SWR-Sommerfestival in Stuttgart
: Standing Ovations für Matthias Holtmann gleich zu Konzertbeginn

Was der Unterschied zwischen Bayern München und einem Buch ist? Matthias Holtmann, die Radiolegende, weiß es: „Das Buch hat einen Titel.“ Mit viel Witz macht „Matze“ seinen Abschied beim SWR-Sommerfestival auf dem Schlossplatz nicht ganz so traurig.
Von
Uwe Bogen
Stuttgart
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  • Matthias Holtmann wird von dem Ensemble und dem Publikum bei seinem Abschied von Pop und Poesie gefeiert.

    Lichtgut/Julian Rettig
  • Das Konzert von Pop und Poesie auf dem Schlossplatz ist ausverkauft.

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  • Matthias Holtmann ist nach einjähriger Leidenszeit zurück auf der Bühne.

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  • Der Himmel zieht sich zu – es regnet für lange Zeit.

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  • Die Bühnenkollegen spenden ihm Applaus.

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  • Vor 16 Jahren hat Matthias Holzmann „Pop und Poesie“ erfunden.

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  • Beim Regen verziehen sich viele an den Rand des Schlosses.

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  • Matthias Holtmann mit Innenminister Thomas Strobl und dessen Frau Christine Strobl.

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  • Moderatorin Stefanie Anhalt bei der Live-Schalte.

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  • Weitere Impressionen von Pop und Poesie.

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  • Weitere Impressionen von Pop und Poesie.

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  • Weitere Impressionen von Pop und Poesie.

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  • Weitere Impressionen von Pop und Poesie.

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  • Weitere Impressionen von Pop und Poesie.

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Pop, Poesie und Parkinson: Passt alles zusammen, siehe „Matze“, weil man immer aus allem das Beste machen muss: Mit Witz und der Freude an Musik lassen sich Krankheit und Altwerden leichter meistern. Matthias Holtmann, ein Vorkämpfer für den wilden Süden, ist Champion in der Radio-Gaga-Liga. Späße macht er über alles, also auch über sich selbst.

Mit dem Sprechen habe er Probleme, entschuldigt er sich, bedingt durch eine lange Leidenszeit, die ihn ein Jahr lang in Krankenhäuser zwang, aber so schlimm sei das auch wieder nicht: „Wenn ich was vernuschle, freut euch einfach auf den nächsten Satz.“

„Matze“ will den Stab an Jüngere weitergeben

Noch bevor er auch nur ein Wort nuscheln kann, schenken ihm 4000 Besucherinnen und Besucher am Samstagabend beim SWR-Sommerfestival auf dem Schlossplatz Standing Ovations. Kaum hat ihn Jochen Stöckle, sein Nachfolger als Anchorman bei Pop und Poesie, begrüßt und auf die Bühne gebeten, erhebt sich das gesamte Publikum in den ausverkauften Reihen.

Es ist die Verneigung vor einem Moderator, der für viele Fans zum Teil ihres Lebens geworden ist, mit dessen Radiostimme sie aufgewachsen sind. 36 Jahre war „Matze“ ein Star bei SDR und SWR, 16 Jahre lang hat er bei Pop und Poesie, dem Format, das er erfunden hat, getrommelt und gekalauert. Nun steht ein hochemotionaler Abschied an.

Der legendäre Radiomann, der bald 74 Jahre alt wird, will „den Stab an Jüngere“ weitergeben, macht aber gleichzeitig klar, dass er mit einem neuen Format (Arbeitstitel „Matzedonien – die Matthias-Holtmann-Show“) zurückkehren will. Die Arbeit und die Musik sind sein Leben, das bereits beendet schien. Herz-Operationen und eine Sepsis – zu seiner Parkinson-Erkrankung noch dazu – haben ihn ein Jahr lang aus dem Verkehr gezogen und in Krankenhäuser und eine Reha-Klinik geschickt. Jetzt also meldet er sich zurück, steht im blauen Anzug mit rotem Einstecktuch vor seinem Publikum, das mit ihm älter geworden ist und ausflippt, als wär’ man gemeinsam noch mal jung.

An Matthias Holtmann sieht das Publikum die eigene Vergänglichkeit. Doch bei den mitreißenden Rhythmen einer herausragenden Band um den Musikalischen Leiter Peter Grabinger ist das eigene Älterwerden rasch vergessen und wird ganz flott weggetanzt. Beim SWR-Sommerfestival fehlen diesmal große Namen der deutschen Musikszene – aber die Hits der internationalen Stars werden unter dem Showtitel „Power of Love“ nachgespielt und die deutschen Texte meist sehr theatralisch, manchmal mit einen Tick Melodram zu viel, vorgetragen.

Wilhelmer eilt ins Amici, wo am Abend der VfB feiert

Das Ensemble ist perfekt im Miteinander, der Sound haut rein – und keiner lässt sich vom Regen bremsen, der entgegen aller Prognosen der Wetter-Apps kurz nach dem Start einsetzt und lange bleibt. Von den Vip-Gästen ziehen sich einige beim „Power of Rain“ ins trockene Neue Schloss zurück, wo Caterer Michael Wilhelmer Spaghetti im Parmesanlaib servieren lässt. Der Gastronom hat an diesem Samstag viel zu tun. Erst der Tunnelclub beim VfB-Saisonfinale in der MHP-Arena, wo der Vize-Meister gefeiert wird, dann zum SWR-Sommerfestival und schließlich in sein Amici, wo der VfB in dieser Nacht mit seiner Mannschaft den Abschluss einer phänomenalen Saison feiert.

Dass Topacts beim SWR-Festival diesmal fehlen (man setzt dort ausschließlich auf Eigengewächse) liegt daran, sagt Christoph Mohr, Marketingleiter des Senders, dass die Preisvorstellungen der gewünschten Künstler zu hoch gewesen seien. „Wir können da nicht drauflegen“, sagt er – der SWR muss sparen. Fürs nächste Jahr hofft er, dass doch wieder eine „große Nummer“ dabei ist. Das Sommerfestival bildet den Auftakt für ganz große Monate auf dem denkmalgeschützten Schlossplatz. Fanzone der Fußball-EM und der 30. Geburtstag der Jazz Open folgen. Stuttgart blüht weiter auf.

Zum Abschied schenkt das Ensemble von Pop und Poesie dem Erfinder dieser Reihe, einem Genie, wie zu hören ist, einen neuen, sehr persönlichen und anrührenden Text auf „Always look on the bright side of Life“ (Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens) – auf einen Song, der so sehr auf „Matze“ passt: Von Krankheiten lässt sich Holtmann nicht unterkriegen und ist mit seinen Bright-Side-of-Life-Gedanken zum Vorbild von vielen geworden.

Matthias Holtmann wiederum hat einen neues Text auf „Oh Lord, Won’t You Buy Me A Mercedes Benz“ geschrieben: Jetzt soll der liebe Gott ihm ein Auto mit Allradantrieb und ein Haus auf dem Hügel schenken, zu dem man nur mit Allradantrieb kommt. Altersgemäß soll alles werden, betreutes Singen und betreutes Ausflippen ist das Ziel.

Minutenlang klatscht das Publikum zum Finale, Tränen fließen, ein ganz Großer wird gefeiert, einer, der Rampensau trotz aller Widrigkeiten bleibt. Dem „Matze“ ist nach dieser bewegenden Abschiedsnacht ein noch schönerer Platz in den Herzen seiner Fans sicher.

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