Stuttgarter Modehaus: Generationswechsel bei Breuninger

Willem van Agtmael (links) geht in den Ruhestand. Auf ihn folgt Willy Oergel.
ZweygarthStuttgart - Bei dem Stuttgarter Kaufhausunternehmen Breuninger geht eine Ära zu Ende. Willem van Agtmael, der 1980 als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Heinz Breuninger an die Firmenspitze gerückt war, geht in den Ruhestand. „Ich habe damals einen Vertrag auf den September 2012 hin gemacht“, sagte van Agtmael im Interview mit der Stuttgarter Zeitung, „weil ich gesagt habe, mit 65 Jahren möchte ich mich anderen Dingen widmen. So sieht mein Vertrag aus, und ich werde den Vertrag erfüllen.“ Van Agtmael wird am 19. September 65 Jahre alt.
Neuer Vorsitzender der Unternehmensleitung wird Willy Oergel an, der bisher schon der Leitung angehört und seit 28 Jahren im Unternehmen tätig ist. „Damit gehört Willy Oergel fast schon zur Familie“, sagte van Agtmael über den 60-jährigen gebürtigen Stuttgarter. Im Zuge des Wechsels wird die Unternehmensleitung von bisher drei auf fünf Mitglieder erweitert. Zugleich trennt Breuninger Management- und Eigentümerfunktionen. Das Unternehmen setzt jetzt auf ein familienfremdes Management; die Eigner konzentrieren sich auf die Tätigkeit im Beirat, der ähnliche Kompetenzen hat wie der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.
Hitzige Diskussionen
Dieser Beirat wird neu geordnet. Künftig werden alle drei Familien, die an Breuninger beteiligt sind, mit jeweils zwei Mitgliedern im Beirat vertreten sein. Willem van Agtmael wechselt in den Beirat, wird aber nur einfaches Mitglied. Den Vorsitz übernimmt sein Sohn Jeroen zusammen mit Harald Meilicke. Die Meilickes sind ebenso wie die Familie van Agtmael mit 40 Prozent an Breuninger beteiligt; die restlichen 20 Prozent hält die Familie Bretschneider/Seidel. Jeroen van Agtmael und Harald Meilicke sind beide im Jahr 1975 geboren. „Wir setzen den Generationswechsel konsequent um“, sagte Willem van Agtmael. Die Gesellschafter haben lange um die nunmehr gefundene Lösung gerungen. Teilweise waren die Diskussionen auch sehr hitzig; dabei ging es um den Einfluss der Eigentümerfamilien.
Willem van Agtmael hat zusammen mit dem Bonner Rechtsanwalt Wienand Meilicke 2004 in einer ungewöhnlichen Aktion die Mehrheit an Breuninger übernommen; zuvor war der Handelskonzern im Stiftungsbesitz. Van Agtmael und Meilicke konnten sich bei der Neuordnung der Beteiligungsverhältnisse auf den Willen von Heinz Breuninger berufen, der beide bereits in den siebziger Jahren als Stiftungsvorstände eingesetzt hatte.
Das Traditionsunternehmen hat bundesweit zehn Kaufhäuser und Einkaufszentren mit 5500 Mitarbeitern. In Düsseldorf wird zurzeit ein weiteres Haus gebaut. Der Umsatz ist im vorigen Jahr auf netto 510 Millionen Euro gestiegen. In diesem Jahr ist Breuninger nach van Agtmaels Angaben weiter auf Wachstumskurs. In den ersten vier Monaten liegt das Umsatzplus voraussichtlich bei knapp sieben Prozent.