Großes Diddl-Tausch-Event in Stuttgart: Hier wird die Kult-Maus getauscht wie früher auf dem Schulhof

Jasmin Einhauser (29) veranstaltet Tausch-Events für Diddl-Produkte in Stuttgart
Imago, Sandra BelschnerWer in den frühen 2000ern zur Schule gegangen ist, kennt sie: die Diddl-Blätter. Am besten mit Glitzer, möglichst selten und natürlich in einem ordentlichen Sammelordner aufbewahrt. Auf dem Schulhof wurde getauscht, verhandelt und manchmal vermutlich auch ein bisschen geschummelt. Seit dem 20. Juli gibt es die Kultmaus wieder zu kaufen. Und offenbar ist die Begeisterung dafür längst nicht nur eine Sache von Kindern. Eine ganze Generation entdeckt gerade ihre alte Liebe wieder.
Eine, die den Hype schon früh kommen sah, ist Jasmin Einhauser. Die 29-Jährige organisierte bereits vor einem Jahr ein erstes Diddl-Tauschevent in Stuttgart. Eigentlich wollte sie sich als frischgebackene Mutter erst einmal auf ihre Tochter konzentrieren. Ein weiteres Treffen sollte deshalb noch warten. Doch dann kamen immer mehr Anfragen. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Events boten ihre Hilfe an. „Okay, dann mach ich das nochmal“, dachte sich Einhauser. Diesmal soll es sogar noch größer werden. Knapp 40 Menschen haben sich bereits angekündigt.
Eine alte Liebe, die jeden Umzug mitgemacht hat
Ihre eigene Diddl-Geschichte beginnt ungefähr 2005. Damals kommen zu den Sammelblättern langsam auch Freundebücher und andere Produkte dazu. Irgendwann kommt die Pubertät und mit ihr eine lange Phase, in der Diddl keine große Rolle mehr spielt. Die Sammlung bleibt trotzdem. Sie zieht bei jedem Umzug mit. Vor drei oder vier Jahren entdeckt Einhauser die alten Sachen im Keller wieder. Verkaufen könnte sie das Ganze ja eigentlich, denkt sie zunächst. Bei Kleinanzeigen stößt sie dann auf Menschen, die noch immer bestimmte Produkte suchen und sammeln.
„Da wurde mir bewusst, dass es immer noch eine sehr große Community gibt“, erzählt sie. Über Facebook, Instagram und WhatsApp findet sie Anschluss. In einer ihrer Gruppen sind inzwischen rund 150 Menschen, am Anfang waren es gerade einmal 50. Die meisten sind Ende 20 oder Anfang 30, grundsätzlich ist die Altersgruppe aber bunt gemischt. Aus den digitalen Bekanntschaften sind längst auch Freundschaften geworden.
Irgendwann kommt die Frage auf, warum man sich eigentlich immer nur online austauscht. Einhauser beschließt, ein Treffen zu organisieren. Beim ersten Event reisen Menschen aus Ulm und dem Saarland an, eine Teilnehmerin kommt sogar aus der Schweiz. Dass die Begeisterung auch im Alltag verbindet, erlebt sie kürzlich beim Kinderarzt. Sie hat eine Diddl-Kuscheldecke dabei, eine Arzthelferin ist begeistert. Einhauser gibt ihr kurzerhand ihre Nummer und lädt sie zum nächsten Treffen ein. „Diese Begegnungen mag ich einfach total gerne“, sagt sie.
Das Miteinander soll beim Event im Mittelpunkt stehen
Bei all der Sammelleidenschaft geht es Einhauser allerdings um etwas anderes als möglichst volle Ordner. Rund um das Diddl-Comeback wird inzwischen auch über hohe Preise und Menschen diskutiert, die begehrte Produkte in großen Mengen kaufen, um sie anschließend weiterzuverkaufen. Genau das möchte sie mit ihrem Event nicht in den Mittelpunkt stellen.
„Als Kind hat man nicht darauf geachtet, wer wenig oder wer viel hat, sondern hat einfach getauscht“, sagt sie. Man kam miteinander ins Gespräch, lernte neue Menschen kennen und freute sich über ein neues Blatt im Ordner. Den eigentlichen Wert musste niemand ausrechnen. Dieses Gefühl möchte Einhauser zurückholen. „Mir ist die Gemeinschaft am wichtigsten“, sagt sie.
Vielleicht erklärt genau das auch, warum Diddl gerade wieder so viele Menschen begeistert. Einhauser glaubt, dass die bunten Figuren und Geschichten etwas mitbringen, das im Alltag manchmal fehlt: Leichtigkeit. Alles sei bunt, lustig und gefühlvoll und mache einfach fröhlich. Vielleicht sehnten sich die Menschen gerade in einer eher tristen Zeit nach etwas Schönem, in das sie kurz eintauchen können. Auch in unserer Umgebung sei schließlich einiges an Farbe verloren gegangen. Rosa Autos, bunte Häuser und auffällige Kleidung sehe man heute seltener. Diddl bringt ein bisschen davon zurück.
Ein bisschen Schulhofgefühl für Erwachsene
Beim ersten Event gab es neben den Tauschtischen auch eine Bastel- und Freundebuch-Ecke. Diddl-Stifte, Sticker und Klebeband lagen bereit. Die kam so gut an, dass Einhauser sie unbedingt wieder anbieten möchte. Auch gemeinsam Pizza zu bestellen gehörte beim letzten Mal dazu. Ein bisschen Klassenausflug, nur ohne Unterricht danach.

Das Diddl-Treffen findet am 14. November im Stadtteilhaus im Heusteigviertel statt.
privatIhre eigene Sammlung hat sie inzwischen verkleinert. In der neuen Wohnung musste Platz geschaffen werden. Statt eines ganzen Schranks ist noch ungefähr ein Umzugskarton übrig. Ihre Postkarten möchte sie aber behalten. Besonders die Sprüche darauf gefallen ihr. Auch die Blockblätter gehören zu ihren Lieblingen. Selbst im Urlaub lässt sie sich von der Sammelleidenschaft anstecken: Gemeinsam mit einer Freundin verband sie kürzlich eine Reise nach Frankreich mit einem kleinen Diddl-Shoppingtrip. Notizblöcke und Stifte durften mit nach Hause. Am schönsten findet sie es ohnehin, wenn solche Dinge nicht nur im Ordner verschwinden, sondern auch benutzt werden.
Dass sie als Erwachsene einmal selbst Diddl-Treffen organisieren würde, hätte ihr zehnjähriges Ich vermutlich ziemlich gut gefunden. Für Einhauser ist das Ganze inzwischen auch eine Herzensangelegenheit. Sie arbeitet im sozialen Bereich und musste sich für die Organisation erst einmal in den kreativen Teil einarbeiten. Die Planung habe durchaus Zeit gekostet. Doch sie möchte ihrer Tochter auch etwas vorleben: dass man Dinge tun darf, die einem Freude machen. „Das, was dir Spaß macht, das sollst du auch machen“, lautet ihre Botschaft.
Und vielleicht ist das ohnehin die schönste Erkenntnis dieses Diddl-Comebacks: Man muss nicht irgendwann zu alt für die Dinge werden, die einen einmal glücklich gemacht haben. Manchmal reicht ein Glitzerblatt, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

