Wer ist der 16-Jährige?: „U1 ist sehr tuff“ – Stuttgarter rankt Stadtbahnlinien auf Tiktok

Für den Tiktoker Nosa ist sehr wichtig, ob eine Bahn den Charlottenplatz (rechts) anfährt.
privat/LichtgutMit der Stadtbahn fährt Nosa schon, seit er ganz klein ist. Und deshalb war dem 16-Jährigen gleich klar, als er Anfang dieses Jahres damit begann, auf Tiktok und Instagram Stuttgart-Content zu teilen, dass die gelben Bahnen eine tragende Rolle spielen müssen.
Also kam er auf die Idee, die 16 Stadtbahnlinien zu ranken. „Ich habe vor allem damit angefangen, um auszudrücken, wie froh ich bin, in einer Stadt mit einem so zuverlässigen und dicht getakteten Öffentlichen Nahverkehr zu leben“, sagt Nosa, der noch Schüler ist und auf die Freie Aktive Schule in Hoffeld geht. „Ich kenne jede Linie, praktisch jede Haltestelle.“
„Die U1 ist sehr tuff“
Nosa nimmt sich die Stadtbahnen (die er in den Captions – kleiner Fauxpas – U-Bahnen nennt) in der numerischen Reihenfolge vor. Begonnen hat er also mit der U1: Die findet er „sehr tuff“, weil sie bis nach Fellbach fährt. Aber weil sie den Charlottenplatz links liegen lässt, landet sie nur im Mittelfeld. Ein bisschen besser schneidet die U2 ab. Ihr Manko aus Sicht des 16-Jährigen: Mit der U2 kommt man nicht zum Hauptbahnhof. Am besten kommt in Nosas Ranking bisher die U6 weg: Weil sie Charlottenplatz und Hauptbahnhof anfährt und man mit ihr bis zum Stuttgarter Flughafen kommt.
Für seine Platzierung orientiert sich Nosa an mehreren Kriterien: Wie oft fährt die Bahn? Wie viele Haltestellen hat die Linie? Wie viele Menschen fahren mit? Welche Stadtteile passiert sie? Fährt sie Hotspots wie den Charlottenplatz, den Hauptbahnhof oder den Rotebühlplatz an?
Die SSB klopfte bereits an
Seinen ersten Clip nahm er noch im heimischen Badezimmer auf, jetzt filmt er in der Stadtbahn, die er bewertet. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ist auch schon auf den Schüler aufmerksam geworden: „Bro, suchst du noch einen Job?“ postete das Unternehmen, das stets auf der Suche nach Fachkräften ist (und dabei auch ungewöhnliche Wege geht), unter Nosas Stadtbahn-Clips. „Das hat mich total gefreut“, sagt der 16-Jährige und erzählt, dass man auch schon telefoniert habe.
„Ich habe mit jemandem vom Social-Media-Team gesprochen. Die finden es cool und haben gesagt, ich soll das unbedingt weitermachen.“ Man will in Kontakt bleiben.
Nicht immer sind alle mit seinen Bewertungen einverstanden: „Die Leute identifizieren sich wirklich krass mit den Linien, auf denen sie täglich unterwegs sind – da gibt es echt viele Diskussionen“, sagt Nosa. Seine Stammlinie ist die U7. Seit seine Eltern getrennt leben, wohnt er praktisch an beiden Endhaltestellen: Ostfildern und Mönchfeld. Die Linie mit der schönsten Aussicht? „Ganz klar: die U15.“ Und besonders hübsch, findet Nosa, präsentiert sich Stuttgart, wenn man mit der Zacke unterwegs ist.
Er checkt auch Stuttgarts Dönerläden aus
Nosa, der von sich sagt, er sei „von Herzen Stuttgarter“, konzentriert sich nicht nur auf Stadtbahnen, er postet praktisch täglich irgendetwas, das mit seiner Heimatstadt zu tun hat. Er testet zum Beispiel auch „Niche“-Dönerläden, also solche Kebapbuden, die vielleicht nicht jeder kennt. Dafür geht er bewusst auch in die Außenbezirke: nach Bad Cannstatt, Weilimdorf, Heumaden.
„Ich will Menschen fröhlich machen – so bin ich einfach“, sagt Nosa von sich selbst. Und wenn er sich damit zu „einer Art Stuttgart-Influencer hochschaukeln“ kann, hat der 16-Jährige auch nichts dagegen. Inzwischen werde er manchmal erkannt, wenn er in der Stadt unterwegs sei. „Das sagt dann jemand: Hey, bist du nicht der... Oder: Mach weiter so. Das freut mich dann natürlich.“
