Stadtentwicklung in Stuttgart
: Treffpunkte für alle: Warum Dritte Orte für Stuttgart wichtig sind

Sie fördern Austausch und beugen Einsamkeit vor: Orte, an denen man sein darf, ohne Geld ausgeben zu müssen. Eine Tagung beleuchtet, wie sie die Stadt verändern können.
Von
Lisa Kutteruf
Stuttgart

Die Stuttgarter Vesperkirche ist bereits ein Begegnungsraum.

Lichtgut/Ferdinando Iannone

Der Ende Februar gegründete Stuttgarter Verein Dritter Raum hat das Ziel, Treffpunkte in Stuttgart zu schaffen, an denen Menschen niederschwellig zusammenkommen können, ohne dabei Geld ausgeben zu müssen. Zu einem solchen Ort will der aus zivilgesellschaftlichem Engagement entstandene Verein das Züblin-Parkhaus in der Innenstadt machen, für die Umgestaltung sammelt er derzeit Geld. Doch warum braucht es solche Treffpunkte überhaupt? Und wie lassen sie sich in der Stadt schaffen?

Um solche Fragen dreht sich ein öffentlicher Studientag des Vereins in der Leonhardskirche. „Unsere Gesellschaft steht unter Druck: Polarisierung, Vereinzelung, Angst und neue Formen von Gewalt prägen den öffentlichen Diskurs ebenso wie den Alltag vieler Menschen“, teilt der Verein Dritter Raum mit. Es gebe die Sehnsucht nach Orten, an denen Begegnung, Vertrauen und gemeinsames Nachdenken und Zusammenleben wieder möglich werden. Genau solche Orte seien Dritte Räume. Das ganztägige Symposium am 18. Juni wirft unter anderem ein Schlaglicht darauf, wie teilöffentliche Räume in Amsterdam, Berlin und Detroit funktionieren.

Stuttgarter Orte fürs zwanglose Zusammenkommen

Der Vereinsname Dritter Raum bezieht sich auf den Begriff der Dritten Orte, der aus der Soziologie stammt und Orte abseits des eigenen Zuhauses (Erster Ort) und der Arbeitsstelle (Zweiter Ort) bezeichnet, an denen Menschen zwanglos zusammenkommen und sich aufhalten können, ohne konsumieren zu müssen. Marktplätze können solche Orte sein, Bibliotheken, Quartierszentren – und vielleicht eines Tages auch das Areal, auf dem heute das Züblin-Parkhaus steht.

Beim Studientag am 18. Juni wird Oliver Ibert, Direktor am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, darüber sprechen, wie sich klassische Kategorien von Wohnort und Arbeitsplatz durch digitale Öffentlichkeit, hybride Nutzungen und privatwirtschaftliche Angebote verändern. Demnach sind heute viele Räume wie Coworking-Spaces weder eindeutig öffentlich noch privat, sondern teilöffentliche, organisierte Öffentlichkeiten.

Zudem werden Akteure aus Stadtentwicklung, Architektur und Sozialarbeit, darunter der IBA'27-Intendant Andreas Hofer, unter Moderation von Andreas Krüger von der Belius Stiftung bei einer Podiumsdiskussion über das Thema sprechen. Für den Nachmittag sind acht Workshops an verschiedenen Orten im Quartier geplant. Dabei steht auch der Besuch bereits existierender Dritter Orte wie der Vesperkirche auf dem Programm.

Das Symposium in der Leonhardskirche beginnt um 10 Uhr und endet um 17 Uhr. Das komplette Programm ist online einsehbar unter: dritterraum.org/veranstaltungen/symposium. Die Veranstaltung ist offen für alle, die Teilnahme kostenfrei.

Veranstaltet wird der Studientag vom Verein Dritter Raum Stuttgart und dem ökumenischen Arbeitskreis Leonhardsvorstadt in Kooperation mit der IBA'27-Stadtregion Stuttgart und gefördert von der Lechler-Stiftung. Um Anmeldung per Mail an info@dritterraum.org wird gebeten.

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