Architektur in Stuttgart
: 5 der besten Architektur-Spaziergänge für den Vorfrühling in Stuttgart

Architektur to go: Spaziergänge zu guten Bauten im Park, zu geheimen Villenvierteln auf der Halbhöhe und zu romantischen Schwarzwaldhäusern mitten in Stuttgart.
Von
Nicole Golombek und Tomo Pavlovic
Stuttgart
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  • Ausgezeichnetes Wohnhaus mit Aussicht auf Stuttgart, entworfen von Alexander Brenner. Die Architekturspaziergänge führen auch zu Pavillons und Arbeiterhäusern.

    STZN/Pavlovic
  • Route 1: Sieht aus wie im Schwarzwald, steht aber auf dem Killesberg – Architekt Karl Hengerer entwarf und baute von 1907 bis 1911 mehrere solcher großbürgerlichen Wohnhäuser. Einige sind noch erhalten. Die Sackstraßensiedlung Birkenwäldle geht auf den alten Flurnamen Birkenwald zurück, wird aber auch Baronenviertel genannt, weil die Häuser herrschaftlich waren.

    STZN/Golombek
  • Route 1: Vom ehemaligen Arbeiter- und Angestelltenquartier Postdörfle sind kaum Gebäude erhalten, vieles wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Dieses Gebäude wird heute als Hotel genutzt. Das Postdörfle gilt als erste Arbeitersiedlung der Stadt und entstand 1869 bis 1871, der Architekt war Georg von Morlok.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 1: Nicht weit entfernt vom Postdörfle findet sich dieses Quartier, das Tunzhofer Arbeiterviertel. Es steht unter Denkmalschutz. Von 1900 bis 1903 entstand das Viertel, geplant wurden die 13 im historistischen Stil gebauten Häuser vom Stuttgarter Architekten und städtischen Baubeamten Albert Pantle, der auch das an das Viertel grenzende Kinderasyl entworfen hat.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 2: Am Hohengeren heißt die pittoreske und versteckt gelegene Villenkolonie auf der Uhlandshöhe im Stuttgarter Osten, die der Architekt und Bauunternehmer Rudolf Schweitzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts für wohlhabende Bürger entwarf und baute.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 2: Unterhalb der Villenkolonie steht die Villa Hauff, von Karl Hengerer und Richard Katz für Friedrich Hauff zu Beginn des 20. Jahrhunderts entworfen. Der Industrielle war mit Robert Bosch befreundet.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 2: Im Sommer und im Winter schön: Die Galathea-Brunnen-Anlage unterhalb des Eugensplatzes, geplant 1889/1890 von Otto Rieth und Paul Stotz. Warum die Stuttgarter sich an dem Brunnen störten, ist im Text zum Spaziergang zu erfahren.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 3: Liegt leider an einer viel befahrenen Straße, erfreut aber immer noch die Jugendstilfans: das Wohnhaus im Stuttgarter Süden nahe des Schwabtunnels, entworfen von den Architekten-Brüdern Emil und Paul Kärn. Man . . .

    STZN/Pavlovic
  • . . . achte auf die Details an der Fassade.

    STZN/Pavlovic
  • Route 3: Reich geschmückt – man beachte den Christuskopf über dem Hauptportal Markuskirche, erbaut wurde das Gotteshaus im Jugendstil in Stuttgart Süd. Zur Eröffnung kam König Wilhelm II.

    STZN/Pavlovic
  • Route 3: Originelle Umnutzung. Der Bau ist eine Stuttgarter Kuriosität: Emil Kessler, der Vater der Stuttgarter Zahnradbahn, wollte ursprünglich an der Tübinger Straße eine Talstation errichten, baute dann doch an der Filderstraße. Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert erhielt die alte Talstation eine repräsentative Erweiterung im damals angesagten Jugendstil von Lambert + Stahl Architekten. Heute residiert dort das Theater Rampe.

    STZN/Pavlovic
  • Route 4: Mit dem Hugo-Häring-Häring-Preis des Bundes deutscher Architekten und Architektinnen (BDA) ausgezeichnetes Wohnhaus von Johanna Maibach-Zoll und Tom-Philipp Zoll. Nach jahrelanger Suche hat das Architektenpaar endlich einen Bauplatz gefunden, doch auf einem lediglich 270 Quadratmeter kleinen Grundstück sollte ein entsprechend schmales Gebäude für eine fünfköpfige Familie her.

    STZN/Pavlovic
  • Route 4: Ganz in der Nähe des Hauses steht das Kinder- und Jugendhaus Helene P., an der Oberen Weinsteige an der stark frequentierten Bundesstraße. Das Jugendhaus, ursprünglich eine Apotheker-Villa von 1870, wurde kernsaniert und erweitert. Für den spannenden Entwurf zeichnete vor gut 20 Jahren das Architekturbüro Kauffmann, Theilig und Partner verantwortlich, als Auszeichnungen kamen alsbald der Preis „Beispielhaftes Bauen Stuttgart 2002-2007“ der Architektenkammer sowie der 1. Preis Initiative Wohnen im Kinderland Baden-Württemberg 2008 in die Vitrine.

    STZN/Pavlovic
  • Route 4: Alexander Brenners „Haus am Oberen Berg“ war für den Europäischen Architekturpreis Mies van der Rohe Award 2009 nominiert. Brenner baut in der Regel spektakuläre Häuser, die niemanden kalt lassen. Exklusivität und Wertigkeit sind Kennzeichen seiner Architektur.

    STZN/Pavlovic
  • Route 5: Treppenschwung, Naturstein, filigrane Stahlkonstruktion und Glas – Architektur von Rolf Gutbrod. Dies ist die 1950 entstandene Milchbar im Killesbergpark.

