Stuttgarter Forum der Kulturen
: Plädoyer für Vielfalt: „Wir haben so viel Weltwissen“

Es ist ein Neuanfang. Beim Frühjahrsempfang übergab Rolf Graser offiziell die Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin Alina Papagiannaki-Sönmez.
Von
Frank Rothfuß
Stuttgart
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Stuttgarter Zeitung

Es ist ein abgenutztes Wort. Wie auch die Nachhaltigkeit mag man es schon gar nicht mehr hören, weil es jeder im Munde führt: Die Vielfalt. Doch wenn man dann an diesem Abend zum Frühjahresempfangs des Forums der Kulturen geht, dann braucht es keiner zu sagen, man spürt sie, man sieht sie und man kann sie kosten: Diese Vielfalt.

Viele Menschen, die sich in den 160 Migrantenvereinen des Forums engagieren waren da, in ganz vielen unterschiedlichen Ländern haben sie ihre Wurzeln. Manche sind dort aufgewachsen, manche kennen die alte Heimat nur aus Geschichten. Doch alle eint, dass sie hier Zuhause sind und sich als Stuttgarter verstehen.

Die neueste Schwäbin ist eine Kurpfälzerin. Alina Papagiannaki-Sönmez kommt aus Heidelberg, ist seit dem 1. April Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Rolf Graser. Der wird bis zum Herbst noch mithelfen und im Oktober dann verabschiedet. Im Lindenmuseum hieß es jetzt erstmals: Bühne frei für die Neue. Papagiannaki-Sönmez ist 1969 in Griechenland geboren worden und lebt seit 1986 in Leimen bei Heidelberg. Dort ist sie unter anderem 2022 für die Bürgerinitiative „Heidelberg in Bewegung“ bei der OB-Wahl angetreten. Zuletzt war sie als Berufsschullehrerin tätig.

Rolf Graser

Foto: Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Sie sagte, wir sind kein „Schattenphänomen, wir sind das Fundament dieser Gesellschaft“! Viele Begriffe und auch Schlussfolgerungen passen nicht mehr, in einer Zeit, in der mehr als die Hälfte der Menschen in Stuttgart ihre Wurzeln im Ausland haben. Und viele mehr wie der mittlerweile ehemalige Ministerpräsident Winfried Kretschmann selbst oder in ihrer Familiengeschichte Fluchterfahrungen haben. Und wessen Opa als Gastarbeiter kam, dessen Eltern in Stuttgart geboren worden, die selbst hier geboren wurde, sind die immer noch Fremde? Oder wissen die nicht viel mehr von dieser Stadt, dieser Mentalität, als Menschen, die aus Stralsund, Hamburg oder Regensburg frisch hergezogen sind?

Von 16 Vereinen auf 160 Vereine

So plädiert Alina Papagiannaki-Sönmez für mehr Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit. 1998 wurde das Forum der Kulturen von 16 Vereinen gegründet, heute sind es mehr als 160 Vereine, die sich darin zusammengeschlossen haben. Die Angebote dieses stilbildenden Dachverbands nutzen insgesamt mehr als 300 Migrantenvereine aus der Region. Da ist ganz viel Vielfalt, ganz viel Unterschiedliches, aber auch Gemeinsames. So sagte Rolf Grasen denn auch: „Wir vereinigen sehr viele Widersprüche! Wir fördern offene Räume und sichere Räume“ Safe Spaces, die nur manchen vorbehalten sind. Diese Widersprüche müsse man aushalten, im Dialog, im Diskurs. Dann profitiere man unheimlich von diesem „Weltwissen“, wie das Paulina Krüger de Schaal nannte, Vorstand vom Forum.

Weltwissen, das ist ein schönes Wort. Sehr bildhaft. Und noch gar nicht abgenutzt.

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