Stuttgart-Degerloch: Platte Reifen, offenes Fenster – mysteriöses Auto wirft Fragen auf

Herrenloser BMW? Ordentlich geparkt, aber nicht fahrbereit: Seit Wochen parkt das Auto in Stuttgart-Degerloch auf dem Haigst.
Caroline HolowieckiZunächst wirkt alles unauffällig. Der silberfarbene 3er-BMW mit Ulmer Kennzeichen steht ordnungsgemäß geparkt am Straßenrand. Der Wagen ist schon etwas älter, weist an der matt schwarz lackierten Front einen Unfallschaden auf und innen auf den hellen Polstern Flecken. Zwei Reifen sind platt. Wirklich auffällig ist an dem Auto, dass die Scheibe der an sich verschlossenen Fahrertür sperrangelweit heruntergelassen ist und dass ein rot-weißes Absperrband der Polizei am Außenspiegel flattert.
Knöllchen wegen offenen Fensters
So steht die Limousine schon seit vielen Wochen auf dem Haigst in Degerloch, nur unweit entfernt von der Aussichtsplattform am Santiago-de-Chile-Platz – und wirft Fragen auf. Wurde das herrenlose Auto gestohlen und hier, gleich an der B27, abgestellt? War es gar in eine Straftat verwickelt? Der Polizei ist auf Nachfrage nichts dergleichen bekannt. Allerdings liegt eine Anzeige vor. Am 21. Oktober hat jemand angemeldet, dass auf dem Haigst zwei Autos mit aufgestochenen Reifen stehen würden, eines davon besagter BMW. „Wir haben die Halter angeschrieben, einer hat sich gemeldet, der andere nicht“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer. Und weiter: Über ein offenes Fenster finde er seinem Computer nichts. Angemeldet sei der Wagen im Alb-Donau-Kreis. Ob der Halter im Urlaub sei, oder ob das Fenster nachträglich geöffnet worden sein könnte? „Das ist reine Spekulation“, sagt er. Auch bei der Stadt ist man ratlos. Das Fahrzeug sei bislang nicht aufgefallen, erklärt die Sprecherin Laura Orlik, weder der Straßenverkehrsbehörde noch der Verkehrsüberwachung lägen weitere Erkenntnisse vor. Auch seien im Rahmen einer Halterabfrage keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Das Auto sei ordnungsgemäß zugelassen, habe einen gültigen TÜV. Der Halter bekommt jedoch ein Knöllchen – wegen des geöffneten Seitenfensters. Tatsächlich besagt der Paragraf 14 der Straßenverkehrsordnung, dass Kraftfahrzeuge gegen unbefugte Benutzung zu sichern sind.
Abschleppen geht nicht so einfach
„Irgendwann meldet der- oder diejenige sich“, glaubt der Polizist Jens Lauer. Allerdings: Karossen, die keiner zu vermissen scheint und die irgendwo vor sich hingammeln, gibt es in Stuttgart immer wieder. „Wir haben das öfter mal, dass ein Auto ohne Kennzeichen im öffentlichen Raum steht“, sagte der Polizeisprecher Stephan Widmann bereits vor ein paar Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung. Damals hatte ein ebenfalls offener Pkw mit kaputten Reifen in Sillenbuch Ärger gemacht, nachdem er sich zum Jugendtreff gemausert hatte. Vielleicht wolle sich jemand die Entsorgungskosten sparen, mutmaßte er damals. Ohne Weiteres abschleppen kann die Stadt allerdings auch nicht. Diverse Fristen sind einzuhalten, und selbst wenn das Auto dann kostenpflichtig von der Verkehrsbehörde entfernt wurde, muss wieder gewartet werden, bis es versteigert oder verschrottet werden darf.