Tigermücke in Stuttgart: Worauf Gartenbesitzer jetzt achten müssen

Die Asiatische Tigermücke fällt durch ihre schwarz-weiße Musterung auf.
Patrick Pleul/dpaDie Asiatische Tigermücke – die ursprünglich aus dem südostasiatischen Raum stammt – breitet sich seit einigen Jahren auch in der Region Stuttgart aus. In den Stuttgarter Stadtbezirken Weilimdorf, Mühlhausen und Vaihingen hat sie sich bereits angesiedelt. Das bereitet Experten angesichts einer möglichen Übertragung von Infektionskrankheiten wie Dengue-, Chikungunya-, Zika- und West-Nil-Virus Sorgen. Ab Mai startet die Saison der Asiatischen Mücke, die im Unterschied zu heimischen Mücken vor allem am Tag aktiv ist und sticht.
„Die Eier sind bereits gelegt. Wenn es warm bleibt, beginnen die folgenden Entwicklungsstadien, wobei Ei, Larve und Puppe auf Wasser angewiesen sind“, sagt Carsten Köhler, stellvertretender Direktor des Instituts für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie am Uniklinikum Tübingen und Leiter des Kompetenzzentrums Tropenmedizin Baden-Württemberg.
Wenn Temperatur und Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum stimmen, könne sich die Mücke „explosionsartig verbreiten“, so der Experte. Da die weibliche Mücke sehr schnell nach dem Schlüpfen geschlechtsreif sei, brauche sie auch bald ihre erste Blutmahlzeit – und trete dementsprechend aggressiv auf.
Im Sommer haben die Asiatischen Tigermücken Hochsaison

Carsten Köhler leitet das Kompetenzzentrum Tropenmedizin Baden-Württemberg.
Foto: Universitätsklinikum TübingenDer Spätsommer gilt als die Hochsaison für die tropischen Mücken – dann kann es für Garten- oder Balkonbesitzer in den betroffenen Gebieten ungemütlich werden. Da jedoch auch im Herbst noch Eier gelegt wurden, die den Winter überleben und aus denen nun im Frühjahr die erste Mückengeneration schlüpft, lohnt es sich, jetzt einen Blick in mögliche Brutstätten zu werfen.
Diese könnten beispielsweise Putzeimer, Gießkannen, Topfuntersetzer, Vogeltränken, Trinknäpfe, Autoreifen oder Kinderspielzeug sein sowie verstopfte Regenrinnen, in denen sich Wasser über mehrere Tage sammelt. Wer darin schwarze Eier findet, sollte sie mechanisch zerstören und im Hausmüll entsorgen. „Jeder ist selbst dafür verantwortlich, diese Brutstätten nach Möglichkeit zu vermeiden und somit die Verbreitung der Tigermücke einzudämmen“, betont Köhler. Ganz aufhalten lasse sich das kleine, schwarz-weiße Insekt mit den charakteristischen Streifen auf den Beinen seiner Meinung nach jedoch nicht mehr.
Die Tigermücke verbreitet sich mit dem Klimawandel immer stärker in Deutschland - insbesondere in Baden-Württemberg und Bayern, aber auch in Berlin. Gleichzeitig sinken die Investitionen in die globale Gesundheit weltweit. Das schwächt Gesundheitssysteme in tropischen Gebieten und treibt die Fallzahlen von Infektionskrankheiten wie Dengue und Chikungunya vor Ort in die Höhe – was wiederum das Risiko für die Ausbreitung nach Deutschland erhöht. „Die globale Gesundheit ist von Sparmaßnahmen betroffen, dabei sollte das für uns ein wichtiges Thema sein“, warnt Köhler.
Asiatische Tigermücke hat sich in beliebten Reiseländern ausgebreitet
Momentan ist die Mücke hierzulande vor allem lästig – dass man sich durch sie mit einer tropischen Krankheit infiziert, gilt noch als unwahrscheinlich. Doch ein infizierter Reiserückkehrer, der in Deutschland gestochen wird, genügt, um die Krankheiten auch an die hiesigen Tigermücken zu verbreiten. Deshalb rät der Experte, dass Menschen, die sich in Ländern aufgehalten haben, in denen Dengue-, Chikungunya-, Zika- oder West-Nil-Virus verbreitet sind, sich auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 14 Tage mit Mückenspray einsprühen. „Rund 80 Prozent der Dengue-Infizierten werden nämlich gar nicht krank und merken nicht, dass sie das Virus in sich tragen“, erklärt Köhler.
Interessant vor allem für Menschen, die in Risikogebiete reisen, ist außerdem, dass man sich inzwischen gegen das Dengue- und das Chikungunya-Virus impfen lassen kann. „Deshalb sollte man sich reisemedizinisch beraten lassen, bevor es in den Urlaub geht. Zusätzlich zur Impfung sollte man sich trotzdem noch mit Mückenschutz einsprühen – auch wenn es für viele lästig ist“, rät Köhler. Er erinnert daran, dass sich die Asiatische Tigermücke inzwischen nicht nur in tropischen Gebieten, sondern auch in vielen beliebten Reiseländern wie Frankreich, Italien und Spanien stark ausgebreitet hat.
Wer eine auffällige Mücke entdeckt, kann seinen Fund zur Bestimmung der Art an den „Mückenatlas“ (Infos unter http://mueckenatlas.com) schicken. Alternativ ist es möglich, ein Foto vom Tier per Mail an die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) zu senden: info@kabsev.de.
