Stuttgarter Alexander Knysch
: Projektmanager kündigt Job und wird Massivholz-Möbelbauer

40 Jahre in einem Job für den man nicht brennt? Der Stuttgarter Alexander Knysch hat darauf keine Lust, kündigt und baut nun ausgefallene Massivholzmöbel.
Von
Katrin Maier-Sohn
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Der 34-jährige Alexander Knysch erfüllte sich seinen Traum.

/Alexander Knysch

Organische Formen, geschmeidige Oberflächen, ausgefallene Designs – und das alles aus Massivholz. Der Stuttgarter Alexander Knysch entwirft und produziert Möbel. Doch der Weg dorthin war kein klassischer. Denn der 34-Jährige aus Kirchheim unter Teck hatte nie eine Ausbildung zum Schreiner oder Innenarchitekten gemacht, sondern Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

Er hatte mehrere Jahre als Projektmanager in Konstanz gearbeitet, bis er sich irgendwann fragte: „Willst du das wirklich noch 40 Jahre lang machen? Irgendwie brennst du doch gar nicht richtig dafür.“

Kalifornier zeigte ihm, wie man Tische baut

Alex kündigte daraufhin seinen Job und reiste gemeinsam mit seiner Frau fünf Monate mit dem Camper durch die USA. Bei einem einmonatigen Praktikum bei einem renommierten Massivholzmöbelbauer aus Kalifornien lernte er schließlich die Arbeit mit Holz kennen. „Ich hatte mich schon lange für das Gestalterische, für Inneneinrichtung und das Thema schönes Wohnen interessiert“, erklärt Alex.

Esstisch aus Walnussholz

Foto: Alexander Knysch

Wieder zuhause mietete er den Kellerraum von Freunden und baute für Familie und Freunde erste Tische. Er machte sich selbstständig, kurz danach begann die Coronapandemie.

Und dann kam Corona

„Kurz nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte, kam Corona. Doch ich hatte es irgendwie geschafft, mich bei Google so zu ranken, dass ich recht weit oben kam, wenn man Massivholzschreibtisch eingegeben hatte“, erzählt der Massivholzbauer über die Zeit damals. „So konnte ich mich die ersten Monate recht gut über Wasser halten.“ Zeitgleich besuchte er mehrere Kurse bei der Handwerkskammer.

Nachdem die Schreibtische nicht mehr so gut liefen, fing er an, skulpturale Möbel zu entwerfen, eigene Ideen umzusetzen und sich an verrücktere Stücke zu wagen. Er hangelte sich von Auftrag zu Auftrag, seine Spiegel, Lampen, Tische und Co. wurden von Interessenten aus China, Monaco oder New York gekauft.

Umzug nach Stuttgart

2024 zog er schließlich gemeinsam mit seiner Frau vom Bodensee nach Stuttgart-West. Nicht zuletzt, um Gleichgesinnte zu treffen und mit anderen Kreativschaffenden in Austausch zu kommen. Seine Werkstatt befindet sich in Waiblingen, genauer gesagt im kleinen Teilort Hegnach.

Alex schleift an einem Rahmen für einen Spiegel.

Foto: Alexander Knysch

So ganz will er seine Zukunft noch nicht in die Hände des Möbeldesigns geben. Für eine „sichere Basis“, wie er es nennt, arbeitet er Teilzeit an der Hochschule für Technik in Stuttgart als akademischer Mitarbeiter. Doch mal schauen, was die Zukunft bringt...

Mit seiner heutigen Arbeit will er traditionelles Handwerk mit modernem Design und natürlichen Materialien verbinden. Dabei entstehen die für ihn typischen organischen Formen durch den Winkelschleifer. Die Technik wird Power Carving genannt. In eintägigen Workshops bringt er Interessierten das Arbeiten mit Holz näher und lädt in seine Waiblinger Werkstatt ein.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.