Premierenparty im Weltweihnachtscircus Stuttgart
: Rätselraten in „Europas bestem Zirkus“

Für Rubén Caballero, dem jungen Spross einer legendären Trapezartistenfamilie, befindet sich der „beste Zirkus von Europa“ in Stuttgart. Monaco sei nur ein Festival. Bei der Party nach der euphorisch bejubelten Premiere zum Jubiläum gibt es Überraschendes.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
  • Dalien Cohen (Mitte), der Chef des Weltweihnachtscircus, bei der After-Show-Party mit den Flying Caballeros.

    Engelhard Photography
  • Beim Finale ist der Jubel bombastisch.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Clownin Mooky lernt bei der Premierenparty den Unternehmensberater Philippe Piscol kennen – ihr „Opfer“ aus dem Publikum.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Ballettstar Jason Reilly mit seiner Familie

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Schauspieler Ismael Boerner (links), Sänger Lucas Fischer.

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Bestseller-Autorin Lisa Federle, Deutschlands bekannteste Notärztin, mit ihrem Mann Michael Ramroth.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Zirkuschefin Elisa van der Meijden und ihr Mann Dalien Cohen.

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Stefanie Schuster ernennt Zirkusgründer Henk van der Meijden zum dritten Ehrenmitglied der Olgäle-Stiftung. Seit 25 Jahren geht der Erlös der Premiere an kranke Kinder.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Henk van der Meijden bedankt sich bei Stefanie Schuster mit einem Blumenstrauß.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • OB Frank Nopper (links) kam direkt vom Gemeinderat zur Pause. Auf dem Foto neben ihm: Seine Frau Gudrun Nopper, Zirkusgründer Henk van der Meijden, sein Nachfolger Dalien Cohen

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Der holländische Zirkusbesitzer Henk van der Meijden mit dem holländischen Musicalstar Aisata Blackman, bekannt als Stuttgarts Tina Turner.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Entertainer Michael Gaedt mit seiner Frau Tina Gaedt.

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Schauspielerin Astrid Fünderich von der „Soko Stuttgart“

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • SWR-Nachrichtenfrau Tatjana Geßler mit dem Kunsthändler Frank Zimmermann

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Ringer-Weltmeister Frank Stäbler mit seiner Frau

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Auch Richy Müller (rechts), der Stuttgarter „Tatort“-Kommissar, war da.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Der Weltweihnachtscircus bleibt bis zum 6. Januar in Stuttgart auf dem Cannstatter Wasen.

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Blick ins Foyer.

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Henk van der Meijden mit seiner Tochter Elisa van der Meijden

    Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski
  • Knochen wie aus Gummi: Aleksandr Batuev, der Schlangenmann, bei der Premierenparty.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Artistinnen bei der Premierenparty.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
  • Nach der Premiere wird gefeiert.

    engelhard-photography-/ENGELHARDPHOTOGRAPHY
1 / 22

Er hat’s nicht geschafft, erhält aber den stärksten Beifall der Premierennacht: Beim Versuch, den berüchtigten Vierfach-Salto am Trapez zu schaffen, stürzt der 15-jährige Louis junior Caballero ins Netz, auch bei der Wiederholung – und wird bei der Show zum 30. Geburtstag des Weltweihnachtscircus aber zum Artisten der Herzen.

Bei der Vorpremiere schrieben die mexikanischen Caballeros, die in den USA leben, Zirkusgeschichte: Da brillierten sie mit drei Salti Mortale hintereinander. Vor ihnen hat das noch niemand geschafft, selbst ihre Eltern (1995 traten sie auf dem Wasen auf) nicht, von denen sie alles lernten. Bei der Premiere zum 30-Jahr-Jubiläum ist die Nervosität groß. Knapp rutscht Louis ab. Belohnt werden Mut und Leidenschaft. Wenn nicht alles zum Erfolg führt, wird erst klar, wie schwer dieser Wahnsinn ist.

„Zu 80 Prozent“ schaffen die Caballeros die Sensation

Bei der After-Show-Party sind die Caballeros die ersten Artisten, die zum Feiern kommen. Sie sind sehr hungrig. Vor dem Auftritt essen die Künstler nichts. Dass es ausgerechnet bei der Premiere nicht geklappt hat, ärgert sie sehr. „Zu 80 Prozent schaffen wir es“, sagt Rubén Caballero.

