Stuttgart-Album erinnert an Eisbären
: Fans warteten drei Stunden, um Wilbär in der Wilhelma zu sehen

Stupsnase, Knopfaugen, hoher Schmusefaktor: Wilbär verzückte die Massen in der Wilhelma in Stuttgart. Wir erinnern an die Kindheit eines Publikumslieblings.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Eines der ersten Fotos von Eisbärbaby Wilbär im Korb

    picture-alliance/ dpa/DB Wilhelma
  • Mama Corinna mit Wilbär.

    dpa/A3587 Ronald Wittek
  • Mama mit Baby – ein begehrtes Fotomotiv im Jahr 2008 in der Wilhelma.

    dpa/A2931 Bernd Weißbrod
  • Die Besucher waren begeistert.

    dpa/A3910 Marc Müller
  • Wilbärs Fans mussten bis zu drei Stunden anstehen.

    dpa/A3910 Marc Müller
  • Ein Schild in der Wilhelma: Nur noch 45 Minuten.

    Kraufmann /Franziska Kraufmann
  • Wilbär als Plüschtier im Wilhelma-Shop

    Kraufmann / Thomas Hörner
  • Ein Tasse mit Wilbär.

    Kraufmann / Thomas Hörner
  • Wilbär zum Mitnehmen

    Kraufmann / Thomas Hörner
  • Die Massen strömten zu Wilbär.

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  • Wilbär als Ausstecher.

    dpa/A9999 DB Alb-Gold
  • So süß im Korb

    Wilhelma
  • Wilbärs Umzug nach Schweden

    Wilhelma
  • Wilbär in Schweden.

    Orsa-Bärenpark / Anders Björklund/Orsa-Bärenpark / Anders Björklund
  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

    dpa/A9999 DB Tierpark Polar World
  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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  • Weitere Impressionen von Wilbärs Kindheit in der Wilhelma.

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Nach Knut, dem knuddeligen Superstar von Berlin, kam Wilbär, der ebenso süße Schnuckel von Stuttgart. Deutsche Eisbärenbabys eroberten in den nuller Jahren weltweit die Herzen. Schließlich gab es noch Flocke in Nürnberg. Schneeweiße Tierkinder bescherten den Zoos Besucherrekorde, sodass die Umsätze und Einnahmen nach oben schnellten.

Tierschützer forderten damals angesichts der süßen Fotos den sofortigen Zuchtstopp bei den Familien Eisbär und Co. in Gefangenschaft. Verhaltensstörungen und hohe Sterblichkeit seien die Folge. Denn von allen Landsäugetieren beanspruchten diese schönen und stolzen Tiere den größten Lebensraum in der Natur.

Knut ist bereits mit fünf Jahren gestorben

Der 2006 in Berlin von Hand aufgezogene Knut, der als Erster zum bärenstarken Medienphänomen wurde, starb 2011 mit gerade mal fünf Jahren an einer Hirnerkrankung. Sein ebenso berühmter Pfleger Thomas Dörflein starb 2008. Flocke, 2007 in Nürnberg geboren, lebt heute noch. Wilbär, am 10. Dezember 2007 in der Wilhelma geboren, starb jetzt mit knapp 17 Jahren in Eindhoven in Holland – die Trauer bei Wilbärs vielen Fans ist groß. Ganze Familienalben sind voller Fotos mit ihm.

Die geglückte Geburt in Gefangenschaft wurde vom damaligen Stuttgarter Zoodirektor Dieter Jauch monatelang geheim gehalten. Das Baby sollte in aller Ruhe von Mutter Corinna aufgezogen werden. Als im April 2008 der nach dem früheren Zoochef Wilbert Neugebauer benannte Wilbär seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte, kamen am Wochenende 20 000 Besucherinnen und Besucher. Allein am Sonntag waren es 15 000 – so viele wie noch nie an einem sonnigen Sonn- oder Feiertag. Die Wartezeiten betrugen bis zu drei Stunden, dann konnte das verzückte Publikum sehen, wie das Bärenkind mit Mutter Corinna Schwimmübungen im Wasser und tapsige Schritte draußen machte.

Mama Corinna mit Wilbär

Foto: dpa/Ronald Wittek

Auf Wilbärs Speisekarte, so können wir im Zeitungsarchiv nachlesen, standen täglich zwei Kilogramm Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Der Kleine konnte sich „mit diesem ausgewogenen Ernährungsplan über den Sommer hinweg eine ordentliche Schicht Hüftspeck zulegen“, schrieb der Wilhelma-Reporter. Bei einer Schulterhöhe von 70 Zentimetern brachte Wilbär im August 2008 bereits stattliche 50 Kilogramm auf die Waage. Ein ausgewachsener männlicher Eisbär wiegt etwa das Zehnfache.

Die gute Nachricht war, dass der einstige Kuschelbär prächtig gedieh, was aber auch zum „natürlichen Verlust an Drolligkeit“ führte, wie unsere Zeitung berichtete. Die Besucherströme gingen zurück. Die damalige Wilhelma-Sprecherin Isabel Koch erklärte: „Es geht zwar nach wie vor fast jeder bei ihm vorbei, aber die Leute rennen nicht mehr alle gleich als Erstes hin.“

Wilbär gab’s als Plüschtier, auf Tassen und T-Shirts. Die Merchandising-Produkte liefen in der Wilhelma nicht schlecht, aber wohl nicht so gut wie bei Knut in Berlin. Das Glück von Wilbär war den Verantwortlichen der Wilhelma wichtig: Ihr Publikumsliebling sollte sich verlieben! Deshalb sollte der Promi des einzigen Zoologisch-Botanischen Gartens in Deutschland nach Schweden umziehen, wo eine Partnerin, sie hieß Ewa, auf ihn wartete.

Bei seinem ersten Geburtstag wurden diese Umzugspläne bekannt. Zu diesem Zeitpunkt verhielt sich Wilbär wie ein rotzfrecher Flegel, worauf die Raubtierkuratorin Ulrike Rademacher hinwies: „Er ist sehr selbstbewusst, und das ist auch gut so.“ Dieses Selbstbewusstsein werde er an seinem neuen Wohnort in einem schwedischen Bear Park des Örtchens Orsa sicher gut gebrauchen können.

In Schweden wurde Wilbär Papa von Tochter Miki

Der Umzug geschah 2009 heimlich – die Wilhelma wollte Proteste von Tierschützern verhindern. In Schweden wurde Wilbär Papa von Töchterchen Miki. 2022 ist der Bärenpark schrittweise geschlossen worden – erneut stand für den gebürtigen Stuttgarter ein Umzug an, diesmal nach Holland. In Eindhoven ist Wilbär mit knapp 17 Jahren nun viel zu früh gestorben. Das Höchstalter von Eisbären in freier Natur wird auf 25 bis 30 Jahre geschätzt. In Stuttgart ist Wilbär unvergessen. Beim Anblick seiner alten Fotos wird’s vielen wieder ganz warm ums Herz.

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