Stuttgarts Jupitergigantensäule
: Wo ist die römische Säule vom Neuen Schloss geblieben?

Antwort: Sie schmückt jetzt ein Museum in Heilbronn. Zurück in Stuttgart bleiben ein leerer Sockel und einige offene Fragen.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Jupitergigantensäule Neues Schloss

Neues Schloss in Stuttgart: hier steht die Jupitergigantensäule (rechts im Bild) nicht mehr.

Archiv/Lichtgut/Max Kovalenko
  • Die römische Säule am Neuen Schloss wurde bereits im vergangenen Jahr demontiert.
  • Sie steht seit wenigen Tagen im Museum Deutschhof in Heilbronn – nicht gestohlen.
  • Es ist eine Nachbildung der 1964 entdeckten Jupitergigantensäule von Hausen an der Zaber.
  • Originalteile liegen im Römischen Lapidarium, dessen Depot nach Fellbach zog.
  • Umbaupläne fürs Neue Schloss führten zum Auszug, Ersatz am leeren Podest ist nicht geplant.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen oder vermissen Sie sie gar nicht? Am Planieflügel des Neuen Schlosses fehlt die große römische Säule, die dort viele Jahre lang stand, genauer seit 1989. Zurückgeblieben ist nur das Betonpodest. Dessen beklagenswerter Zustand provoziert die Frage: Wurde die Säule gewaltsam entfernt? Hat sie vielleicht sogar jemand gestohlen?

Das, so ergeben Nachfrage beim Finanzministerium, das im Neuen Schloss untergebracht ist, sowie beim Württembergischen Landesmuseum mit seiner Zuständigkeit für geschichtliche Zeugnisse aller Art, ist eindeutig nicht der Fall. Vielmehr wurde die stattliche Säule unter der Regie des Museums entfernt, und sie fehlt auch nicht erst seit jetzt. Die Demontage erfolgte bereits im vergangenen Jahr. Seit wenigen Tagen steht sie in Heilbronn beim Museum Deutschhof.

Die Original-Säulenteile wurden 1964 ausgegraben

Zum Hintergrund: Bei der Säule handelt es sich um eine Nachbildung der 1964 bei Ausgrabungen entdeckten sogenannten Jupitergigantensäule von Hausen an der Zaber, die den römischen Göttern Jupiter und Juno gewidmet war. Ein römischer Bürger, so vermuten Archäologen, hat sie um das Jahr 200 n. Chr. an seinem Gutshof in Hausen an der Zauber aufstellen lassen.

Ehemaliger Standort der Jupitergigantensäule am Neuen Schloss

Ehemaliger Standort der Jupitergigantensäule am Stadtflügel des Neuen Schlosses in Stuttgart. 36 Jahre befand sie sich an dieser Stelle, ehe sie 2025 demontiert wurde. Geblieben ist nur ein wenig ansehnliches Betonpodest.

Jan Sellner

Die originalen Teile der Säule befinden sich in der Sammlung des Römischen Lapidariums, das bis vergangenes Jahr im Kellergeschoss des Neuen Schlosses in Stuttgart untergebracht war. Von der von Fachleuten vielgepriesenen Säule mit Gigantenreiter existieren mehrere Kunststeinnachbildungen und Abgüsse. Sie stehen in Hausen an der Zaber selbst, in Köngen und Güglingen. Bis vergangenes Jahr stand auch ein Abguss in Stuttgart - an der Stadtseite des Neuen Schlosses am Eingang zum Römischen Lapidarium. Zuvor befand sich die Säule im Fruchtkasten am Schillerplatz.

StZ kompakt - der Morgen

Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.

Die Frage, warum die repräsentative Säule entfernt wurde, richtet sich an das Württembergische Landesmuseum. Dort erinnert eine Sprecherin daran, dass das Depot des Römische Lapidariums vergangenes Jahr aus dem Neuen Schloss ausziehen musste:  „Im Rahmen des Auszugs wurde die Säule – wie alle Ausstellungs- und Depotobjekte des Landesmuseums – entfernt.“ Das Depot ist jetzt in Fellbach untergebracht, während die Säule die Reise nach Heilbronn antrat.

Grund für den Umzug seien Umbaupläne des Landes gewesen, heißt es. Umbaupläne? „Da das Neue Schloss auf Wunsch der Landesregierung zu einem Bürgerschloss umgebaut wird, werden die Räume des Lapidariums künftig anderen Funktionen zugeführt und stehen dem Landesmuseum Württemberg nicht mehr zur Verfügung“, ließ das Museum vor zwei Jahren verlauten. Das Finanzministerium erklärte damals, man habe sich mit dem Museum auf einen Auszug verständigt, weil die Unterbringung des Römischen Lapidariums nicht optimal gewesen sei. Parallel dazu gab es Pläne, die Kantine im Neuen Schloss aus dem zweiten Obergeschoss in das Untergeschoss des Planieflügels zu verlegen. Das Vorhaben stand unter Finanzierungsvorbehalt.

Und jetzt? Vom Bürgerschloss ist schon länger keine Rede mehr. Auch nicht vom Umzug der Kantine. „Mir sind keine aktuellen Pläne bekannt“, teilt der Sprecher des Finanzministeriums auf Anfrage mit. Wäre der Umzug rückblickend also gar nicht nötig gewesen? Und falls doch, warum musste parallel dazu die Säule von ihrem angestammten Platz weichen? Das bleibt vorerst ein Geheimnis. Die Hoffnung, dass auf dem leeren Betonpodest etwas Neues entsteht, ist gering. Auf Anfrage erklärt das Museum:  „Von Seiten des Landesmuseums wird an dieser Stelle kein Ersatz aufgestellt.“

In Heilbronn freut man sich über die Säule aus Stuttgart

Ratlose Blicke in Stuttgart, Freude in Heilbronn. Die Jupitergigantensäule passt super zu unserem neuen museumspädagogischen Konzept in unserem Römerbereich“, sagte Judith Wötzel, Kuratorin für Archäologie im Museum Deutschhof, wo sich bisher eine halb so große Kopie befand. Im vergangenen Jahr hatte sie davon gehört, dass die Säule beim Neuen Schloss abgebaut wird und umgehend Interesse signalisiert. Denn: „Das Stück ist viel zu schade, um im Magazin zu landen.“

Ursprünglich wollte man auch die Originalteile aus Stuttgart ausstellen, das lasse aber die Traglast der Decken nicht. Warum man sich in Stuttgart von der Säule getrennt habe, vermag die Heilbronner Archäologin nicht zu sagen. „Wir haben davon profitiert“, sagt Judith Wötzel erfreut und hofft,  „dass die Jupitergigantensäule nun viele Jahrzehnte in Heilbronn stehen wird“.