Seit Oktober verschwunden: Vermisster Trottwar-Verkäufer aus Stuttgart lebt nicht mehr

Seit 2021 war der Verstorbene als Verkäufer und Autor für Trottwar aktiv.
Lichtgut/Achim ZweygarthEs ist das Ende, das alle insgeheim befürchtet hatten. Sven K., der Mann, den viele als Trottwar-Verkäufer aus Stuttgart-Freiberg kannten, lebt nicht mehr. Wie seine Schwester auf der Facebookseite mit der Suche nach ihm mitgeteilt hat, wurde er am 27. Dezember tot aufgefunden. „Er kann nun seine letzte Ruhe finden“, schreibt sie und bedankt sich bei allen, die ihren Suchaufruf in den sozialen Netzwerken geteilt und Anteil genommen haben.
Suchaufruf auf Facebook
Die Fundstelle des Vermissten liegt in einem Wald in der Gegend um Kirchheim/Teck. Offenbar hat eine Spaziergängerin die sterblichen Überreste des 43-Jährigen entdeckt. Das zuständige Polizeipräsidium Reutlingen bestätigt den Fund. Nach Prüfung durch die Kriminalpolizei lägen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, also eine Straftat, vor. Sven K., der in Freiberg in einer betreuten Einrichtung lebte, war am 13. Oktober zum letzten Mal gesehen worden. Seine Schwester hatte sich auf der Suche nach ihrem Bruder damals auf Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. An sein Telefon war der Vermisste seit diesem Zeitpunkt nicht mehr gegangen.
Private Suchhunde im Einsatz
Es hatten sich daraufhin auch Menschen mit Spurensuchhunden privat bei der Familie gemeldet. Die Suche nach Sven K., der an psychischen Problemen litt, blieb jedoch erfolglos. Die Spur, welche die Hunde aufnahmen, führte zurück zu der Wohneinrichtung, in der er ein Zimmer bewohnte. „Sein Zimmer sieht aus, als sei er nur eben kurz weggegangen“, hatte seine Schwester berichtet. Sogar sein Lieblingsstofftier, einen Ottifanten, hatte der Vermisste zurückgelassen. Schon damals war das kein gutes Zeichen.
Auch bei Trottwar, wo der Stuttgarter als Verkäufer und als Autor für die Straßenzeitung aktiv war, ist man sehr betroffen von der Nachricht über seinen Tod. Seit 2021 hat Sven K. dort Zeitungen verkauft. „Wir trauern um Sven“ ist auf der Instagramseite zu lesen. Auch bei Trottwar war man von seinem Verschwinden überrascht worden. Sven habe noch an einem Text gearbeitet, in dem er das Leben der Stadttauben mit dem von Wohnsitzlosen vergleichen wollte, hatte Daniel Knaus von Trottwar kurz nach dem Verschwinden berichtet. Beide würden ähnlich diskriminiert werden. Sven K. kannte die Welt derer, die am Rand der Gesellschaft stehen, aus eigenem Erleben und seinen Begegnungen offenbar gut. Er hatte geplant, in Stuttgart alternative Stadtführungen anzubieten.

Der Erinnerungsschrein in den Geschäftsräumen von Trottwar.
Foto: Daniel KnausFür Knaus, der in der Zeit vor dem Verschwinden oft mit Sven K. in den Geschäftsräumen zusammengesessen hatte, ist der Tod noch immer unbegreiflich. Er erinnert sich an das sanfte, fast jesusartige Auftreten des Verstorbenen. Der Tod im Wald hat für ihn eine „verstörende Komponente“, obwohl er gleichzeitig auch sagt: „die Sterblichkeit unserer Klientel ist hoch.“ In einem Schrank, der als Erinnerungsschrein fungiert, gedenken sie ihrer Verstorbenen. Dort wird jetzt auch das Bild von Sven K. einen Platz bekommen. „Als Würdigung seines Lebens“, wie Knaus sagt.