    Lichtgut/Leif Piechowski
  • Route 5: Ebenfalls von Rolf Gutbrod stammt dieser Festsaal für die Waldorfschulein Stuttgart-Nord. Der trutzige Betonbau der mächtigen Dachkonstruktion entstand 1968 nach nur zwei Jahren Bauzeit.

    Lichtgut/Max Kovalenko
  • Route 5: Rolf Gutbrods Funkhaus für den SDR (Süddeutscher Rundfunk) im Stuttgarter Osten, wie der SWR vor seiner Fusion noch hieß. Als der Bau mit seiner kühlen, blau-silbernen Fassadenverkleidung 1976 stand, galt er als das modernste Funkhaus Europas. Heute steht er unter Denkmalschutz.

    Lichtgut/Leif Piechowski
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Die Sonne macht Lust auf Frühling - und die Temperaturen lassen einen den dicken Wollpulli im Schrank verstauen. Wer die ersten Frühlingsboten ist Stuttgart genießen möchte, dem empfehlen wir einen kleinen Stadtspaziergang. Wir haben fünf schöne Routen herausgesucht, bei denen Sie wunderbar flanieren können und auch noch schöne Häuser zu Gesicht bekommen.

Flanieren zu guten Bauten in Stuttgart

Wen Fragen nach dem Gehen oder Bleiben in dieser Stadt umtreiben sollte, der könnte sich ebenfalls Anregungen bei Architektur-Spaziergängen durch Stuttgart holen, Baukultur ist ja nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch Lebensqualität, schaut man sich an, womit Städte werben, so sind das oft herausragende Bauten und Wohnquartiere mit hoher Aufenthaltsqualität – ob die Elbphilharmonie in Hamburg, die wieder aufgebaute Altstadt in Frankfurt oder der Fernsehturm, die Staatsgalerie und das Mercedes-Museum in Stuttgart.

Weissenhofsiedlung mit jeder Menge Baukultur, dies ist das Haus von Hans Scharoun.

Foto: Zophia Ewska/Lichtgut

Gute Wohnviertel finden sich neben der weltberühmten Weissenhofsiedlung mit der Bauhausarchitektur in Stuttgart natürlich auf den Halbhöhen, im Kessel sind aber ebenfalls interessante Quartiere zu entdecken.

Wir geben einen Überblick über fünf inspirierende architektonische Touren durch die Stadt, sie können auch kombiniert werden, für alle Flaneure mit besonders viel Zeit. Denn im Gehen denkt es sich manchmal leichter, könnten neue Gedanken entstehen.

Route 1. Romantische Schwarzwaldhäuser im Stuttgarter Norden

Im 19. Jahrhundert wurde in Stuttgart extrem viel gebaut, dank der Industrialisierung zogen immer mehr Arbeiter und Angestellten in die Stadt, die irgendwo wohnen mussten, weshalb viele Arbeiterquartiere entstanden und Villen für jene, die diese Arbeiter beschäftigten. Am Stuttgarter Killesberg etwa findet sich eine Ansammlung pittoresker Schwarzwaldhäuser für die Besserverdiener. Der 2,1 Kilometer lange Spaziergang, der je nach Geschmack bergauf oder bergab geht, führt außerdem zu alten Arbeiterquartieren – und in eine ferne Welt.

Route 2. Die geheime Villenkolonie im Stuttgarter Osten

Der 1,3 Kilometer kurze und leicht abschüssige Spaziergang führt zu versteckt gelegenen Landhäusern und einer 1904 erbauten Burgenvilla im Osten, wo ein Freund von Robert Bosch wohnte und sogar schon eine Garage für sein Auto bauen ließ. Endpunkt ist ein berühmter Brunnen, den viele Stuttgarter Bürger einst erst einmal nur unanständig fanden.

Route 3. Sinnliche Jugendstilbauten im Stuttgarter Süden

Die recht flach verlaufende Route im Stuttgarter Süden führt zu dekorativen Erkern und gruseligen Dämonenköpfen in Reliefs, golden schimmernde Mosaiken mit leicht bekleideten Frauenkörpern und allerlei possierlichen Tierchen aus dem unterschätzten Stuttgarter Jugendstil. An der 1,7 Kilometer langen Strecke liegt auch eines der schönsten Stuttgarter Gotteshäuser und ein Haus für innovative Theaterfans.

Route 4. Moderne Architektenhäuser auf dem Haigst

Während der Industrialisierung wurden langsam, langsam auch die Höhen und Halbhöhen mit Fabrikantenvillen erstellt, heute sind die Hänge voll. Doch immer noch finden sich Grundstücke, die neu bebaut oder alte Häuser, die umgebaut werden können. Heutige Einfamilienhäuser und Architektenvillen mit Aussicht liegen auf der Route des 2,5 Kilometer langen Spaziergangs auf dem Haigst. Er führt zu preisgekrönten Villen von heute, zu einen Gebäude für die Jugend, zu sanierten Einfamilienhäusern von 1930 und an einen spektakulären Aussichtspunkt.

Route 5. Architektur mit Hüftschwung von Rolf Gutbrod

Wer einen Tagesausflug plant, dem seie der rund 13 Kilometer lange Spaziergang zu den großartigen und stilistisch sehr unterschiedlichen Bauten aus der Nachkriegszeit von dem Architekten Rolf Gutbrod empfohlen, der einmal vom Westen über den Norden und einen Park über den Osten bis in die Innenstadt führt. Der Spaziergang kann auch aufgeteilt an zwei Tagen absolviert werden.

Bilder von den fünf Spaziergängen finden sich in der Bildergalerie.

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