Jugendwort 2026: „Digga“, „Crashout“, „Ragebait“: Warum wir uns nicht auf unsere Sprache reduzieren lassen

Ein paar Trendwörter machen noch keine Generation: Jugendsprache ist vielfältiger, als es die jährliche Debatte vermuten lässt, meint unsere Autorin.
privat„Digga“, „Crashout“ oder „Du bist gut genug“: Susanne Daubner hat uns mal wieder die Kultwörter des Jahres serviert. Und jedes Mal klingt es danach ein bisschen so, als würde die Gen Z nur noch in Anglizismen, Memes und Slang kommunizieren. Aber mal ehrlich: So einfach ist es nicht. Ein paar Trendwörter sagen ziemlich wenig darüber aus, wie junge Menschen wirklich sprechen.
Wenn es um die Trends meiner Generation geht, bin ich meistens eher „late to the party“. Nur weil ich jung bin, kenne ich schließlich nicht automatisch jedes Jugendwort. Neulich meinte meine Mitbewohnerin zu mir „Ich checke“ – und ich war erst mal kurz raus. Dass solche Begriffe gerade im Umlauf sind, geht an mir oft vorbei – vor allem, weil ich fast keine Zeit auf Social Media verbringe. Wie genau geht das eigentlich noch mal mit dem Coolsein? Gibt’s dafür nicht irgendwo ein Tutorial?
Ich kannte den Unterschied zwischen „literally“ und „legit“ nicht
Auch den Unterschied zwischen „literally“ und „legit“ mussten mir Freundinnen erst erklären. Trotzdem habe ich in meinem Stuttgarter Freund:innenkreis nicht das Gefühl, dass unsere Sprache dadurch an Niveau verliert. Das ist ja eine gängige Kritik an der Jugendsprache. Eher im Gegenteil: Ein Teil der Gen Z mag zwar Anglizismen, aber eben auch ziemlich hochgestochene Formulierungen.
Klar, Sprache ist auch ein Mittel zur Abgrenzung. Wer bestimmte Begriffe benutzt, zeigt oft: Ich gehöre dazu. Aber dieses Dazugehören hat längst nicht mehr nur mit Alter zu tun. Wer ein Handy und Internet hat, landet ziemlich schnell im Sprachkosmos der Trends. Auch 80-Jährige könnten theoretisch „slay“ oder „cringe“ sagen. Es geht also oft weniger um klassische Jugendsprache als um die Sprache des Internets.
Viele junge Menschen benutzen gar keine Jugendwörter
Dass die Jugend angeblich nur noch in Slang spricht, ist deshalb vor allem ein Bild, das gern größer gemacht wird, als es ist. Zum Beispiel hat die Sprachwissenschaftlerin Diana Walther in ihrer Forschung zu Jugendwörtern gezeigt, dass viele junge Menschen die meisten dieser Wörter selbst gar nicht benutzen.
Und Sprache ist sowieso nie nur Trend. Sie ist auch Rebellion. Sie kann Missstände benennen, Zugehörigkeit markieren und politische Kritik ausdrücken. Dass das Wort „Mehrzweckeier“ vom Verlag gestrichen wurde, weil es eine offensichtliche Kritik an Friedrich Merz darstellt, finde ich deshalb ziemlich „cringe“. Offenbar war das dann doch zu viel Protest.
Sprache schafft Identität, Gruppenzugehörigkeit und politische Statements
Bei Sprache geht es eben um mehr als um ein paar lustige Wörter. Es geht um Identität, Gruppenzugehörigkeit und manchmal auch um politische Statements. Alle jungen Menschen in einen Topf zu werfen, nur weil sie jung sind, ist deshalb einfach zu kurz gedacht. Auch innerhalb der Gen Z gibt es unterschiedliche Gruppen, Szenen und Arten zu sprechen.
Jugendwörter sind ein lustiges Phänomen. Wirklich ernst nehmen sie aber meistens nicht einmal die jungen Menschen selbst. Die Gen Z lässt sich nicht auf ihre Sprache reduzieren. Dafür ist sie zu vielfältig.
Das sind die zehn Nominierungen für das Jugendwort 2026:
- „Crashout“
- „67“
- „Digga“
- „Du bist gut genug“
- „Guter Käse“
- „Ragebait“
- „Macker“
- „Schere“
- „Peak“
- „Süper“
Am 10. Oktober soll auf der Frankfurter Buchmesse das Jugendwort 2026 verkündet werden.