Jahrestag der russischen Invasion
: Die „Ukraine-Demo in Stuttgart“ gibt nicht auf

Seit bald drei Jahren organisiert Denis Zipa in Stuttgart Kundgebungen gegen den russischen Überfall auf die Ukraine. Der Kurswechsel der Trump-Regierung macht ihn fassungslos. Doch er will weitermachen.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Ukraine-Demo am 25. Januar dieses Jahres in der Stuttgarter Innenstadt

Ferdinando Iannone

Denis Zipa ist ein Mann mit einem langen Atem. Seit dem russischen Überfall auf sein Heimatland Ukraine am 24. Februar vor drei Jahren setzt der Software-Entwickler mit Wohnsitz in Heilbronn alles Mögliche in Bewegung, um den Blick der Öffentlichkeit auf die Geschehnisse in der Ukraine zu lenken. Vom ersten Tag an, von der ersten großen Demonstration auf dem Wilhelmsplatz mit damals Tausenden Teilnehmern, war er aktiv. Zusammen mit einem kleinen Team organisierte er seitdem Dutzende Kundgebungen, die anfangs gut, später schwächer besucht waren. Zipa sagt, er wolle verhindern, „dass der Krieg in Vergessenheit gerät und damit das Kalkül Russlands aufgeht“.

Parallelen zum Münchner Abkommen von 1938?

Das will der 39-Jährige immer noch, auch wenn sich die Rahmenbedingungen dramatisch verändert haben. Der Kurswechsel von US-Präsident Donald Trump und die bedingungslosen Verhandlungen der USA mit Russland unter Ausschluss der Ukraine diese Woche in Saudi-Arabien, haben in der ukrainischen Community die schlimmsten Befürchtungen wahr werden lassen. Der Mann mit dem langen Atem holt am Telefon tief Luft: „Uns fehlen die Worte“, sagt er dann. Die Worte, die dann mit etwas Pause doch folgen, sind: „Bestürzung“ , „Traurigkeit“, „Fassungslosigkeit“. Zipa zieht Parallelen mit dem Münchner Abkommen von 1938, in dem das Sudetenland den Nazis überlassen wurde. „Sind wir wieder an dem Punkt, wo ein Kontinent aufgeteilt wird?“, fragt er bitter. Trump bestärke den russischen Präsidenten Wladimir Putin geradezu in seinem Expansionsstreben.

Mitorganisator der Ukraine-Demos in Stuttgart: Denis Zipa

Foto: red

Allerdings: Aufgeben wollen er und seine Mitstreiter nicht. „Wir machen weiter“, sagt Zipa, der in Kiew geboren wurde und mit seiner Familie 1995 nach Deutschland kam. „Wir sind fassungslos, über das, was gerade geschieht, aber wir sind nicht entmutigt.“ Jetzt komme es mehr denn je auf Europa an. Auch in dessen ureigenem Interesse: „Es geht um Demokratie, Freiheit und Menschenrechte“, betont er. Darin liegt auch seine Hoffnung: dass die Demokratien sich ihrer Stärke bewusst werden.

Diese Hoffnung spiegelt sich auch im Motto der nächsten Demonstration an diesem Samstag um 14 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Es lautet: „Light will win over darkness. Believe in Ukraine! Act For Democracy!“ Bewusst hat man sich den Tag vor der Bundestagswahl ausgesucht, um zu zeigen: „Die Wahl am 23. Februar wird auch für die Zukunft der Ukraine von großer Bedeutung sein.“ Zipa rechnet angesichts der jüngsten Ereignisse mit großem Zulauf.

Auch am Jahrestag der Invasion wird demonstriert

Auch am Jahrestag der russischen Invasion selbst, dem 24. Februar, wollen Zipa und die Bürgerinitiative „Ukraine-Demo in Stuttgart“ auf die Straße gehen. Für den Abend ist um 18 Uhr eine Demo am Börsenplatz geplant, mit der „an die großflächige Invasion Russlands in der Ukraine“ aufmerksam gemacht werden soll. Erinnern wollen die Ukrainer auch daran, „dass der Krieg bereits seit über elf Jahren dauert“, beginnend mit dem Überfall auf die Krim. Zipa ahnt, er wird noch einen viel längeren Atem brauchen.

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