Theaterhaus Stuttgart
: Gedenken an Gudrun Schretzmeier: „Wir vermissen dein Lächeln“

Ihr Tod machte sprachlos. Nun wurde Kostüm- und Bühnenbildnerin Gudrun Schretzmeier im Theaterhaus Stuttgart, das sie mitgründete, in einem würdigen Spektakel verabschiedet.
Von
Petra Mostbacher-Dix
Stuttgart
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Ministerin Petra Olschowski würdigt Gudrun Schretzmeier bei der Gedenkfeier.

Ferdinando Iannone

Diese Augen vergisst man nicht. Wie die zierliche Person selbst: Gudrun Schretzmeier strahlte – voller Wärme, Freude, Offenheit, Inspiration, Neugier, Humor und Schalk. Das offenbart auch das Schwarz-Weiß-Foto in Theaterhaus-Halle T1. Dorthin kamen viele zu einer Gedenkfeier, um Abschied zu nehmen von der vielfach preisgekrönten Kostüm- und Bühnenbildnerin für Film-, Fernsehen-, Theater-, Opern- und Tanzproduktionen. Von der Frau voller Ideen, die 1985 mit Werner Schretzmeier und dem Kabarettisten Peter Grohmann das Stuttgarter Theaterhaus gründete.

Das Leben und die Kunst feiern

Das Leben und die Kunst feiern: Beides „war für Gudrun Schretzmeier untrennbar verbunden“, betonte Baden-Württembergs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Petra Olschowski. Die leidenschaftliche Kämpferin für Demokratie habe Bühne neu gedacht, als Freiheit, Haltung, Zuhören, Verstehen, Miteinander, stets bereit für Experimente. „Sie sah das Chaos des Entstehens als das Leben selbst. Sie leuchtete!“ Lautete doch ihr Credo: „Die Menschen müssen leuchten – die, die kommen, die auf der Bühne, die, die dort arbeiten“, so Werner Schretzmeier. Seine Frau, im Krieg 1941 in Stuttgart geboren, habe 80 Jahre Demokratie und Frieden erlebt. „Das wünschte sie auch für die Zukunft, den jungen Menschen.“ Wie Wilma Wagner: Die Tochter von Theaterhausmitarbeitenden platzierte die farbenfrohe Urne in ein Meer aus Blütenblättern, indes Nino Rotas melancholische Filmmusik von Federico Fellinis „La Strada“ erklang. „Gudrun liebte Fellini!“, unterstrich der Theaterhauschef.

Werner Schretzmeier applaudiert seiner Frau noch einmal zu.

Foto: Ferdinando Iannone

Berührende Fotos von ihrer Kindheit bis heute begleiteten denn auch das Programm, das mit der Schlussarie zu „La Fest“ eröffnete, 2023 von Eric Gauthier in der Staatsoper Stuttgart inszeniert mit Kostümen von Gudrun Schretzmeier. Auch im Theaterhaus gingen Diana Hallers Koloraturen und Dorothea Schwarz’ Flügelspiel unter die Haut. Wie der gesamte Nachmittag! Etwa Stephan Moos’ Rezitation des Queens-Songs „The Show Must Go On“ zu Gitarrist Thomas Maos, der später Roman Roth und Lucie Mackert als Johnny und June Carter Cash begleitete. Oder Erika Stuckys Jodeln; der Free Jazz des Trio Bebelaar, Kroll und Beck; der rasante Stilmix der Hübner-Brüder mit Bobby Fischer alias Trio Berta Epple.

Und während Schauspielerin Barbara Stoll poetisch erzählte, wie Gudrun bei harten Proben „als Licht“ allen Leichtigkeit und Freude brachte, erinnerte Peter Grohmann an die Anfänge. Wie er mit den Schretzmeiers ratschlagte bei Paolo, im Schützenhaus, in der Kantine des Süddeutschen Rundfunks, wo Gudrun die Kostümabteilung leitete und Werner traf. Wie sie träumten von einer neuen, anderen Kunst für die Menschen. Die Kunst der engagierten, politischen, eloquenten, lebenslustigen Gudrun, voller Kreativität, Fantasie, positiver Energie. „Man zählte Groschen“, rückte zusammen, wie das nun wieder gegen die Dummbeißer von vorgestern nötig sei. „Die Fürsprecher der Demokratie, die Bänkelsänger und Liedermacher, die Rapper, die Träumenden, Fantasiereichen, die Theater und Tanz ohne Geld machen, die andersrum wirtschaftenden farbenprächtigen Vögel aus Kultur- und Jugendzentren – sie waren Gudrun: bunt und klug und frech und fröhlich und links, weil sie lieber auf Holzbänken saßen.“

Auf der Bühne werden Bilder aus Gudrun Schretzmeiers Leben gezeigt.

Foto: Ferdinando Iannone

Das gefiel auch Donovan. Der britische Sänger erzählte Gudrun in seiner Garderobe von Joan Baez, sie wurde ihr Fan. In München war das, wo sie – nach Stationen wie Bayreuther Festspielen und Pariser Haute-Couture-Häuser Dior und Jacques Esterel – in der Theaterkunst erste eigene Kostüme realisierte. Das „7 Minuten“-Theaterhaus-Ensemble interpretierte daher Baez’ „Here’s to You“. Eric Gauthier wünschte in seinem Song einen Engel an Gudruns Seite – und seine Dance Company erinnerte sich ihrer wie an eine Mutter, „wir vermissen dein Lächeln“.

Kostüme wie eine zweite Haut

Das beschrieben auch die Oscar-nominierte Kostümbildnerin Lisy Christl und Regisseur Christian Wagner, der mit ihr die Filme „Warchild“ und „Das Ende der Geduld“ machte, von ihrer Feinnervigkeit, Resolutheit, Genauigkeit, ihrem Gespür schwärmte. „Nie Fashion, nie Crowdpleaser, nie Verkleidung, das waren falsche Fuffziger! Ihre Kostüme waren zweite Haut, Behausung, mit Textur, Farbe, Stofflichkeit schuf sie Charaktere.“ Im Kurzfilm – montiert von Kamera-Altmeister Fritz Moser – sagte Regisseur Tim Toelle gar, dass er seine Figuren erst verstand in Gudruns Entwürfen. Manche davon waren in der Sporthalle zu sehen, wohin die Theaterhausbelegschaft mit Urne schritt. Einzigartige Teile! Wie meinte Gudrun noch? „Ich will mich nie wiederholen.“

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