Verkehr in Stuttgart
: Wastl und die Taxi-Odyssee

Eine Frau mit Zwergdackel blitzt bei mehreren Stuttgarter Taxi-Fahrern ab. Das Ordnungsamt verlangt „pragmatische“ Lösung. Frauchen setzt sich künftig wieder selbst ans Steuer.
Von
Wenke Böhm
Stuttgart
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Der will nur Taxi fahren – für einen Dackel in Stuttgart gar nicht so einfach.

Mauritius

Wastl ist schon zehn Jahre alt und damit ein Senior unter seinesgleichen. Seit dem Tod seines Herrchens ist er blind. Dass der betagte Zwergdackel keine Kampfmaschine ist, liegt auf der Hand. Trotzdem musste sein Frauchen eine Odyssee über sich ergehen lassen, um einen Taxifahrer zu finden, der sie mit ihrem Wastl transportieren wollte. „Ich war ausgesprochen schockiert. So geht das doch nicht!“, sagt die 78-jährige Margareta Krauß, die selbst unter Fersenspornen leidet und nicht mehr gut zu Fuß ist.

Mit Freunden wollte die Seniorin an dem Tag eine Busfahrt nach Schwetzingen machen. Obwohl sie, wie sie betont, noch gut und gerne Auto fährt, fand sie es komfortabler, per Taxi von ihrer Wohnung in Botnang zum Startpunkt am Hauptbahnhof zu fahren. Doch schon auf dem Hinweg schwante ihr, dass sie Probleme bekommen könnte. Der Fahrer habe ihr gesagt, nächstes Mal müsse sie ein Taxi vorbestellen, wenn sie den Hund mitnehmen wolle, erzählt sie. „Er war dabei aber sehr nett“ – was man von den Taxifahrern im weiteren Verlauf so nicht mehr sagen kann.

Erst nach längerer Suche einen Fahrer gefunden

„Auf dem Heimweg habe ich am Hauptbahnhof ganz höflich gefragt, wer mich fährt. Daraufhin hat ein Fahrer mich an­gebrüllt und gesagt, sie würden keine Tie­re    transportieren“, berichtet Margareta Krauß. Sie sei die Reihe dann ein ganzes Stück entlanggelaufen, aber keiner der Fahrer habe eingewilligt – bis ihr nach längerem Suchen schließlich ein Mann auf die Schulter geklopft und angeboten habe, sie mitzunehmen. Er habe dann aber die ganze Fahrt über kein weiteres Wort mit ihr gesprochen. „Ich hatte Sorgen, dass er meinetwegen vielleicht Ärger mit den anderen bekommt.“

Bei der Taxi-Auto-Zentrale (TAZ) herrscht Bedauern, aber auch etwas Ratlosigkeit angesichts der Beschwerde. „Warum hat sich die Frau nicht gleich an uns gewandt? Heute können wir das nicht mehr nachvollziehen“, sagte der Leiter der Funkzentrale. Sie hätten ein Interesse daran, schwarze Schafe herauszufinden. Er weist darauf hin, dass Hundebesitzer für die Sicherheit von Fahrer und Fahrzeug zu sorgen haben. Für kräftige und agile Hunde etwa müssten die Kunden Transportboxen mitbringen. Bei dem Gedanken, ihr Wastl könne als gefährlich angesehen werde, muss Krauß allerdings lachen. „Er sitzt immer ganz ruhig im Fußraum.“

Taxi-Zentrale rät zur Voranmeldung

Auch Allergien könnten ein Grund sein, warum ein Fahrer ausnahmsweise den Transport eines Tieres verweigern dürfe, sagt der Leiter der TAZ-Funkzentrale. Warum Krauß mit ihrem alten, kleinen Dackel aber gleich von mehreren Fahrern eine Abfuhr erhielt, kann er nicht erklären. „Ich verstehe nicht, warum wir sie nicht gefahren haben.“ Es gebe bei ihnen genügend Fahrer, die Hunde transportierten. Er könne deshalb jedem Hundebesitzer nur raten, das Tier sicherheitshalber vorher unter der Telefonnummer 5 51 00 00 anzumelden.

Das Stuttgarter Ordnungsamt gibt der Taxizentrale ein Stück weit recht. „Die betroffene Dame hätte bezüglich des Zwergdackels für die Tiersicherung selbst sorgen müssen. Hätte sie zum Beispiel eine Transportbox dabeigehabt, hätte die Fahrt nicht abgelehnt werden dürfen“, teilte Steffen Hammel, Leiter der Führerscheinstelle, mit. Eine Ausnahme gebe es nur, wenn eine Allergie vorliege. Der Fahrer hafte letztlich für die Sicherheit, führte Hammel weiter aus. Er könne nicht riskieren, dass er durch den Hund abgelenkt werde oder dass dieser ihm gar irgendwie ins Lenkrad springe. Eine eher theoretische Gefahr angesichts Wastls fortgeschrittenem Alter. „In diesem Fall hätte pragmatisch entschieden und die Beförderungspflicht so ausgelegt werden müssen, dass die Frau mit ihrem Hündchen auch ohne Transportbox oder Ähnlichem befördert wird.“

Pragmatisch entscheiden – das will künftig auch Wastls Frauchen machen. Margareta Krauß resümiert: „Nächstes Mal fahre ich eben wieder selbst.“

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