Raidt schreibt: Liebe Kroküsse!

Schön anzusehen aber schwierig in der Mehrzahl: der Krokus.
dpaStuttgart - Stuttgart, im Februar 2014: Der Winter hat aufgegeben. Manches sprießt schon, mancher niest schon, einiges treibt schon – Sport, natürlich. Unterdessen lagern tausende von Krokussen knollenförmig verpackt in ihren unterirdischen Abschussrampen. Lange kann es nicht mehr dauern, dann legen die Pflanzen einen knallbunten Raketenstart an die Oberfläche hin.
Endlich wieder Flower Power in der Stadt. Leider ist die Sache dennoch eintöniger als sie könnte, weil sich Jahr für Jahr viele Menschen fragen, wie die korrekte Mehrzahl von Krokus lautet. Genau: Krokusse. Behauptet zumindest der Duden, dieser doofe rechthaberische Wälzer, dieser Griesgram der deutschen Rechtschreibung, dieser Buch gewordene Frühlingsverhinderer. Kann es für diese wunderbare Pflanze keinen schöneren Plural geben?
Herzliche Kroküsse!
Yes it can, alter Dudensack! Ich fordere hiermit die Freigabe des Krokus-Plurals. Künftig könnten Sie dann Schlagzeilen wie diese in Ihrer Zeitung lesen: „Stuttgart im Rausch der Kroken.“ Gärtner der städtischen Anlagen könnten sich fachkundig darüber äußern, ob und in welcher Form der Klimawandel mit dazu beitrage, dass in diesem Jahr die „Krokeen“ deutlich früher blühten als sonst.
Wir sollten uns ein sprachliches Beispiel an den Schweizern nehmen, über deren Liberalität sich gerade alle Welt auslässt. Der Schweizer lässt sich beim Thema Krokus von keinem etwas vorschreiben. Der Eidgenosse sagt „das Krokus“.
Das gefällt mir. Freiheit für die Frühblüher! Künftig könnten wir solche Meldungen verfassen: „Im Höhenpark Killesberg stehen auf den Wiesen schon prachtvoll die Krokanten.“ Und in den Gärten würden Nachbarn über den Zaun hinweg Gespräche wie diese führen: „Sagen Sie, wie gefallen Ihnen eigentlich meine Kroketten?“