Die geladenen Stadtpromis (darunter Musicalstar Aisata Blackman, Ex-VfB-Profi Timo Hildebrand, „Tatort“-Kommissar Richy Müller, Opernintendant Viktor Schoner, Ballettstar Jason Reilly, die Entertainer Michael Gaedt und Roland Baisch, TV-Moderatorin Tatjana Geßler, Moderator Mustafa Göktas, der Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, Sänger Lucas Fischer) überbieten sich gegenseitig beim Jubeln. OB Frank Nopper kommt zur zweiten Showhälfte aus dem Gemeinderat. „Sensationell“, „die beste Show in 30 Jahren“, „gigantisch“ – das sind häufige Kommentare. Eine Frage, die bei der Party häufig gestellt wird: War der Mann, den die Clownin Mooky aus dem Publikum zum Mitmachen in die Manege geholt hat, wirklich ein ahnungsloser Zuschauer – oder einer aus dem Zirkusteam? Denn so überzeugend agierte dieser „Philippe“!

Clownin Mooky mit Unternehmensberater Philippe Piscol, ihrem „Opfer“ aus dem Publikum

Foto: Engelhard

Wir haben uns auf die Suche gemacht, um dieses Rätsel zu klären. Das Ergebnis überrascht viele: Der unbekannte Showpartner, der Texte vorlas, die gut verteilt auf dem Körper der kanadischen Künstlerin angebracht sind, sodass ein romantisches Tête-à-Tête entstand, heißt Philippe Piscol und ist Unternehmensberater. Zur Premiere hat er 40 Geschäftspartner eingeladen, vor allem Insolvenzverwalter. Nein, er ahnte nichts von seinem Bühnenglück. Bei der After-Show-Party lernt Piscol die Clownin Mooky, die er nie zuvor in seinem Leben sah, dann richtig kennen. Die beiden stoßen darauf an, dass sie so gut harmonierten bei den innovativen, ja poetischen Slapsticks und das Publikum fürwahr verblüfften.

Die Clownin Mooky war ein Star beim Cirque du Soleil

„Mooky hat den richtigen Riecher für bühnentaugliche Besucher“, sagt der 27-jährige Zirkuschef Dalien Cohen, Schwiegersohn des 87-jährigen Zirkusgründers Henk van der Meijden. Vor dem Auftritt schleicht sich die Clownin, ein Star auch beim Cirque du Soleil, durchs Publikum und hält Ausschau nach einem „Opfer“.

Was geschieht, wenn sich der Auserwählte bei ihrer Darbietung bockig verweigert? „In Deutschland passiert das selten“, sagt Mooky, „in den USA oder in Australien öfter.“ Für diesen Fall hat sie einen Plan B und baut ihre Szenen völlig um.

Lisa Federle fragt: Liegt’s am Marfan-Syndrom?

Die Ärztin Lisa Federle, die in der Pandemie bundesweit bekannt wurde, schwärmt für den Schlangenmann Aleksandr Batuv, der wohl Knochen aus Gummi besitzt. So irre verknotet sich der Russe, dass er in eine Kiste passt. Unfassbar! Aus der Medizin kennt Federle das Marfan-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine genetische Erkrankung, bei der es zu einer extremen Elastizität des Bindegewebes kommt. Nein, damit hat Aleksandr nichts zu tun. Aber mit einer Krankheit fing seine Kunst tatsächlich an: Nach einer Knieverletzung mit 17 Jahren beim Hindernislauf entwickelte er seine eigene Rehabilitation, um zurück zum Sport zu können – daraus wurde diese äußerst biegsame Weltnummer!

Der Erlös der Premiere geht wie seit 25 Jahren an die Olgäle-Stiftung. Dafür bedankt sich die Präsidentin Stefanie Schuster und ernennt Henk van der Meijden zum Ehrenmitglied der Stiftung. Und Clownin Mooky schwärmt vom Stuttgarter Publikum. Bei Premieren, wenn viele Promis kommen, sei die Stimmung meist eher verhalten, sagt sie: „Aber in Stuttgart gehen die Leute voll ab!“

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.