Unglaubliches Foto von 1969
: Ozzy Osbourne macht Schneeengel im Schurwald

Als Black Sabbath 1969 in Fellbach-Schmiden nächtigten und in Schorndorf spielten, war Lothar Schiffler mit der Kamera dabei. Seine Erinnerungen an Ozzy Osbourne.
Von
Theresa Schäfer
Stuttgart
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Schneegepudert: Ein junger Ozzy Osbourne beim Kloster Adelberg.

Lothar Schiffler

Ozzy Osbourne macht Schneeengel. Sein Mantel ist weiß bestäubt, genauso wie seine Boots. Das Bild ist kurz vor Weihnachten 1969 entstanden, am Kloster Adelberg im Kreis Göppingen. Lothar Schiffler hat auf den Auslöser gedrückt. Der junge Fotograf aus Schorndorf hatte den Ausflug in den verschneiten Schurwald vorgeschlagen, um ein Fotoshooting mit der Band zu machen, die sich erst vor Kurzem den Namen „Black Sabbath“ gegeben hatte. Er dachte, den vier Rockern könnte die „Gothic-Atmosphäre“ des Klosters gefallen. Am Ende stand das Bild von Osbourne im Schnee – Fotobeweis einer unglaublichen Geschichte.

Die Rocker aus Birmingham verschlug es im Dezember 1969 ins Schwäbische, weil ihnen in Zürich ein windiger Konzertveranstalter übel mitgespielt hatte. Ein Roadie hatte Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward den Tipp gegeben, dass sein Kumpel Werner Schretzmeier in Fellbach ihnen vielleicht weiterhelfen könnte. Mit nur noch ein paar Litern Sprit im Tank des Tourbusses kamen sie dort an und spielten am 20. Dezember in der Schorndorfer Manufaktur ein Konzert – auch ihren späteren Welthit „Paranoid“ hauten sie dem schwäbischen Publikum an diesem Abend um die Ohren. Auch hier drückte der damals 23-jährige Schiffler, der auch in der Manufaktur mitmischte, ab. Der „Prince of Darkness“ mit Babyface und im spießigen Rollkragenpulli. „Es war erregend, es war großartig“, schrieb Schretzmeier, in Stuttgart als Theaterhaus-Chef längst selbst eine Legende, mal.

Anschließend nächtigten die Briten bei Werner Schretzmeier und seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Gudrun in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung im Fellbacher Postweg. Die war schon gut belegt: Mit den Kommune-I-Leuten Uschi Obermaier und Rainer Langhans, die zufällig auch bei den Schretzmeiers zu Besuch waren. Man rauchte ein paar „lustige Zigaretten“ – was ein Ausklang der „Swinging Sixties“ im spießigen Fellbach-Schmiden. Am Ende hatten den Heavy-Metaler mit dem Konzert in der Manufaktur und Auftritten in Göppingen und Schwäbisch Hall genug Geld zusammen, dass sie die Heimfahrt nach Birmingham antreten konnten.

Lothar Schiffler arbeitet seit Jahrzehnten als freier Fotograf.

Foto: Lothar Schiffler

„Total nett“, fand Lothar Schiffler, der seit Jahrzehnten als freier Fotograf arbeitet, die vier Briten. „Ozzy war ein charmanter Lautsprecher, oft auch ein Clown.“ Da habe er es nur passend gefunden, dass sich der Leadsänger in den Schnee wirft und Engelabdrücke macht. „Die anderen waren eher still und höflich.“

Dass dieser „charmante Lautsprecher“ nun mit 76 Jahren gestorben ist, hat Schiffler am Dienstagabend erfahren, als seine Schwester ihm eine SMS schrieb. „Ich war schon immer zwei Jahre älter als Ozzy“, sagt der 78-Jährige, „aber habe Gottseidank einen nicht ganz so intensiven Lebenswandel wie er.“

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