Tag des Baumes 2026
: Grüne Entdeckungen in Stuttgart

Beim Gang durch die Stadt fällt auf: Grüner als jetzt wird’s dieses Jahr nicht mehr. Die Stuttgarter Botanik lässt – fast – nichts zu wünschen übrig. Ein Kommentar von Jan Sellner
Kommentar von
Jan Sellner
Stuttgart
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Blauglockenbaum beim Mineralbad Berg

Jan Sellner

In Stuttgart wächst, blüht und gedeiht vieles. Auch viel Exotisches. Diesen Eindruck nahm vor wenigen Monaten Ex-Kanzlerin Angela Merkel von einem Besuch der Villa Reitzenstein, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten in der Richard-Wagner-Straße, mit. In dem zwischen 1910 und 1913 angelegten prächtigen Park der Villa, so erzählt es Ministerpräsident Winfried Kretschmann, habe Merkel sich nach einer ihr unbekannten Pflanze erkundet, die ihr in der Parkanlage zwischen Hängebuchen und Mammutbäumen ins Auge stach. Worauf der Hausherr und studierte Biologe ihr in Standarddeutsch bedeutete: „Das ist das weiße Waldvögelein, eine seltene wilde Orchidee.“

Derart geschulte Augen dürften auch an anderen Stellen in Stuttgart interessante botanische Entdeckungen machen. Gerade jetzt, wo es grünt und blüht, dass es eine Freude ist. Sieht man von den einschlägig versiegelten Orten der Landeshauptstadt ab, wie dem Pariser Platz, wo nichts grünt, sondern es (einem) graut – jedenfalls in pflanzenkundlicher Hinsicht.

Umso einladender aktuell der Hohenheimer Park und der Höhenpark Killesberg, der über das „Grüne U“ mit dem Leibfriedschen Garten und dem Rosensteinpark verbunden ist, von dem es heißt, er sei mit seinen 100 Hektar Fläche der größte englischer Landschaftspark im Südwesten. Dazu die Schlossgartenanlagen, die Wilhelma und das Mineralbad Berg mit seinen imposanten, 1856 gepflanzten Ginkgo-Bäumen. Auffallend in der Mineralwasseroase ist auch ein Baumriese mit violettfarbenen Blüten. Wäre Angela Merkel hier und fragte danach, könnte Winfried Kretschmann ihr vermutlich aus dem Stand heraus erklären: Das ist ein Blauglockenbaum, auch Kaiserbaum genannt, der ursprünglich aus China stammt. Inzwischen ist er auch bei uns verbreitet. Die Bademeister im Mineralbad Berg wissen es übrigens auch.

Am Rotwildpark mit seinen Baumveteranen kommt man nicht vorbei

Das grüne Stuttgart – das ist in pflanzlicher Hinsicht immer ein Thema. Nicht nur an diesem 25. April, den die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zum Tag des Baumes ausgerufen hat und dem auch in praktischer Hinsicht Bedeutung zukommt. Denn traditionell werden an diesem Tag Bäume gepflanzt und ausgewählte Baumarten vorgestellt. In diesem Jahr die Zitterpappel oder Espe. „Der Tag des Baumes erinnert uns daran, dass der Wald unser wichtigster Verbündeter im Klimawandel ist“, lässt Landwirtschaftsminister Peter Hauk dazu verlauten. Die Zitterpappel, Baum des Jahres 2026, übernehme hier eine wichtige Rolle. Und wenn vom Wald die Rede ist, dann kommt man an einem Tag wie diesem am Stuttgarter Rotwildpark nicht vorbei mit seinem landesweit einmaligen alten Baumbestand aus rund 2500 bis zu 200 Jahren alten knorrigen Bäumen und Baumveteranen, sondern geht am besten darin spazieren.

So grün und botanisch interessant vieles an Stuttgart ist, eines fehlt und muss leider auch dauerhaft fehlen: eine Art „Feld der Wunder“ wie in Carlo Collodis „Die Abenteuer des Pinocchio“. Dort wird der aus Pinienholz geschnitzte Held dazu überredet, auf besagtem „Feld der Wunder“ Goldmünzen zu vergraben. Über Nacht würde daraus ein Baum wachsen, der statt Blättern Goldmünzen trägt. Was im Märchen missglückt, funktioniert in der Wirklichkeit schon gleich gar nicht. Schade, denn das klamme Stuttgart könnte Goldmünzen-Bäume dringend gebrauchen. Doch das ist ein anderes, unersprießliches Thema. Die Frage – auch an die Landesregierung! – lautet jetzt: Wo kriegt man Hoffnungspflänzchen her?

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