Selbstständigkeit in der Gen Z
: Wie ist es wirklich seine eigene Chefin zu sein?

Jedes Jahr im Sommer macht unsere Autorin den Realitäts-Check und fragt sich: Lohnt sich die Selbstständigkeit noch? Das ist ihre Bilanz.
Von
Julia Mähl
Stuttgart
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Unsere freie Autorin Julia Mähl berichtet ehrlich über ihre Selbstständigkeit.

Unsere freie Autorin Julia Mähl berichtet ehrlich über ihre Selbstständigkeit.

privat
  • Bilanz einer Freiberuflerin: jährlicher Reality-Check zur eigenen Selbstständigkeit.
  • Start in die Selbstständigkeit mit Unsicherheiten zu Steuern, Versicherung und Vorgaben.
  • Jährliche Auswertung: Einnahmen pro Monat, lohnende Aufträge und Freude an Projekten.
  • Aktuell läuft es stabil – weniger Existenzangst, Routinen sitzen, neue Tätigkeiten kamen hinzu.
  • Entscheidung steht: weiter freiberuflich arbeiten, Rückblick folgt jeweils im nächsten Juni.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist mittlerweile genau drei Jahre her, dass ich die Sicherheit und den Komfort des Angestellt-Seins hinter mir gelassen habe, um in die mir bis dahin unbekannte Welt der Selbstständigkeit abzutauchen. Am 1. Juni 2023 also habe ich mich offiziell bei meiner Krankenkasse umgemeldet, die Künstlersozialkasse angerufen, mein LinkedIn-Profil umgestellt und was man eben sonst noch so macht, wenn’s richtig losgeht.

Klar, hatte ich vorher auch schon den ein oder anderen Auftraggeber – ich war ja schließlich einigermaßen vorbereitet – aber es dann offiziell zu machen, war trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser für mich. Ich hatte damals noch keine Ahnung, wie das läuft mit den Steuern, der Versicherung, den Vorgaben. Dazu kam die dauernde Angst vor der Scheinselbstständigkeit, die unterschwellig ab der Sekunde verbreitet wird, in der man sich freiberuflich macht. Kurzum: Es gab einige Dinge, die ich im Juni vor drei Jahren noch überhaupt nicht einschätzen konnte.

Rechnungs- und Spaßübersicht der Selbstständigkeit

Genau deswegen habe ich mir damals aber auch vorgenommen, nicht einfach blind draufloszulaufen, und mir stattdessen eine jährliche Deadline gesetzt: Jedes Jahr im Juni halte ich seitdem einmal inne und blicke auf das letzte und ein bisschen auch auf alle bisherigen Jahre zurück. Dann frage ich mich: Wie ist das letzte Jahr gelaufen? Was waren die besten und was die schlechtesten Monate? Wofür kam am meisten Geld rein? Was hat sich überhaupt nicht gelohnt? Wo sollte ich mich mehr reinfuchsen und was sollte ich in Zukunft lieber bleiben lassen?

Unsere freie Autorin Julia Mähl genießt es, dass sie von überall aus arbeiten kann.

Unsere freie Autorin Julia Mähl genießt es, dass sie von überall aus arbeiten kann.

privat

Was mir bei meiner Bilanz hilft, ist natürlich meine Rechnungsübersicht, in der ich genau aufschlüssele, was ich in den einzelnen Monaten konkret verdient habe. Aber sind wir mal ehrlich, es geht ja auch nicht nur ums Geld. Sonst – und das habe ich bestimmt schon mal klargemacht – wäre ich ganz sicher keine Journalistin geworden. Nein, ich schaue mir auch an, welche Aufträge mir den größten Spaß gemacht haben, mit welchen Auftraggebern ich die beste Zusammenarbeit hatte und auf welche Artikel und Arbeiten ich besonders stolz bin.

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Außerdem – und das gebe ich offen zu – dient dieser Rückblick auch dazu, herauszufinden, ob ich überhaupt weiter freiberuflich arbeiten möchte. Schließlich zwingt mich niemand, das hier durchzuziehen. Und ganz ehrlich: Eine kleine, regelmäßige Bilanz schadet nirgends. Nicht beim Arbeiten, aber auch nicht in Beziehungen, Freundschaften oder am Wohnort. Einfach mal innehalten und sich fragen: „Bin ich gerade glücklich – und war ich auch das letzte Jahr über glücklich damit?“ ist meiner Meinung nach Gold wert und hält einen nicht an Orten, Jobs oder Menschen fest, die einem vielleicht schon länger nicht mehr gut tun.

Selbstständigkeit war noch nie so leicht

So weit, so gut, aber nun zurück zum eigentlichen Thema: Jetzt habe ich so viel von meinem „Wie mache ich das“ erzählt, aber noch nichts vom Ergebnis. Tatsächlich ist es mir in meiner Laufbahn als freiberufliche Journalistin noch nie so leicht gefallen, mich für die Selbstständigkeit zu entscheiden. Denn zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass vieles sich eingespielt hat.

Langsam habe ich bei vielen einstigen Fragezeichen den Dreh raus und auch wenn dann und wann ein Auftraggeber ausfällt, muss ich generell nicht (mehr) in Existenzangst leben. Das sah im Juni 2025 noch ganz anders aus, als nach und nach Redaktionen die Zusammenarbeit mit freien Mitarbeiter:innen einstellten. Aber das ist eine Geschichte für eine andere Kolumne. Doch gerade weil jedes Jahr neue Aufgabengebiete dazukommen, ich jetzt neben dem Journalismus zum Beispiel auch an einer Biografie schreibe und Traureden für Hochzeitspaare halte, kommt es mir gar nicht in den Sinn, damit aufzuhören.

Und so bleibt mir zum Schluss nicht viel mehr zu sagen als: Für 2026 ist die Entscheidung getroffen. Weiter geht’s im nächsten Juni!