Schulacker an der Raitelsbergschule
: Stolz auf die Ernte vom eigenen Acker

Die Arbeit an den eigenen Gemüsebeeten bringt für die Kinder der Raitelsbergschule eine ganz neue Erfahrung und auch eine Geschmacksoffenbarung. Das Einmaleins des Ackerbaus liefert dazu die GemüseAckerdemie von Acker e. V. für mehr Wissen über Ernährung, Landwirtschaft und Nachhaltigkeit.
Von
Heidemarie A. Hechtel
Stuttgart
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Viele Besucher bewunderten die Vielfalt auf dem Schulacker.

Ferdinando Iannone/Lichtgut

„Probier mal“: Laura, Viertklässlerin der Raitelsbergschule, hat ein Stück vom Palmkohl abgezupft und fordert zur Verkostung auf. Schmeckt frisch und knackig. Die Tomaten brauchen letzte Sonnenstrahlen, um richtig rot zu werden, aber die Hokkaidokürbisse leuchten goldorange, die Maispflanze trägt, aus der Erde können Kohlrabi, Rote Bete und Gelbe Rüben geholt werden. Reiche Ernte auf dem Schulacker, gleich hinterm Schulhaus, ein paar Treppen runter: ein rurales Idyll auf 120 Quadratmetern mit Gartenhaus und Beeten, das an diesem sonnigen Vormittag OB Frank Nopper in Begleitung von Stephanie Weiß vom Schulverwaltungsamt und Felix Niklas von der Schulgartenberatung beim Amt für Umweltschutz besucht und wo er mit Genuss Gurke, Kohlrabi, Gelbe Rübe verkostet.

Corona war der Auslöser, dass die Grundschule mit Ganztagsbetrieb für alle 270 Kinder den ehemaligen Schulgarten mit Unterstützung der GemüseAckerdemie in einen Schulacker verwandelt hat. „Das Angebot kam vom Schulverwaltungsamt, und wir haben sofort zugegriffen“, sagt Schulleiterin Bianca Krämer-Martin. „Denn die Schule ist nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort, von der so viele Leistungen erwartet werden wie von der berühmten Eier legenden Wollmilchsau“, macht die Rektorin ihrem Herzen Luft. Ein Rundum-Erziehungspaket mit allen Themen von der Ernährung über Demokratie bis zu Medien. Umso wichtiger sei die gemeinsame Arbeit auf diesem Stück Land für das soziales Miteinander. Und wirklich: Nettere, höflichere und dabei durchaus selbstbewusste Kinder als hier wird man kaum erleben.

Also raus auf den Acker. Und keine Scheu vor schmutzigen Händen beim Wühlen in der Erde. Auch nicht jammern, wenn es mühsam wird. Für viele Kinder eine ganz neue Erfahrung. Dachten doch viele, Salat und Gemüse kämen aus dem Supermarkt, wie Elisabeth Maus, die Acker-Lehrerin, berichtet. Und obendrein eine Geschmacksoffenbarung, nachdem das Grünzeug gern verschmäht und Kartoffeln nur in Form von Pommes frites akzeptiert würden. Und dazu noch eine Menge Spaß und Stolz auf die Ernte, die Laura dem OB präsentiert und erklärt.

„Ein Acker sollte für eine Schule so selbstverständlich sein wie eine Turnhalle“, sagt daher Sacha Hübner von Acker e. V., der vor zehn Jahren in Berlin gegründet wurde mit dem Ziel, gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Verantwortung für Natur und Umwelt zu fördern und das Problem der Lebensmittelverschwendung an der Wurzel zu packen: durch ein Bildungsprogramm unter anderem für Schulen. In Stuttgart greifen die Schülerinnen und Schüler von 14 Schulen zu Hacke, Spaten und Gießkanne. Für die vierjährige Begleitung beträgt der finanzielle Aufwand für die Raitelsbergschule 20 500 Euro, 2200 Euro leistet die Schule selbst, auch mithilfe des Fördervereins, den Rest teilen sich Bauder-Stiftung und Stadt .

„Ich musste das auch alles erst lernen“, bekennt Elisabeth Maus. Sie hätte aber noch ein paar Wünsche: eine Reihe Stauden, „damit auch was blüht“, und einige Male im Jahr professionelle Gärtnerhilfe: „Denn es ist viel Arbeit, und ich kann von den Kindern nicht erwarten, dass sie stundenlang mit mir Unkraut zupfen.“ Trotz aller Begeisterung für die Scholle, auf der man sich auch mal einfach nur vom Schulstress erholen darf: „Das fördert die Resilienz“, betont Rektorin Krämer-Martin.

In der Schulküche wird demnächst wohl Kürbissuppe zubereitet. Oder Kürbiskuchen. Oder beides. Denn bald werden die Beete winterfest mit Mulch zugedeckt – und vorher muss der Kürbis vom Acker.

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