Outdoor-Hype auf Social Media
: Natur darf nicht zum Statussymbol werden

Wandern, aber bitte in Salomon-Schuhen? Auf Social Media wird Natur längst nicht mehr nur erlebt, sondern inszeniert. Outdoor-Sport wird zum Statussymbol und schließt damit Menschen aus, findet unsere Autorin.
Kommentar von
Emily Rehmet
Stuttgart
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Beim Wandern geht es für unsere Autorin um etwas anderes als um das perfekte Outfit. Sie findet das Bild auf Social Media verzerrt.

Imago/imagebroker

Ich bin gerne in der Natur. Beim Spazierengehen, Journalen oder Joggen kommen meine Gedanken am besten zur Ruhe. Dafür brauche ich weder teure Funktionskleidung noch bestimmte Schuhe. In sozialen Medien sieht das allerdings anders aus. Dort wird Natur längst nicht mehr nur erlebt, sondern auch inszeniert.

Mit dem „Gorpcore“-Trend ist Wanderkleidung zum Lifestyle geworden. Wer als progressiv gelten will, trägt Salomon XT-6-Schuhe für 180 Euro oder eine Arc’teryx Beta LT Jacke für 400 Euro. Preise, die sprachlos machen. Mit Naturverbundenheit hat das nur noch wenig zu tun. Es geht um Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und Status. Der Outdoor-Hype ist damit auch eine Klassenfrage. Wer im Gorpcore-Stil unterwegs sein will, braucht finanzielle Ressourcen. Das alles ist ziemlich pricey, und nicht jede Person kann sich diese Mode einfach leisten.

Logos senden klare Botschaft: Ich darf dazugehören

Ich erinnere mich noch gut an einen Abend auf einem Konzert. Meine beste Freundin trug diese coole The North Face Jacke, die ich selbst schon lange haben wollte. Was danach blieb, war Scham. Ich trug die billige Aldi-Jacke meiner Mutter.

Wie viel ist dein Outfit wert? Genau darum scheint es oft zu gehen, mehr als um den Sport selbst. Der Algorithmus belohnt, was exklusiv ist. Likes bekommen Bilder, die ästhetisch aussehen und sich mit bekannten Markennamen schmücken. Die Logos senden eine klare Botschaft: Ich habe genug Geld, um dazuzugehören. Wer sich das nicht leisten kann, bleibt außen vor.

Touching grass? Dafür braucht es in der Gen Z offenbar nicht nur Lust auf Natur, sondern auch die passenden Privilegien. Mich frustriert, dass selbst Zeit im Grünen kommerzialisiert wird. Es entsteht der Eindruck, als brauche man ein bestimmtes Outfit, um dazuzugehören, als ließe sich das Wanderwochenende mit Friends nur dann planen, wenn die passende Patagonia-Jacke im Schrank hängt.

Freizeitbeschäftigung ist keine Selbstinszenierung

Dass Offline-Hobbys in sozialen Medien beliebter werden, finde ich grundsätzlich gut. Radfahren, Lesen, Stricken oder Wandern, die Gen Z sehnt sich nach mehr Zeit ohne Display. Zu viel Screentime stresst. Wer ständig online ist, verpasst das Hier und Jetzt.

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Umso bedauerlicher ist es, dass inzwischen selbst Freizeitbeschäftigungen zur digitalen Selbstinszenierung werden. Wer heute wandert, postet unter dem passenden Hashtag und trägt die passende, überteuerte Wanderausrüstung. Dabei sollte es wieder mehr um die Tätigkeit selbst gehen als um die Kleidung, die wir dabei tragen. Zeit im Grünen sollte kein Statussymbol sein, sondern das bleiben, was sie immer war: kostenlos.