Temperaturen in Stuttgart
: Rekordhitze? Das Gefühl trügt nicht

Stuttgart ächzt unter Temperaturen um die 35 Grad. Sie sind alles andere als normal. Das zeigt die Analyse von Messungen aus sechs Jahrzehnten. Die nächsten Tage wird es dabei nicht bleiben.
Von
Jan Georg Plavec
Stuttgart
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Stuttgart Hitze am Schlossplatz sind es zwischen  34 Grad und  35 Grad Heiss Akuell  , Strassen Cafe  in der  Sonne  sind leer, am  Kunst Museum  an der Treppe  haben  ein paar  Menschen  Schatten  Sitz Plaetze. Foto Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart  12.08.2024

Nicht nur in der Innenstadt ist es heiß. Auch am Schnarrenberg misst der Deutsche Wetterdienst Rekordwerte.

Andreas Rosar (Archiv)
  • Stuttgart erlebt Hitzewelle mit rund 35 Grad – die Werte sind nicht normal für Mitte Juni.
  • DWD-Messungen seit 1958: am Schnarrenberg Rekorde an den Tagen 20. und 21. Juni.
  • Wüstentage ab 35 Grad traten im Juni erst seit der Jahrtausendwende auf.
  • Forschende: Klimawandel verschiebt Temperaturen nach oben und macht Rekorde wahrscheinlicher.
  • weitere Rekordwerte im Juni erwartet, frühere Tagesrekorde könnten fallen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kinder und ältere Menschen, Tiere und die Natur leiden aktuell unter einer Hitzewelle. Und manch einer fragt sich, ob 35 Grad Mitte Juni eigentlich normal sind. Die knappe Antwort: nein, sind sie nicht. Bislang jedenfalls.

Beim Deutschen Wetterdienst sind Messwerte aus mehr als sechs Jahrzehnten archiviert, unter anderem am Stuttgarter Schnarrenberg. Die Station ist über dem Kessel gelegen, die Sommerhitze fühlt sich dort deshalb nicht nur erträglicher an - die Werte sind auch sehr gut über einen langen Zeitraum vergleichbar. Und sie zeigen: seit Samstag kann man von einer Rekordhitze sprechen.

Wüstentage erst seit der Jahrtausendwende

An keinem 20. oder 21. Juni wurden seit Beginn der Messreihe im Jahr 1958 höhere Temperaturen gemessen. Die rote Kurve zeigt für jeden Junitag die Rekordtemperatur, die gelbe Kurve gibt die Werte im Juni 2026 an.

Bis Anfang vergangener Woche waren die Temperaturen für Juni noch halbwegs normal, am Mittwoch war man dann schon bei fast 30 Grad, seither deutlich darüber.

Noch etwas zeigt das Schaubild: Werte mit 35 Grad und mehr – sogenannte Wüstentage – gab es im Juni auch in früheren Jahren schon. Aber sie waren die Ausnahme. Und wenn sie vorkommen, dann ausschließlich seit der Jahrtausendwende.

Dass es auch früher schon heiß war und Hitze eben ein Wetterphänomen, stimmt nur bedingt. Der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erklärte gegenüber der dpa, die aktuelle Hitze sei durch Luftströme aus Südwesteuropa nach Deutschland gekommen. Diese Luftmassen seien heute deutlich heißer als noch in den 1960er bis 1980er Jahren. „Deshalb können sich bereits die ersten Hochsommertage des Jahres zu einer markanten Hitzewelle entwickeln“, so Hoffmann. Mit der Erderwärmung verschiebe sich die Spanne möglicher Temperaturen nach oben. Damit werde das Überschreiten bisheriger Rekorde wahrscheinlicher.

Ebenfalls gegenüber der dpa erklärte der Klima- und Hitzeforscher Julian Krüger vom Max-Planck-Institut für Meteorologie: „Das europäische Sommerklima wird maßgeblich vom Klimawandel beeinflusst. Neben einer generellen Verschiebung in Richtung wärmere Temperaturen erhöht der Klimawandel auch die Wahrscheinlichkeit für außergewöhnlich hohe Temperaturen bis hin zu Hitzeereignissen, die ohne den Klimawandel nicht möglich wären.“

Weiter Rekordhitze in Stuttgart erwartet

Aus Forschersicht erhöht der Klimawandel also nicht nur die Temperaturen insgesamt, sondern auch die Intensität der sommerlichen Hitze. Das unterstreicht für Stuttgart die Übersicht zu den historischen Höchsttemperaturen im Juni. Zählt man, in welchem Jahrzehnt der jeweilige Höchstwert für jeden Junitag gemessen wurde, fallen nur noch drei dieser Tagesrekorde in die 1970er bis 1990er Jahre. Die allermeisten wurden inzwischen nach der Jahrtausendwende aufgestellt.

Der Trend ist also eindeutig, und noch im Laufe der Woche dürfte sich der Balken für die 2020er Jahre verlängern. Die aktuellen DWD-Prognosen für die weiteren Tage lassen weitere Rekord-Hitzewerte erwarten. Bisherige Höchstwerte wie jene für den 24. Juni (32,9 Grad, gemessen 2005) oder den 27. Juni (31,2 Grad, gemessen 1976) werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von neuen Rekorden im laufenden Juni 2026 abgelöst.

Weitere aktuelle und historische Daten zu Temperatur und Niederschlag finden Sie auf der Seite zu unserem Projekt „Klimazentrale“.

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