Tiefbunker in Bad Cannstatt
: Blinddarm-OP unter der Erde

Lange Gänge, von denen Liegeräume, Ruheräume und sanitäre Anlagen abzweigen: Der Tiefbunker an der Oberen Waiblingerstraße ist eine unterirdische Welt für sich. Während des Kriegs wurde dort sogar operiert.
Von
Annina Baur
Stuttgart
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  • Werner Frank, Hans Peter Kuban und Rainer Becker

     
  • Hans Peter Kuban, Rainer Becker, Walter Frank und Heinz Olbrich (von vorne nach hinten im Bild) steigen hinab in den Tiefbunker.

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  • Rohre und Leitungen aller Art haben unter anderem dafür gesorgt, dass der Bunker mit Wasser versorgt und beheizt war.

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  • Viele der sanitären Anlagen sind noch gut erhalten.

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  • Über solche Schaltkästen wurden Lüftung und Heizung geregelt.

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  • An einigen Geräten hat über die Jahrzehnte der Rost genagt.

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  • Ganz schön lang sind die Gänge im Tiefbunker an der Oberen Waiblinger Straße.

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  • Die Aufschrift liefert einen Hinweis auf die ursprüngliche Nutzung des Bauwerks als Bettenbunker des Krankenhauses.

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  • Rein und raus aus dem Bunker ging es nur durch die sogenannten Gasschleusen.

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  • Die Sicherheitshinweise sind noch gut zu erkennen.

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Bad Cannstatt - Neben dem Kinderspielplatz gleich links steht ein kleiner Unterstand, in dem man auf den ersten Blick die Mülltonnen vermuten könnte. Doch hinter dem grünen Gatter gegenüber des Eingangs zum Wohnhaus an der Oberen Waiblinger Straße 145 verbirgt sich der Zugang zu einer unterirdischen Welt: Zwei steile Treppen führen in einen um 1940 erbauten Tiefbunker, der sich unter zwei der heute dort stehenden Häuser und über zwei Stockwerke erstreckt.

Bunker gehörte zum Krankenhaus

„Der Bunker war für circa 950 Personen geplant“, sagt Hans Peter Kuban vom Verein Schutzbauten Stuttgart. Wie viele Menschen in einem Bunker Schutz vor Bombenangriffen finden konnten, sei allerdings nicht nur eine Frage der Größe gewesen, gibt er zu bedenken: „Die Menschen müssen auch mit Luft versorgt werden.“ Schließlich seien alle Bunker aus Angst vor Gasangriffen gasdicht konstruiert worden. Die Angst vor solchen Angriffen spiegelt sich auch im Inneren des unterirdischen Bauwerks wider: Hinein ging es nur über eine sogenannte Gasschleuse. Dieser Raum verfügt über zwei Türen: Alle Menschen müssen erst durch eine Tür hinein und die zweite Tür zum Inneren des Bunkers wird erst geöffnet, wenn die erste wieder zu ist.

Im Tiefbunker an der Oberen Waiblinger Straße sind die Aufschriften noch gut zu erkennen: Gasschleuse D, Ausgang, Aborte, Ruheräume und Liegeräume zweigen von den langen Fluren ab. Von ähnlichen Bauwerken im Stadtgebiet unterscheidet sich der Bunker im Cannstatter Stadtteil Espan vor allem durch ein Merkmal. Hans Peter Kuban deutet auf die Türen, die zu den einzelnen Räumen führen: „Die Türrahmen sind viel breiter als üblich“, erklärt der Experte. Der Bunker an der Waiblinger Straße nämlich diente in erster Linie Patienten und Angestellten des Krankenhauses als Zuflucht. „Das hier war der Bettenbunker“, sagt Rainer Becker, der sich seit Jahren aus Interesse mit unterirdischen Bunkern beschäftigt und im Stadtteil lebt. Der Bettenbunker sei der einzige noch erhaltene von ehemals drei Bunkern, die zum Cannstatter Krankenhaus gehört hätten und sowohl untereinander als auch von der Klinik aus durch unterirdische Gänge miteinander verbunden waren. „Es gab auch einen Operationsbunker und einen Stollen.“

Lagerraum und Arbeitsplatz

Werner Frank, der schon lange an der Oberen Waiblinger Straße lebt, kannte einst sogar einen Nachbarn, dem 1943 unter der Erde der Blinddarm entfernt worden war. Überhaupt bringt es Eigenheiten mit sich, über einem Tiefbunker zu leben: „Wir haben keinen Keller, sondern Abstellräume in der Tiefgarage“, sagt Frank. Bis in die 90er Jahre sei die Hausgemeinschaft sogar zum Erhalt des Tiefbunkers verpflichtet gewesen, bevor dieser Passus aufgehoben worden war.

Inzwischen kümmert sich Hausmeister Heinz Olbrich um den Bunker: Er nutzt ihn als zusätzliche Lagerstätte für Besen und Eimer und bei schlechtem Wetter manchmal als Arbeitsplatz; zuletzt hat er die Parkbänke im Vorraum abgeschliffen, in Kürze erhalten sie einen neuen Anstrich. Immerhin ist es im Tiefbunker im Winter wärmer als draußen und im Sommer kälter. In Zukunft aber soll der Krankenhaus-Bunker nicht mehr nur Hausbewohnern zugänglich sein. „Wir wollen Führungen für Interessierte anbieten“, sagt Hans Peter Kuban.

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