Thermomix TM7
: Professor erklärt Thermomix-Hype – „Der Kunde muss sich bemühen“

Viele Menschen haben einen und schwören auf ihren Thermomix. Jetzt setzt ein neues Modell die Fans in Ekstase – ein Stuttgarter Professor erklärt, was hinter dem Hype steckt.
Von
Jonas Schöll
Stuttgart
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Vorwerk und die Vermarktung: Der Thermomix ist über den Direktvertrieb erhältlich.

dpa/Daniel Naupold

Solche Release-Parties kennt man eigentlich nur vom iPhone. Doch die Neuheit, die hier gleich präsentiert wird, kommt nicht aus dem Silicon Valley, sie kommt aus Wuppertal. Epische Musik, eine Lasershow, Stimmung wie auf einem Popkonzert: Der Staubsauger- und Küchenmaschinen-Direktvertreiber Vorwerk stellt der Weltöffentlichkeit sein neuestes Herzstück vor: den Thermomix TM7.

Tausende Zuschauer und Zuschauerinnen durften dem „Reveal“, der Enthüllung, des neuen Modells in einer Berliner Messehalle am Wochenende entgegenfiebern. Sie kreischen, jubeln und halten ihre Smartphones in die Luft, um das Spektakel zu filmen. Als der TM7, angestrahlt von einem Lichtkegel, auf einem Podest erscheint, gibt es kein Halten mehr. Die Thermomix-Community liegt sich schunkelnd in den Armen.

Markus Voeth ist Marketingprofessor an der Uni Hohenheim.

Foto: Markus Voeth

Thermomix TM7: Was steckt hinter dem Hype?

Auch andere Unternehmen wie Bosch, Xiaomi, Moulinex und Kenwood bieten vergleichbare Produkte an. Doch beim Thermomix ist irgendetwas anders. Schon längst geht es bei dem Gerät der Firma Vorwerk aus Wuppertal anscheinend um viel mehr als um einen elektrischen Allzweck-Küchentopf. Wie ist dieser Hype entstanden?

„Kultmarke wird man nur, wenn man immer wieder zeigt, dass man besser als der Wettbewerb ist“, erklärt der Stuttgarter Marketingprofessor Markus Voeth. „Den Thermomix gibt es seit mehr als 50 Jahren. Er ist also keine Eintagsfliege“, sagt der Lehrstuhlinhaber an der Universität Hohenheim. Martin Fassnacht, Professor für Strategie und Marketing an der Düsseldorfer Wirtschaftshochschule WHU sieht es ähnlich: „Thermomix ist Kult und hat einen ikonischen Status. Starke Marken polarisieren, Leute lieben oder hassen sie.“

Internetnutzer spotten über TM7: „Als ob der Erlöser kommt“

Auch im Internet spaltet der TM7 die Gemüter. Viele Nutzer in den Kommentaren unter den TikTok-Videos amüsieren sich über die Aufregung um das neue Küchengerät. Ein User schreibt: „Als ob der Erlöser kommt“. Andere bezeichnen die Fans als „Thermomix-Sekte“. Einige Nutzer vergleichen die Begeisterung auch mit Konzerten. So schreibt ein Nutzer: „Ich bin so ausgeflippt, als ich beim Backstreet Boys Konzert in der ersten Reihe stand“.

Ein Erfolgsrezept sieht der Stuttgarter Marketingprofessor Voeth darin, dass Vorwerk bei der Vermarktung des Thermomix von Beginn an auf direkten Vertrieb gesetzt hat und sich treu geblieben ist: „Sie kriegen den Thermomix eben nicht im Fachhandel, sondern nur bei Vorwerk beziehungsweise den Thermomix-Beraterinnen.“

Der 1971 erfundene Thermomix ist das wichtigste Produkt für Vorwerk. 2019 wurde das jüngste Modell TM6 auf den Markt gebracht und seitdem nach Firmenangaben weltweit mehr als 8 Millionen Mal verkauft. Auf die Küchenmaschine entfiel beim Wuppertaler Familienunternehmen zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes.

Thermomix TM7 & Co. besser als jede Marketing-Kampagne

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Das Prinzip der Knappheit. „Wenn der Kunde sich bemühen muss, das Produkt zu bekommen, dann ist er danach besonders von dem Produkt begeistert“, erklärt Fachmann Voeth. „Das war von Beginn an so beim Themomix, aber auch bei anderen Kultmarken wie etwa Rolex“, fügt er hinzu.

Was hinzu kommt: Die überzeugten und enthusiastischen Thermomix-Anhänger sind glaubwürdige Multiplikatoren. „Sie neigen dazu, sich permanent sehr positiv über das Kultprodukt gegenüber anderen potenziellen Kunden zu äußern“, sagt Voeth. „Und natürlich haben Sie mehr Überzeugungskraft als die aufwendigsten Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen der Unternehmen. Denn ihnen glauben potenzielle Interessenten sehr viel eher als den Unternehmen selber“, so der Wissenschaftler.

Was man über den Thermomix TM7 50 wissen muss

  • Der neue Thermomix soll in der zweiten April-Woche ausgeliefert werden.
  • Kunden können die Küchenmaschine jetzt im Internet vorbestellen.
  • Das Gerät verfügt über mehrere Neuheiten.
  • Erstmals soll es möglich sein, Lebensmittel und Gerichte ohne Deckel zu garen.
  • Mit 1.549 Euro kostet der TM7 50 Euro mehr als bisher.
  • In Blogs und Internetforen war lange gerätselt worden, welche Eigenschaften ein neuer Thermomix haben könnte. Spekuliert wurde unter anderem über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und einer Möglichkeit, das Gerät per Sprache zu steuern. Solche Funktionen sind zunächst nicht enthalten, sollen künftig aber verfügbar sein. Ein genauer Zeitpunkt steht bislang nicht fest.

    Dieser Artikel erschien ursprünglich im Februar 2025 und wurde im März aktualisiert.

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