Staatliche Modeschule: Mode ist immer dabei – in allen Lebensphasen
Mode für alle Lebenslagen und in allen Phasen des Lebens. Das ist das Motto der diesjährigen Show der Absolventinnen der Staatlichen Modeschule Stuttgart in der Galerie Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus. Echo Sanctum haben die zehn Schülerinnen die drei Kapitel überschrieben. Unschuldiges, kindliches Weiß in teilweiser barocker Opulenz, danach das Business-Leben, gehetzt und in edles Tuch gewandet. Aber es wäre nicht die Staatliche Modeschule, wenn es da um klassische Blazer und Bundfaltenhosen ginge. Überraschungen und Verfremdungen lieben die Absolventinnen – so ist ein einseitig schulterfreier Trenchcoat oder ein Mantel mit Ärmeln, die an Treppenstufen erinnern, auf dem Laufsteg zu sehen. Beispiele dafür, wie viel handwerkliches Können neben kreativen Ideen in dieser Show steckt. Im dritten Teil, der die Selbstzweifel und die Vergänglichkeit symbolisiert, wird wild mit Materialien experimentiert: Latex, Kunstharz, Pailletten, ausgefranste Säume – und Fechtmasken vor den Gesichtern der Models.
Neue Berufsfelder in der Branche
Ausbildung und Berufsfelder haben sich in den vergangenen Jahren in der Modebranche stark verändert, betont Fachlehrerin Friederike Burgstahler. „Es sind ganz neue Berufe entstanden“. So werden beispielsweise Prototypen von großen Firmen den Einkäufern virtuell präsentiert. Damit wird das Geld für ein aufwendiges Shooting mit Models und real geschneiderten Kleidungsstücken gespart und es schont Ressourcen, denn Änderungen können am virtuellen Entwurf vorgenommen werden. Produziert wird erst, wenn alles stimmt.
Die Damenschneiderin Tamara Kather gehört zu den diesjährigen Absolventinnen und zog wegen solcher neuen Perspektiven in der Branche von Frankfurt am Main nach Stuttgart. Sie reizt die Produktentwicklung und das Design für große Modehersteller mittels Software. „Die Basis ist zwar das Handwerk, aber ich wollte weitergehen in den organisatorischen und kaufmännischen Bereich“, begründet sie die Wahl der Stuttgarter Schule, in der auch Betriebswirtschaft auf dem Lehrplan steht. Auch die Ausrichtung der Show haben die Schülerinnen mit tatkräftiger Unterstützung von Friederike Burgstahler und Lehrer Robert Herzog weitgehend selbst in der Hand genommen. So haben die Absolventinnen Michelle Högerle und Ann-Sophie Piehler die Moderation übernommen.
Spagat zwischen Preis und Wertigkeit
„Mode wird uns immer begleiten“, sagt die 25-jährige Tamara Kather. Aber in unsicheren Zeiten wie diesen wird aus finanziellen Gründen oft zu Fast Fashion gegriffen. Ein Bereich, der mittlerweile zu den größten Umweltverschmutzern gehört: Das beginnt bei der Produktion und reicht bis zum gigantischen Müllberg, der durch kaum oder gar nicht getragene Kleidung weltweit entsteht. H&M wechselt alle zwei Wochen die Kollektion. Die jungen Modedesigner und Designerinnen stehen aktuell vor der schwierigen Aufgabe, wertige Kleidung zum bezahlbaren Preis zu entwerfen und herzustellen. „Maßgeschneiderte Mode ist superteuer und die Leute sind nicht mehr bereit, so viel zu bezahlen, weil sie die wochenlange Arbeit und die Kosten für das Material, die in einem Stück stecken, nicht sehen“, erzählt Tamara Kather. „Ich kann da für unsere ganze Abschlussklasse sagen, dass für uns die Wertigkeit der Kleidungsstücke sehr wichtig ist“, betont sie.
Viele Bewerbungen für die Ausbildung
Die breit gefächerte zweijährige Ausbildung an der Staatlichen Modeschule mit Inforeisen in die großen Metropolen der Haute Couture ist attraktiv und so kamen für das kommende Schuljahr auf die vorhandenen 20 Plätze genau doppelt so viele Bewerbungen. Dabei sind die Aufnahmekriterien hoch: Voraussetzung sind entweder eine abgeschlossene Schneiderlehre oder ein Abschluss am Berufskolleg für Modedesign. Mittlerweile sind auch die Männer in der Schule stärker vertreten.











