Spatenstich Weissenhof.Forum
: Stuttgarter Zeitung wird Teil der berühmten Weissenhofsiedlung

Was eine Stuttgarter Zeitung mit dem Bau des Weissenhof.Forums zu tun hat. Und warum Stuttgarts Oberbürgermeister den Spatenstich beinahe verpasst hätte.
Von
Nicole Golombek
Stuttgart
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  • Entwurf (Ausschnitt) des Weissenhof.Forums (li.) und der offizielle Spatenstich für den Neubau, der 2027 fertig sein soll.

    Rendering Barkow Leibinger/ Golombek
  • In direkter Nachbarschaft zur Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart entsteht das Weissenhof.Forum.

    Golombek
  • Beim Spatenstich waren unter anderem zugegen . . .

    Golombek
  • . . . . IBA 27-Intentant Andreas Hofer, Oberbürgermeister Frank Nopper, Holger Schmidt, Vorstand der Zech Hochbau-Firma, die das Gebäude errichten wird, Eva-Maria Seng Rektorin der Kunst-Aka, Susanne Kletzin vom Verein der Freunde der Weissenhofsiedlung, Martina Bauer, Geschäftsleitung Barkow Leibinger.

    Golombek
  • In dem Haus, entworfen von Le Corbusier, ist das Weissenhofmuseum zu Hause. Bisher konnten Besucher der Siedlung vor allem dort Informationen zur Siedlung erhalten.

    Lichtgut /Leif Piechowski
  • Im Mehrfamilienhaus von Mies van der Rohe ist die Weissenhof-Werkstatt als Ausstellungsort untergebracht. Jüngst wurde dort der Entwurf fürs Weissenhof.Forum gezeigt. Das Gebäude wurde inzwischen saniert, auch innen auf den brandschutztechnisch aktuellen Stand gebracht von der SWSG, die bei der Sanierung finanziell und wissenschaftlich von der Wüstenrot Stiftung unterstützt wird.

    Brigida González
  • Im Hölzelweg in der Siedlung finden sich auch . . .

    Lichtgut/Achim Zweygarth
  • . . . Einfamilienhäuser von anderen berühmten Architekten, Hans Scharoun etwa. Und . . .

    dpa/Sebastian Gollnow
  • . . . der Niederländer Pieter Oud hatte Reihenhäuser für Familien entworfen, die jeweils nur 73(!) Quadratmeter Wohnfläche beanspruchen. Sie werden saniert in den nächsten Jahren.

    LichtgutAchim Zweygarth
  • Die drei benachbarten Reihenhäuser aus dem Entwurf des Niederländers Mart Stam werden derzeit saniert.

    LichtgutAchim Zweygarth
  • Viele der Wohnhäuser von 1927 sind während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, eine Schautafel informiert darüber. In der Nachkriegszeit wurde die Siedlung nachverdichtet, da, wo Gebäude aus der Siedlung zerstört waren, wurden neue Häuser gebaut – sie sind architektonisch vergleichsweise unspektakulär, stehen als Zeitzeugen aber auch unter Denkmalschutz.

    LichtgutAchim Zweygarth
  • Die Häuser von Le Corbusier sind nicht nur denkmalgeschützt – das ist die komplette Siedlung –, sondern auch Unesco Weltkulturerbe.

    dpa/Franziska Kraufmann
  • Das Doppelhaus kann von innen besichtigt werden, inklusive . . .

    Lichtgut/Leif Piechowski
  • . . . Aussicht auf Stuttgart.

    Lichtgut/Leif Piechowski
  • Das Einfamilienhaus links nebenan ist weiterhin bewohnt und kann nur von außen bestaunt werden.

    SWSG
  • Seit das viele Grün etwas beschnitten wurde, ist . . .

    Wüstenrot Stiftung
  • . . . ein freierer Blick auf das Gebäude Haus 13 mit seinen 120 Quadratmetern Wohnfläche von Le Corbusier und Pierre Jeanneret möglich.

