Trends in der Gen Z
: Cool sein? Schaffe ich zeitlich nicht

Birkenstocks, Digicam, Cowboy-Boots: Wer heute dazugehören will, muss jeden Mikrotrend kennen. Für viele in der Gen Z ist das vor allem eins: anstrengend, meint unsere Autorin.
Kommentar von
Emily Rehmet
Stuttgart
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Emily Rehmet, unsere freie Autorin, machen die vielen Trends vor allem müde.

Ein Paar Birkenstocks, sehr viele Gedanken: Unsere freie Autorin Emily Rehmet (24) schreibt über Trends, Druck und Zugehörigkeit.

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Schon lange überlege ich, mir Birkenstocks zu kaufen. Am liebsten das pastellfarbenen Eva-Modell aus Kunststoff. Nicht, weil ich dringend bequeme Schuhe brauche. Sondern weil Birkenstocks längst mehr sind als bloß Treter für den Sommer. Sie sind ein Statement. Ein Code. Ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass man ästhetisch irgendwo zwischen alternativ, minimalistisch und „ich sehe zufällig gut angezogen aus“ unterwegs ist.

Vor allem Modelle wie „Boston“ oder „Arizona“ sind gerade auch in Stuttgart überall. Auf dem Marienplatz, im Café, in der Uni. Wer keine Birkenstocks trägt, hat wahrscheinlich Salomons oder Balerinas an, die ich erst bemerke, wenn sie schon wieder fast out sind.

„Ich habe kein Instagram und kein Tiktok und bekomme deshalb viele Trends nicht mit“

Vielleicht ist genau das mein Problem: Ich komme bei Trends nicht mehr mit. Ich nutze kein Instagram, bin viel offline und man erreicht mich eher per Brieftaube als übers Handy. Was gerade angesagt ist, erfahre ich höchstens auf der Straße oder von Freund:innen. Und selbst dann habe ich oft das Gefühl, schon wieder hinterherzuhängen.

Meine zehnjährige Schwester ist mir da weit voraus. Sie nutzt TikTok, Snapchat und Instagram und erklärt mir mit einer Selbstverständlichkeit die Welt, die mich trotz meines Anfang-20er-Daseins uralt fühlen lässt. Sie verfolgt Creatorinnen wie „Mrs. Bella“, kennt die neuesten Skincare-Produkte und versucht, mich von „Sneakerinas“ zu überzeugen. Ich dagegen frage mich oft nur: Ist das noch Trend oder schon wieder peinlich?

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„Nostalgie ist auch nur eine Ästhetik mit guter PR“

Ich habe ehrlich gesagt keinen Bock mehr auf dieses permanente Coolsein. Nicht nur ich. Auch in meinem Freund:innenkreis spüre ich Trendmüdigkeit. Plötzlich werden Digicams ausgekramt, auf Film fotografiert, Platten aufgelegt. Alle sehnen sich nach einer langsameren, analogeren Welt.

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Unsere freie Autorin Emily Rehmet mag Vintage. Aber auch dieser Trend ist komplizierter, als er aussieht.

Emily Rehmet

Das Problem: Selbst die Flucht vor Trends wird sofort wieder zum Trend. Nostalgie ist schließlich auch nur eine Ästhetik mit guter PR. Der Plattenspieler steht nicht nur da, weil man Musik liebt, sondern auch, weil er im WG-Zimmer gut aussieht. Die Digicam ist nicht einfach praktisch, sondern Teil eines Looks.

Ich finde es ja schön, dass nicht immer nur das Neue zählt. Aber auch das Alte kommt heute selten einfach so zurück. Es kommt als Stil. Als Vibe. Als nächster Code, den man bitte schnell verstehen soll.

„Bin ich eine Außenseiterin, weil ich keine Cowboy-Boots habe?“

Und genau dann fühle ich mich oft wie eine Außenseiterin. Selbst unter Studierenden auf dem Marienplatz. Bin ich wirklich schon raus, nur weil ich keine Cowboy-Boots habe, keinen Plattenspieler besitze und nicht weiß, was ein „Typ-B-Girlie“ ist?

Cool sein klingt nach Freiheit. Tatsächlich fühlt es sich heute oft eher nach Arbeit an: beobachten, nachziehen, updaten. Bloß nicht zu spät merken, was gerade angesagt ist — und bloß nicht zu lange dabei bleiben, wenn es schon wieder out ist.

Die Birkenstocks habe ich mir am Ende übrigens nicht gekauft. Das Geld war es mir nicht wert. Vielleicht auch, weil ich der Vorstellung nicht mehr ganz glaube, dass der richtige Schuh plötzlich das Gefühl gibt, dazuzugehören. Cool sein ist längst nicht mehr cool. Vor allem ist es anstrengend und teuer.