Stuttgarter Bürgermedaille
: Zwei, die die Stadt in Schwung bringen

Eric Gauthier und Werner Schretzmeier haben die zweithöchste Auszeichnung der Stadt erhalten. Ein verdientes Echo auf das, was sie Stuttgart an Kultur gegeben haben. Ein Kommentar von Jan Sellner.
Kommentar von
Jan Sellner
Stuttgart
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 Eric Gauthier (links) und Werner Schretzmeier im Theaterhaus Stuttgart

Mit der Bürgermedaille ausgezeichnet Eric Gauthier (links) und Werner Schretzmeier im Theaterhaus Stuttgart.

Theaterhaus/www.maks-richter.com.de

Das muss man erst mal schaffen: In Montreal als Tänzer und Sänger ausgebildet werden, dann, auf Einladung Reid Andersons, dem damaligen Intendanten des Stuttgarter Balletts, als 19-Jähriger in die fremde Alte Welt nach Stuttgart aufbrechen. Solotänzer in der von John Cranko geformten Kompanie werden, dort große Erfolge feiern, zum Publikumsliebling aufsteigen.

2007 den Mut aufbringen, eine eigene, einschließlich der „Juniors“, heute 24-köpfige Ballettkompanie zu gründen. Die Stadt mit „Colours“ beglücken, einem Festival des zeitgenössischen Tanzes. Mit kanadischem Akzent Akzente im Schwäbischen setzen. Das Theaterhaus füllen. Schüler fürs Tanzen begeistern. Stuttgart zum Tanzen bringen. Hier Wurzeln schlagen, die nun schon 30 Jahre tief reichen. Sich vielfach sozial einbringen – auch für die Benefizaktion unserer Zeitung. Ein gewinnendes, modernes Gesicht der Stadt sein. Im besten Sinne ihr Vortänzer: Eric Gauthier!

Wow! Am Freitagabend hat Oberbürgermeister Frank Nopper diesem Tausendsassa bei einer Gala im Theaterhaus die Bürgermedaille verliehen, die höchste Auszeichnung der Stadt nach der Ehrenbürgerwürde. Eine seltene Ehre, die einen breiten Konsens im Gemeinderat voraussetzt. Der war gegeben. Denn auch diese Gabe hat Eric Gauthier: er bringt Menschen zusammen.

Das gilt in anderer Weise auch für den am Freitag ebenfalls mit der Bürgermedaille ausgezeichneten Werner Schretzmeier. Er kommt nicht aus Kanada, sondern ursprünglich aus Schorndorf im Rems-Murr-Kreis. Doch auch er hat einen langen, bemerkenswerten Weg zurückgelegt, um das zu sein, was er seit Jahren ist: Mister Theaterhaus – inzwischen leider ohne Misses Theaterhaus, seiner 2025 verstorbenen Frau Gudrun.

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Schretzmeiers Steckbrief weist auch ihn, den gelernten Industriemechaniker und späteren TV-Regisseur und Autor, als kreativen Stadtgestalter aus. Und auch das muss man erst mal hinbekommen: 1967 den Club Manufaktur in Schorndorf mit begründen. Zusammen mit Wolfgang Dauner und anderen Jazz-Größen spielen und ein Plattenlabel starten. Mit seiner Frau und dem Kabarettisten und Publizisten Peter Grohmann Pläne für ein Kulturzentrum schmieden, aus denen 1985 das Theaterhaus in Wangen hervorgeht. 2003, den Sprung auf den Pragsattel wagen, dort die Gebäude des ehemaligen Auslieferungslagers der Rheinstahl-Handelsgesellschaft wachküssen und in ein soziokulturelles Zentrum – das Theaterhaus – verwandeln. Regie führen. Seine Handschrift hinterlassen. Zur Kulturinstitution werden, Kultstatus erreichen.

Orden und Medaillen sind kein Ersatz für eine finanzielle Förderung; sowohl Gauthier Dance als auch das Theaterhaus sind weiterhin darauf angewiesen. Die Auszeichnungen stellen jedoch Menschen ins Scheinwerferlicht, die Stuttgart zu einem besonderen Ort machen und der Stadt Schwung verleihen. Das ist wichtig. Gerade jetzt.