Spendenaktion
: Die Spende für den Brennofen macht viele überglücklich

Sozial benachteiligte und psychisch kranke Menschen finden bei den kostenlosen Amos- Kreativangeboten zu sich selbst. Hilfe für den Nachbarn hat einen neuen Brennofen finanziert.
Von
Sybille Neth
Stuttgart
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Es herrscht konzentrierte, geschäftige Stille in dem kleinen Raum, in dem Schälchen, Kerzenleuchter, kleine Skulpturen und Reliefs aus Ton entstehen. Endlich können die kleinen Gebrauchsgegenstände und kunstvollen Objekte wieder gebrannt werden. Dank einer Spende von Hilfe für den Nachbarn, der Benefizaktion dieser Zeitung, konnte für die Kreativwerkstatt Amos ein neuer Brennofen gekauft werden. Der Alte war irreparabel kaputt und für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die zur Keramikwerkstatt immer mittwochs und freitags kommen, war das frustrierend. „Wir konnten nichts mehr fertig machen. Ein halbes Jahr waren wir ohne Ofen. Der hat uns sehr gefehlt“, sagt Karl.

Amos hilft gegen Einsamkeit

Wie alle anderen, die hier werkeln, will er nur seinen Vornamen nennen, denn Amos ist eine besondere Werkstatt mit besonderen Akteuren. Sie ist eine Gemeinschaftsinitiative der Kirchengemeinden St. Maria, St. Fidelis und des Stuttgarter Caritasverbandes. Wer hierher kommt, lebt nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft. Die Leiterin der Begegnungsstätte West im Gemeindezentrum der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde, Heidrun Bauer-Weiss, nennt sie „Menschen mit unterschiedlichen Lebensrucksäcken.“

So wie Karl, der in der Gastronomie gearbeitet hat und im Ruhestand in ein tiefes Loch von Einsamkeit und Langeweile gefallen ist. Oder wie Tuhama, die ihre Heimat Syrien wegen des Krieges verlassen hat. In Damaskus hatte sie Kunst studiert, deshalb ist sie neben der Tonwerkstatt vor allem in der Kreativwerkstatt in der Olgastraße aktiv. Dort wird vorwiegend gemalt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit Putzen. Stefan ist seit vielen Jahren manisch-depressiv und wurde von seinem betreuenden Sozialarbeiter hierher geschickt.

Kreativität ist überlebensnotwendig

Sabine ist seit der Gründung der Kreativ- und der Tonwerkstatt vor 22 Jahren dabei. Von ihr stammt sogar die Illustration des Einbandes der Jubiläumsschrift zu 20 Jahren Amos. „Das Gesamtpaket hier ist für mich extrem wichtig, fast schon überlebensnotwendig“, sagt sie. Sie ist verwitwet und hat Probleme mit dem älter werden. Hier, sagt sie, „finde ich eine sinnvolle Beschäftigung“. Und wenn jemand das schön findet, was sie mit ihren Händen gefertigt hat, ist das Balsam für ihr Seelenleben. An jedem Werktag steigt sie in ihrem Wohnort 25 Kilometer außerhalb von Stuttgart in den ersten Bus und fährt in die Landeshauptstadt, um dort an den Kreativangeboten und vergünstigten Kulturveranstaltungen teilzunehmen. Und weil sie nicht in Stuttgart wohnt, besitzt sie keine Bonuscard und muss alles von ihrer schmalen Rente bezahlen. Das findet sie ungerecht.

Wie die anderen aus der Runde schätzt sie auch die anderen Möglichkeiten, die sie in der Begegnungsstätte hat. Es gibt einen Mittagstisch. Dort kommt sie mit anderen Menschen ins Gespräch. Karl schätzt besonders den Spielnachmittag dienstags, Tuhama fertigt in der Holzwerkstatt die Rahmen für ihre großformatigen Acrylbilder und für Stefan sind die Gottesdienste besonders wichtig.

Die gute Seele in den Werkstätten

Die gute Seele in der Tonwerkstatt und in der Kreativwerkstatt in der Olgastraße ist Andrzej Estko. Seit 22 Jahren ist er vier Tage in der Woche in den Werkstätten, leitet an, gibt künstlerische Tipps, besorgt Mal- und Bastelutensilien, hat immer ein offenes Ohr und räumt auch danach noch auf. Für sein Engagement wurde er 2018 mit dem Ehrenamtspreis „Stuttgarter des Jahres“ ausgezeichnet. Auch er ist überglücklich über den neuen Brennofen, der dank der Spendenbereitschaft der Leserinnen und Leser dieser Zeitung finanziert werden konnte. Jetzt können endlich alle Gegenstände gebrannt und glasiert werden. Die Regalbretter in der angrenzenden Holzwerkstatt sind gut gefüllt mit Schalen, Tellern, Büsten, Objekten und Kleinplastiken, die alle in den ofenlosen Monaten angefertigt wurden und jetzt darauf warten, in den neuen Ofen zu wandern.

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