Promi-Eisstockschießen
: Promi-Turnier in Tracht: Bayerisches Brauchtum auf Schwäbisch

Fußball-Legenden in Lederhosen, schräge Typen, viel Gelächter: Beim Promi-Eisstockschießen in Tracht ist der Spaßfaktor hoch und zeigt, wie Schwaben bayerische Tradition beherrschen.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Die früheren Fußball-Profis Mo Idrissou (links) und Christof Weber (Mitte) beim Eisstock-Turnier in Tracht. Rechts: Florian Gauder von den Partyspielagenten misst.

Uwe Bogen

Minusgrade legen das Winterdörfle im Schwabengarten in frostige Starre. Atemwolken stehen in der Luft, Eisstöcke klacken auf der Bahn, dazwischen schallt lautes Gelächter, und der Winzer-Glühwein dampft. Der frühere VfB-Torwart Christof Weber beugt sich in Lederhosen konzentriert nach vorn, dann schießt sein Stock mit Karacho über den Kunststoff. Treffer. Jubel. Was nach Alpenrand klingt, spielt sich in Leinfelden-Echterdingen ab. Ein bayerischer Nationalsport ist bei den Schwaben angekommen – und findet jenseits der Alpen immer mehr Anhänger.

Der Name des Turniers ist ein Spaß wie das Event selbst

Zum Promi-Eisstockschießen haben die „Partyspielagenten“, ein notorisch feierfreudiges Duo aus Stuttgart, mit Axel Munz, Chef des bayerischen Trachtenunternehmens Angermaier, eingeladen. Der Name des Turniers ist so augenzwinkernd wie das Event selbst: „Eisstock WorldChampionShip in Tracht“. Männer in Lederhosen sind in der Mehrheit, Frauen in Dirndl sind eher rar. Seit 17 Jahren veranstaltet Angermaier in München „Weltmeisterschaften“ in dieser Winterdisziplin, bei der Stars der Klatschspalten am Start sind. Jetzt feiert das Format auf den Fildern seine Premiere.

Moderator des Gaudi-Turniers ist einer, der Bühne und Publikum gewohnt ist: Wasenstar Hofnarr Luigi, alias Graziano d’Arcangelo. Der Italiener kommentiert Würfe, feuert an, scherzt. Gerade erst ist er aus London zurückgekehrt, wo er in den vergangenen sechs Wochen täglich sechs Stunden beim „Bavarian Wonderland“ im Hyde Park aufgetreten ist und volle Kanne gesungen hat – mit deutschen und englischen Hits. Dort nennen sie ihn „Luigi the Machine“.

Angermaier-Chef Axel Munz (am Mikro) begrüßt die Gäste . Mit auf dem Foto: die Partyspielagenten und Moderator Graziano d’Arcangelo (rechts).

Foto: Uwe Bogen

Dass beim Bayernfest in der englischen Hauptstadt einer aus Stuttgart zum Tanzen animiert, dürfte den Briten egal sein. Bayern oder Schwabenland? Ist das ein Unterschied? „Sweet Caroline kommt immer am besten an“, sagt Luigi und strahlt. Bier koste in London unter 0,5 Liter rund 14 Euro. „Da sind wir hier noch gut dran.“

Christof Weber trägt Torwarthandschuhe

Auf der Bahn wird es sportlich. Fußballer in kurzen Hosen kennt man, hier aber stehen ehemalige Profis in kurzen Lederhosen – und die sind ebenso ehrgeizig wie einst auf dem Rasen. Christof Weber, heute Teil der VfB Legends, greift beim Eisstockschießen zu Torwarthandschuhen. Sonderanfertigung, Fingergröße 14. Neben ihm steht Mo Idrissou, einst Bundesliga-Stürmer bei Eintracht Frankfurt und kamerunischer Nationalspieler, heute Betreiber des Modelabels Oscargermany. Auch Ex-Profi Rudi Schutz, genannt „Rudinaldo“, ist dabei. Konzentration, Gelächter, Schulterklopfen – es geht um Punkte, aber vor allem um den Genuss der Lebensfreude.

„Ein Riesenspaß ist’s“, freut sich David Blanco, einer der Schwabengarten-Chefs. Auch er spielt mit – es ist seine Premiere, obwohl die Eisstockbahnen seit etlichen Jahren bereits im Winter aufgebaut werden. Der Sport hat in Bayern eine jahrhundertalte Tradition, doch längst reicht sie über die Landesgrenzen hinaus. Stuttgart hat Gefallen daran gefunden. Gespielt wird inzwischen an mehreren Orten in der Region.

Die LED-Blitzstäbe zu Champagner feiern Premiere

Weil zugefrorene Seen fehlen, gleiten die Stöcke nicht über Eis, sondern über Kunststoffbahnen. Am Prinzip ändert das nichts: Ziel ist es, den eigenen Stock möglichst nah an den Gummiring, die Daube – oder „Daubn“, wie die Bayern sagen – zu platzieren oder die gegnerischen Stöcke mit Schwung aus dem Feld zu räumen. Taktik spielt dabei eine Rolle, Technik ebenso. Entscheidend aber ist der gemeinsame Spaß.

Die Partyspielagenten performen ihren Song „SUperman“.l

Foto: privat

Wenn die letzten Stöcke geschoben sind und das Team um Angermaier-Chef Axel Munz und Florian Gauder von den Partyspielagenten die Goldmedaillen erhalten haben – das VfB-Team landet auf Platz zwei –, ist der Abend noch lange nicht vorbei. Bei der After-Show-Party in der Winterdörfle-Almhütte sorgt Ballermann-Star Almklausi für Stimmung, DJ Andy Dangel legt auf. Die Partyspielagenten, die „im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit“ unterwegs sind, performen ihren Ballermann-Song „Superman“.

Draußen klirrt die Kälte, drinnen tanzen alle. Das Bier fließt, Champagner wird ebenfalls bestellt – doch hier gibt es keine Feuerfontänen dazu. Stattdessen leuchten und blinken LED-Blitzstäbe: sicher, effektvoll und für viele Gäste das deutlich bessere Gefühl beim Feiern.

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