für Berlin habe ich noch nicht“, sagt Reddehase, „aber ein Ticket für den Zug hab’ ich gebucht.“