    SWSG
  • 2027 zur Eröffnung der IBA ’27 soll es fertig sein: Das Weissenhof.Forum in der Weissenhofsiedlung. Die renommierte Stuttgarter Architektin Regine Leibinger gestaltet mit ihrem Geschäftspartner Frank Barkow das Begrüßungszentrum auf der Weißenhofsiedlung. Zugleich soll der Bau neben der Kunstakademie im Jahr 2027 Anlaufstelle für die Besucher der Internationalen Bauausstellung IBA ’27 sein.

    Rendering /Barkow Leibinger
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Exakt am 23. Juli 1927 wurde die Ausstellung zur vielleicht berühmtesten Wohnsiedlung der Welt in Stuttgart eröffnet. 98 Jahre später – endlich – bekommt die unter Denkmalschutz stehende Weissenhofsiedlung mit Bauten von Bauhaus-Ikonen wie Hans Scharoun und Mies van der Rohe ein Informations- und Besucherzentrum, das Weissenhof.Forum – und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper wäre beinahe nicht zum Spatenstich für den Neubau gekommen.

Maximal nachhaltiger Neubau

Nicht aus Desinteresse wäre er ferngeblieben, sondern „wegen Befangenheit“, wie er so lautstark verriet am Mittwochmorgen, dass es sicher auch alle Studierenden der benachbarten Kunstakademie und die Bewohner der Siedlung hören konnten. In die frischgebauten Architekten-Häuser, die damals zur Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“ damals einer staunenden Besucherschar aus aller Welt präsentiert wurden, seien Küchen aus dem Hause Zahn & Nopper eingebaut worden, sagt der Oberbürgermeister, also die Firma seines Großvaters.

An der Stelle soll das Weissenhof.Forum entstehen, in Nachbarschaft zur Siedlung und zur Kunstakademie.

Foto: Golombek

An den geplanten Einbauten zum „Iba 27“-Projekt Weissenhof.Forum ist der Politiker offenbar nicht beteiligt, so konnte er diesen für die Stadt (die sich am Bau mit rund 20 Millionen Euro beteiligt) und für die Stuttgarter Baukultur eminent wichtigen Termin wahrnehmen. Denn zu den Bauten der Architektur-Avantgarde des 20. Jahrhunderts gesellt sich nun ein Gebäude, das die Frage nach „Wie bauen heute?“ mit der Ansage „maximal nachhaltig“ (mit Holz, ungebranntem Lehm, recyceltem Beton für die Bodenplatte und fast CO2-neutralem Betrieb dank PV-Fassaden, Eisspeicher, Wärmepumpe unter anderem) beantwortet.

Der gestalterisch überzeugende Entwurf vom Architekturbüro Barkow Leibinger soll pünktlich bis zum Beginn der Internationalen Bauausstellung „IBA 27“ fertig werden, diesbezüglich äußerten sich alle Sprechenden positiv – vom „IBA 27“-Intendanten Andreas Hofer bis zur Architektin Martina Bauer, Geschäftsleitung Barkow Leibinger.

Suse Kletzin, Vorsitzende des Vereins Freunden der Weissenhofsiedlung, die bisher im Museum im Haus Le Corbusier die Vermittlungsarbeit organisiert, sagte: „Mit dem ersten Spatenstich beginnt für die Freunde der Weissenhofsiedlung ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte. Viele Ehren- und Hauptamtliche haben daran mitgeschrieben. Wir freuen uns auf eine aufregende neue Zeit beim Vermitteln der Weissenhof-Geschichte und wünschen der Stadt Stuttgart als Bauherrin, den Planern von Barkow Leibinger und dem Bauteam von Zech Hochbau das Beste für die Bauzeit.“

So lange wie die Siedlung sollte das Informationsgebäude, das Ende 2026 fertig gebaut sein soll, dann mindestens stehen. Denn je langlebiger ein Gebäude ist, desto nachhaltiger ist es auch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zeitkapsel, die als Gruß an die Nachwelt bei der Grundsteinlegung eingegraben wird – und unter anderem eine Ausgabe unserer Tageszeitung vom 23. Juli 2025 enthält – jemals wieder ans Tageslicht kommt, dürfte äußerst gering sein.

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